Krebs ist nichts, was man nur vom Hörensagen kennt. Viele Menschen kennen Betroffene. Die Göppinger Alb-Fils-Kliniken sind bei der Therapie breit aufgestellt.
Der Darmkrebsmonat März ist alljährlich der Auftakt für nationale und internationale Organisationen, den Kampf speziell gegen Darmkrebs zu thematisieren. Es geht darum, die Erkrankung und dessen Früherkennung zu thematisieren. Die Behandlung dieser sehr häufigen Tumorart ist schon seit rund 20 Jahren fest an den Alb-Fils-Kliniken verankert.
Auf das Brustkrebszentrum, das als Erstes an den Start ging, folgten seinerzeit das Darmkrebszentrum und anschließend das Pankreaszentrum sowie das gynäkologische Zentrum. 2022 wurde auch das Prostatakrebszentrum erstmals zertifiziert. Sie alle waren lange Zeit unter dem Dach des Onkologischen Schwerpunkts, einer Art Dachorganisation für alle an der Diagnostik, Behandlung und Betreuung beteiligten Zentren, vereint.
Das Zentrum ist von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert worden
Die Versorgung sei in den vergangenen Jahren konsequent erweitert worden, der Onkologische Schwerpunkt habe sich zum Onkologischen Zentrum weiterentwickelt, erklärt Professor Martin Bommer, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie. Und hier erreichten die kreiseigenen Kliniken im vergangenen Sommer einen Meilenstein: Das Zentrum hat das Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft erhalten und „arbeitet seitdem auf höchstem Qualitätsniveau“, macht der Vorsitzende des Onkologischen Zentrums deutlich.
Die Zertifizierungsgesellschaft OnkoZert hatte vor etwa einem dreiviertel Jahr das übergreifende Gütezeichen für die Krebsbehandlung übergeben. Die Kriterien für die Zertifizierung seien umfangreich und anspruchsvoll gewesen und hätten den in der Krebstherapie involvierten Fachabteilungen einiges abverlangt, denkt Bommer zurück. Die Arbeit sei aber nicht zu Ende: „Das Hämatologie-Zentrum hat die Vorstufe zur Vollzertifizierung erreicht“, sagt der Chefarzt. 175 Neuerkrankungen pro Jahr verzeichneten die Alb-Fils-Kliniken. Die Hämatologie befasst sich mit gut- und bösartigen Erkrankungen des Blutes, der Lymphknoten und des lymphatischen Systems.
Relativ neu ist das Lungenkrebszentrum. „Kooperation statt Wettbewerb“ hieß im Juli vergangenen Jahres das Motto. Die Alb-Fils-Kliniken (AFK), die Medius Kliniken und das Klinikum Esslingen gründeten das Thorax-Zentrum Südwest, im Laufe der Zeit schloss sich noch das Klinikum Ludwigsburg an. Sie alle arbeiten jetzt bei der Behandlung von Patienten mit Lungenleiden eng zusammen. Die Alb-Fils-Kliniken streben gemeinsam mit den Partnern an, im Frühjahr den Titel zertifiziertes Lungenkrebszentrum zu erhalten. „Die Kooperation läuft gut“, sagt Bommer. Jedoch seien technische Probleme und eine fehlende Infrastruktur eine Herausforderung. Dies ist jedoch ein bundesweites Problem und beruht auf der fehlenden einheitlichen Digitalisierungsstruktur im deutschen Gesundheitswesen.
Dass die Krebsbehandlung einen immer höheren Stellenwert bekommt, zeigen die Fakten: „Die Zahl der bösartigen Neuerkrankungen steigt an den Alb-Fils Kliniken jedes Jahr im einstelligen Prozentbereich“, erklärt der Mediziner. Dies sei einerseits dem Älterwerden der Gesellschaft geschuldet, aber auch dem eigenen Risikoverhalten. „Es haben immer mehr Frauen Lungenkrebs“, sagt Martin Bommer.
Lungenkrebs rangiert mittlerweile bei Männern auf Platz zwei und bei Frauen auf Platz drei der häufigsten Tumorerkrankungen. Und weil es eben immer mehr Patienten werden, „müssen die Abläufe optimiert werden“, macht der Vorsitzende des Onkologischen Zentrums deutlich.
Bei Lungentumoren ist der medizinische Fortschritt rasant
Geht es um Tumorerkrankungen, „handelt es sich meist um eine sprechende Medizin“, unterstreicht Bommer. Das heißt: Es braucht eine gewisse Zeit, um den Patienten Diagnose und Behandlung zu erklären. Das Rationalisierungspotenzial sei daher begrenzt. Positiv bewertet der Experte, dass neue Therapiemöglichkeiten nicht nur vermehrt Heilung versprechen, sondern auch „eine Lebensverlängerung bei bestmöglicher Lebensqualität“. Bei Lungenkrebs sei der Fortschritt signifikant. Nach der Diagnose noch acht, neun Jahre zu leben, sei heute keine Seltenheit. „Die Behandlung ist effektiver und individualisierter“, fasst Bommer zusammen. Weil: „Krebs ist nicht gleich Krebs. Es gibt viele hundert oder sogar tausend unterschiedliche Erkrankungen und dadurch natürlich ein Konglomerat an Behandlungen.“ Dem Onkologischen Zentrum komme daher eine große Bedeutung zu. „Es sorgt dafür, dass die Patienten eine Therapie nach dem aktuellen, wissenschaftlichen Standard erhalten.“ Bommer betont, dass in Göppingen „Innovationen schnell und möglichst reibungsfrei zum Patienten kommen“. Gerade bei Lungentumoren sei der Fortschritt rasant: „Jedes halbe Jahr gibt es Neuerungen.“
Um Krebs vorzubeugen, werden Mediziner nicht müde, auf die Vorsorge hinzuweisen. Bei Frauen stehen Brust- und Darmkrebs von der Häufigkeit her ganz weit oben, beim Mann sind es Prostata- und Darmkrebs. Alle drei Tumorarten lassen sich durch Vorsorge früh erkennen. Um Lungenkrebs, vor allem bei gefährdeten Menschen, rechtzeitig festzustellen, werde derzeit ein spezielles Screening via Computertomographie diskutiert. Das Wichtigste, um Lungenkrebs vorzubeugen, ist jedoch der vollständige Verzicht auf das Rauchen.
Was manchmal vergessen werde, ist die Palliativstation als Teil der onkologischen Versorgung. Sie hat nach dem Umzug aus Geislingen Anfang Januar ihren Betrieb in der Klinik am Eichert in Göppingen aufgenommen. „Wir haben hier viele onkologische Patienten. Ziel ist es, das Portfolio der Palliativversorgung zu festigen.“
Schon in der Antike gab es Krebserkrankungen
Historie
Bereits in der Antike wurden vereinzelt Krebserkrankungen beobachtet. Erstmalig soll Krebs vom ägyptischen Gelehrten Imhotep 2625 vor Christus beschrieben worden sein, heißt es auf der Homepage des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg.
Zahlen
Heutzutage kennt fast jeder eine Person in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis, die an einer Krebserkrankung leidet. In den Alb-Fils-Kliniken steigt die Zahl der bösartigen Neuerkrankungen jedes Jahr im einstelligen Prozentbereich, verdeutlicht Professor Martin Bommer. Dies sei nicht nur dem Älterwerden der Gesellschaft geschuldet.