Albert Uderzo Asterix-Zeichner verklagt seine Tochter

Von Birgit Holzer 

Asterix-Zeichner Albert Uderzo  wirft seiner Tochter „psychologische Gewalt“ vor. Foto: dpa
Asterix-Zeichner Albert Uderzo wirft seiner Tochter „psychologische Gewalt“ vor. Foto: dpa

Seit Jahren streitet Asterix-Zeichner Albert Uderzo mit seiner Tochter. Nun hat die Familienfehde einen neuen Höhepunkt erreicht.

Seit Jahren streitet Asterix-Zeichner Albert Uderzo mit seiner Tochter. Nun hat die Familienfehde einen neuen Höhepunkt erreicht.

Paris - Sie erscheint wie die Schwester des Comic-Helden Asterix, ähnlich forsch und einfallsreich wie er, von seiner Gutmütigkeit hingegen scheint sie wenig zu besitzen: Sylvie Uderzo liefert sich seit sechs Jahren einen heftigen Streit mit ihrem Vater Albert, dem Miterfinder des legendären Galliers. Nun hat der Familienzwist einen neuen Höhepunkt erreicht: Der Anwalt des 86-jährigen Uderzo, Pierre Cornut Gentille, kündigte an, Anzeige wegen „psychologischer Gewalt“ gegen Sylvie Uderzo und ihren Mann Bernard de Choisy zu erstatten.

Es geht um nicht weniger als das Erbe des mit 352 Millionen Alben am häufigsten verkauften Comics der Welt, der in 111 Sprachen und Dialekte übersetzt wurde. Ende Oktober erschien der 35. Band „Asterix bei den Pikten“, den erstmals nicht mehr Uderzo selbst gezeichnet hat. Uderzo und seine Frau Ada werfen ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn vor, ohne jede Grundlage juristische Schritte eingeleitet zu haben, weil sie das Asterix-Imperium, dessen Wert auf 30 Millionen Euro geschätzt wird, „an sich reißen“ wollten und nach ihrem Erbe „gierten“.

Bereits im Jahr 2007 war der Bruch der einzigen Uderzo-Tochter mit ihrem Vater erfolgt, nachdem er ihr nach heftigen Spannungen die Geschäftsführung des Verlagshauses Albert René entzogen hatte. Dieses hatte Uderzo 1977 nach dem plötzlichen Tod des Asterix-Miterfinders René Goscinny gegründet. 2008 wurde es schließlich an den französischen Verlag Hachette Livre verkauft.

Sylvie Uderzo bangt um ihr Erbe

Nicht nur hatte Sylvie Uderzo versucht, sich juristisch gegen ihre Entlassung zu wehren, sowie gegen die Überlassung ihrer Anteile an Hachette, für die sie letztlich immerhin 13,6 Millionen Euro erhielt. 2011 erstattete sie zudem Anzeige gegen Unbekannt wegen „Ausnutzung von Schwäche“ ihres gealterten Vaters. In der Presse legte die heute 57-Jährige dar, er sei von „Betrügern“ umgeben, die die Familie zerschlugen und seine Altersschwäche missbrauchten, um Einfluss auf sein Werk und die Vermögensverwaltung zu nehmen: Sie hätten ihn gedrängt, ein Jagdflugzeug Mirage III zu kaufen, die Empfänger der Lebensversicherungen zu ändern und Teile des Unternehmens abzugeben. „Ich habe nie gesagt, dass mein Vater senil ist“, erklärte sie in einem Interview. „Aber er ist krank. Er verschleudert sein Vermögen. Auf Kosten meiner Kinder drängeln sich Leute um ihn.“

Uderzo wiederum beklagte, von der eigenen Tochter als „alter, manipulierter Mann“ dargestellt worden zu sein. Stundenlang untersuchten ihn Ärzte, die zu dem Schluss kamen, dass er an keinerlei krankhaften Störungen leide; er sei „klarsichtig, wenig beeinflussbar, sich der Realität absolut bewusst“, verfüge über eine gute Erinnerung und eine für sein Alter „überraschende Lebendigkeit des Geistes“.

Sylvie Uderzo bezichtigt den Rechnungsprüfer ihres Vaters zudem der Falschaussage. Die Ermittlungen dürften bald eingestellt werden, erklärte Uderzos Anwalt. „Aber wir gehen davon aus, dass sie in Berufung gehen wird.“ Die Familienfehde erinnert an jene um L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. Die 91-jährige Milliardärin und reichste Frau Frankreichs zerstritt sich mit ihrer Tochter Françoise, nachdem diese ebenfalls wegen „Ausnutzung von Schwäche“ unter anderem gegen den Künstler François-Marie Banier klagte, der Geschenke im Wert von knapp einer Milliarde Euro bekommen hatte. Bettencourt ist inzwischen unter Vormundschaft gestellt; Uderzo dagegen gibt sich weiter so kämpferisch wie der Gallier, den er einst geschaffen hat.

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