Konzentration beim Akkordeon-Orchester Wimsheim Foto:  / Martin Bernklau

Auch im Heckengäu lebt die Tradition des Akkordeonspiels fort. Aber nicht nur Corona hat die Situation der Vereine verändert.

Das Akkordeon-Orchester Wimsheim begeht in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Für die Musiker ist es das erste Jahr nach der Corona-Zwangspause. Im März 2020 habe es dem Akkordeon-Orchester „zwei Wochen vor dem Konzert die Füße weggezogen“, erinnert sich der Vorstand Jérome Munier, ein gebürtiger Elsässer. Plakate und Flyer waren schon gedruckt und verteilt, als das plötzliche Aus kam. Aber alles in allem, besonders im Vergleich zu vielen Vereinen, denen „Corona den Todesstoß versetzt hat“, habe man die Krise in Wimsheim „gut überstanden“.

 

Die Zahl der Aktiven ist mit 52 und die der Mitglieder mit 135 „relativ stabil geblieben“, auch wenn der Probenbesuch „etwas schleppend begann“ und sich erst allmählich wieder so gut entwickelte wie vormals, sagt Dirigent Maic Widmann. Dabei habe man jede behördlich erlaubte Möglichkeit zu musizieren genutzt, zeitweise sogar mit Maske.

Auch nach einem Rekordbesuch bleibt in der Kasse nicht viel übrig

Besonders stolz sind die Wimsheimer auf ihren Nachwuchs. Es besteht eine Zusammenarbeit mit den Schulen am Ort und in Friolzheim, wo Akkordeon-AG’s angeboten werden, sagt Dagmar Weiß, die dort 35 Kinder unterrichtet.

Finanziell hingegen sieht es trotz Zuschüssen von den Gemeinden mau aus, nachdem es drei Jahre lang keine größeren Veranstaltungen gab – vor allem das Wimsheimer Straßenfest nicht, wo die legendäre Cocktail-Bar seit Jahrzehnten die Haupteinnahmequelle des Vereins ist. Selbst vom ausverkauften Jubiläumskonzert in der Hagenschießhalle mit seinem Rekordbesuch von rund 500 Menschen blieb in der Kasse nicht viel übrig, die die Ausgaben für Dirigenten und Lehrer tragen muss.

Erster Preis beim World Music Festival in Innsbruck

Vor Corona hatte Maic Widmann mit dem Orchester große Erfolge gefeiert: Man gewann den ersten Preis beim World Music Festival zu Innsbruck. Das Jugendorchester errang die höchstmögliche Punktzahl von 50.

Widmann ist im Trossinger Hohner-Konservatorium ausgebildet worden. Doch das Spitzen-Institut von Weltruf sei auch in der Krise, weiß er. Und überhaupt fehlten mittlerweile Dirigenten an allen Ecken und Enden – wovon die Vereine in einem Akkordeon-Stammland wie dem Heckengäu besonders betroffen sind.

Die Einnahmenquellen während Corona fehlen noch heute

Die Handharmonikafreunde Flacht-Weissach sind noch ein wenig älter als die Jubilare in der Nachbarschaft. Sie wurden 1949 gegründet. Man knüpfte an den Boom an, der vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen worden war: Hohner in Trossingen war 1939 mit 4000 Beschäftigten die größte Instrumentenfabrik der Welt.

Bei den Harmonikafreunden kam zu Corona ein besonderer Schock hinzu: der langjährige Dirigent Günter Stoll starb plötzlich. Er konnte jedoch durch eine gleichrangige Koryphäe ersetzt werden, den Dirigenten, Dozenten, Arrangeur und Komponisten Ralf Schwarzien, wie von der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Silke Hundertmark-Keller zu erfahren ist. Auch in ihrem Verein hielt man den Betrieb mit Online-Unterricht und Masken-Proben so gut es ging aufrecht. Aber die Konzerte und das Waldfest fehlten trotzdem als Einnahmequelle.

Vom Jugendorchester blieben nur acht Kinder übrig

Für den Harmonika-Spielring in Malmsheim versiegten auch viele der bis dahin verlässlichen Geldquellen: Der Ostermarkt, das Bachstraßenfest und die Jahreskonzerte fielen aus, neben den Proben musste viel Unterricht storniert werden. Aber all diese Einschränkungen sind nicht der alleinige Grund für die anhaltenden Sorgen. Der Verein „befindet sich in einer schwierigen Phase, die durch Corona beschleunigt, aber nicht hervorgerufen wurde“, sagt der Vorsitzende Hermann Krämer.

Waren Anfang 2020 noch 32 Kinder und Jugendliche in der Ausbildung, sind es jetzt nur noch 19. Lehrkräfte gingen. Inzwischen behalf man sich mit Stunden per Skype. Vom Jugendorchester blieb ein Schülerorchester mit acht Kindern übrig. Auch bei den Erwachsenen kamen nach der Zwangspause viele nicht mehr zurück in die Proben. Aus vormals zwei Erwachsenen-Orchestern wurde ein einziges mit nur noch sieben Spielern und hohem Durchschnittsalter.