So viel ist unstrittig: Mara Walz bekommt eine Nachfolgerin. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ein Jahr lang hat Weinkönigin Mara Walz kompetent und charmant den württembergischen Wein beworben. Jetzt soll in Lauffen eine Nachfolgerin gewählt werden. Doch im Vorfeld gibt es Ärger, weil der Verband mit der örtlichen Genossenschaft ein Monopol vereinbart hat.

Lauffen - Auf der Karte stehen ein Weißburgunder, ein Riesling, ein Lemberger, eine Cabernet-Cuvée und natürlich ein Trollinger. Mehr braucht ein rechter Schwabe nicht, um eine Weinköniginnen-Wahl bis zum bitteren Ende durchzustehen. Doch im Vorfeld der diesjährigen Krönungsmesse, die am Donnerstagabend in der Stadthalle des Weinorts Lauffen (Kreis Heilbronn) stattfindet, stößt die Auswahl auf der Getränkekarte leider nicht auf ungeteilte Zustimmung. Denn irgendwie haben es nur Weine der örtlichen Weingärtnergenossenschaft (WG) darauf geschafft.

Der Verband lässt einladen

Das erzürnt die selbstständigen Wengerter am Ort, die zwar Mitglieder im Verband, nicht aber in der Weingärtnergenossenschaft sind. Sieben gibt es von ihnen in Lauffen, zusammen bearbeiten sie 15 Prozent der Weinbaufläche. „Gerne hätte ich, ebenso wie die meisten meiner Weingutskollegen hier am Ort, mit einigen schönen Weinen am Abend der Königinnenwahl die Arbeit des Verbandes unterstützt“, schreibt der Weingärtner Michael Schiefer vom gleichnamigen Weingut in einem Brief an den Präsidenten des Württembergischen Weinbauverbands, Hermann Hohl. Doch leider habe der Verband im Vorfeld keinen Kontakt aufgenommen. Nicht einmal die Einladung sei vom Verband gekommen, sondern von der Stadt. Das sei „eine Unverschämtheit“, schimpft Schiefer.

Der Ärger hat wohl tiefere Wurzeln. Schon länger fühlen sich die kleinen Weingärtner vom Verband stiefmütterlich behandelt und von den großen Genossenschaften an den Rand gedrängt. Auch in diesem Fall hatte sich der Verbandspräsident Hohl mit dem Ehrenvorsitzenden der Lauffener Weingärtner, Ulrich Maile, offenbar auf dem kleinen Dienstweg verständigt. „Der Verband kam auf uns zu und hat uns gefragt, ob wir die Veranstaltung unterstützen wollen“, bestätigt der neue WG-Vorstandsvorsitzende Dietrich Rembold.

Einer tritt schon aus

Von einem Monopol für die Genossenschaft könne allerdings keine Rede sein, sagt der Geschäftsführer des Weinbauverbandes, Werner Bader. Nach der Wahl beim gemütlichen Zusammensein könne jeder trinken, was er wolle. Dann sitze man noch im Stadthallenrestaurant zusammen und dessen Wirt habe – zum Glück – auch ein paar Schiefer-Weine auf der Karte.

Im Interesse der sieben jungen Kandidatinnen, die sich auf die Weinköniginnenwahl intensiv vorbereitet hätten, solle man den Streit jetzt nicht hochkochen, mahnt Bader. Schließlich gehe es nicht um eine Weinverkostung, sondern um die Weinkönigin. Gehör findet er damit nicht. Schiefers Kollege Frieder Schäfer (Weingut Eberbach-Schäfer) erklärte sogar kurz entschlossen seinen Austritt aus dem Verband. Welche junge Dame auch immer als Weinkönigin ausgerufen wird: Ihr Herrschaftsgebiet ist schon um 35 Hektar geschrumpft.

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