Fleißige Punktesammlerin: Laura Künzler will bei Allianz MTV Stuttgart angreifen. Foto: Baumann

Dank der Schweizerin wird der ohnehin schon starke Angriff des Volleyball-Bundesligisten noch gefährlicher – das soll sich auch in der Champions League auszahlen.

Allianz MTV Stuttgart hat auch deshalb eine herausragende Saison gespielt, weil es in der Bundesliga kein durchschlagskräftigeres Duo gab als Krystal Rivers und Simone Lee. Punkt für Punkt sammelten die US-Amerikanerinnen, vor allem in den wichtigen Spielen des Meisters und Pokalsiegers machten meist sie den Unterschied. Beide sind geblieben, und trotzdem hat sich der Verein prominent verstärkt – mit Laura Künzler.

 

Die Schweizerin, die vom VC Wiesbaden kommt, war in der vergangenen Runde laut Statistik die beste Scorerin der Bundesliga (hier werden erzielte Punkte und Fehler in Relation gesetzt). „Sie ist ohne Frage eine super Angreiferin“, sagt MTV-Sportdirektorin Kim Renkema, „wir haben nun eine sehr interessante Konstellation.“ Intern wie extern.

Außergewöhnlicher Konkurrenzkampf

Wenn die nationale Nummer eins meint, nochmals nachlegen zu müssen, liegt der Grund auf der Hand: Allianz MTV Stuttgart will auch in der Champions League etwas bewegen. „Es war das Ziel, uns für die Königsklasse noch stärker aufzustellen“, erklärt Kim Renkema, „wir verfügen nun über unglaublich viel Angriffspower. Aber gegen europäische Topgegner muss man auch mit viel Power dagegenhalten, da geht es nur mit Kraft und Athletik.“ In der eigenen Mannschaft könnte das allerdings einiges durcheinanderwirbeln.

Bisher waren Maria Segura Palléres dank ihrer enormen Qualität in der Annahme und Simone Lee auf den zwei Außenpositionen gesetzt. Nun gibt es eine dritte feste Größe. „Die Konkurrenz auf dieser Position ist außergewöhnlich“, sagt Kim Renkema. Und Trainer Tore Aleksandersen meint: „Auf uns warten viele Spiele auf hohem Niveau, deshalb brauchen wir einen ausgeglichenen Kader. Auf Außen wird es ein harter Kampf.“ Der Laura Künzler alles andere als schreckt.

Grenzen austesten

Die 25-Jährige musste nicht lange überlegen, als das Angebot aus Stuttgart kam: Es passte genau in ihren Karriereplan. „Jede Spielerin in der Bundesliga schaut zu diesem Verein auf und hat das Ziel, selbst in einem so professionellen Umfeld arbeiten zu können“, sagt Laura Künzler, „ich bin in meiner Entwicklung nicht am Ende angekommen, ich kann noch mehr. In Stuttgart will ich meine Grenzen ausloten und das Maximum erreichen.“ Es ist ein Satz, der zu ihrer persönlichen Geschichte passt.

Laura Künzler wurde in Kalifornien geboren, weil ihr Vater dort an der Universität in Berkeley lehrte. Drei Monate später zog die Familie nach Heidelberg, groß wurde Laura Künzler in Neuenhof in der Schweiz. Auch volleyballerisch. Bereits mit 17 Jahren machte sie ihr erstes Länderspiel, nach dem Abitur zog es sie in die Bundesliga. „Die Liga in der Schweiz ist ein gutes Sprungbrett für Talente, mehr allerdings auch nicht“, sagt sie, „ich wollte mich in meinen Träumen nicht limitieren lassen.“

„Wir fordern uns gegenseitig“

Nach zwei Jahren bei den Roten Raben Vilsbiburg wechselte sie nach Frankreich, was sie weitergebracht hat: „Die zwei Jahre dort haben mit sehr geholfen, mich sportlich und menschlich zu entwickeln.“ Anschließend folgte eine Saison in Wiesbaden – und nun ist Laura Künzler, nachdem sie knapp zweieinhalb Monate mit dem Nationalteam unterwegs war, seit gut einer Woche in Stuttgart. Von der Stadt hat die Café-Liebhaberin in dieser Zeit noch nichts gesehen, dafür aber ihre neue Mannschaft, für die sie beim Vorbereitungsturnier am Samstag erstmals auflief, schon ziemlich gut kennengelernt. „In jedem Training ist extrem viel los, das Niveau ist unglaublich. Wir fordern uns gegenseitig“, sagt die Außenangreiferin, „ich muss in jeder Einheit alles geben, um mich zu behaupten. So habe ich es mir gewünscht.“ Wobei Laura Künzler weit davon entfernt ist, nur an sich zu denken.

Klar, die eigene Entwicklung ist ihr wichtig. Im Fokus aber steht der Erfolg der Mannschaft. „Wir haben viele sehr starke Athletinnen. Und trotzdem müssen wir die Last auf mehrere Schultern verteilen. Wir brauchen viele Spielerinnen mit Killerinstinkt, da zähle ich mich dazu“, sagt sie, „und gleichzeitig geht es nicht darum, dass ich mein geilstes Spiel zeige, sondern nur um das beste Level, das die Mannschaft erreichen kann.“ Partie für Partie. Das ist herausfordernd – weshalb es hilft, dass sich zwei Vorhaben von Künzler ziemlich einfach realisieren lassen werden.

Erster Sieg in der Scharrena

Sie hatte immer den Traum, in der Champions League zu spielen, im Dezember ist es so weit. Bereits ein paar Wochen vorher dürfte sie ihren ersten Sieg in der Scharrena gefeiert haben, wo sie bisher stets leer ausging. Bleibt die Frage, ob Künzler in dieser Saison – Ziel Nummer drei – mit dem MTV endlich auch ihren ersten wichtigen Titel als Volleyballerin gewinnt? An zu wenig Power im Angriff, so viel ist sicher, wird es nicht scheitern.