Produktion der S-Klasse in Sindelfingen: Klagen über das interne Jobforum gibt es vor allem von Beschäftigten des mittleren Managements. Foto: dpa/Marijan Murat

Der Betriebsrat von Daimler nimmt seine Aufgabe für unterschiedliche Gruppen der Belegschaft offenbar in ganz unterschiedlichem Maß wahr. Das ist nicht in Ordnung. Betriebsräte bekommen vom Gesetz besondere Rechte verliehen und dürfen sich nicht heraussuchen, für wen sie diese in Anspruch nehmen und für wen nicht.

Stuttgart -

 

Damit die Menschen „sich bei uns wohlfühlen, kümmern wir uns“, heißt es auf Daimlers Karriere-Website. Dieser Anspruch lässt sich in diesen Zeiten nicht immer einlösen. Erst wurde durch unsere Zeitung publik, dass der Konzern Führungskräfte anleitete, Mitarbeiter unter Druck zu setzen, damit sie gehen. Nun zeigt sich, dass es auch im internen Jobforum überaus ruppig zugehen kann. Führungskräfte klagen darüber, dass man ihnen Jobs weit unterhalb ihrer Qualifikation anbiete, um sie weichzukochen.

Im Zweifel bleibt nur das Gericht

Um Willkür zu verhindern, sieht das Gesetz Betriebsräte vor, die besondere Rechte haben und diese auch wahrnehmen müssen. Doch für das mittlere Management kommt das Gremium seinen Pflichten kaum nach. Im Zweifel bleibt Beschäftigten nur der Weg zum Gericht, der oft mit der Trennung endet. Der Betriebsrat sieht sich vor allem als Vertreter der Blaumänner, deren Stimmen für die anstehenden Wahlen viel wichtiger sind.

Der Anschein von Koppelgeschäften

Der Konzern wiederum erweckt den Anschein, den Betriebsrat mit undurchsichtigen Koppelgeschäften für sein Stillhalten zu belohnen. Plötzlich regnen trotz gegenteiliger Vereinbarung zwei Sonderzahlungen für die Belegschaft vom Himmel. Auch die fest vereinbarte Arbeitszeitverkürzung wird vorzeitig beendet. Das hilft Betriebsräten bei der Wiederwahl und ist ein Grund zur Dankbarkeit. Die Parteien drohen sich dadurch in einem Dickicht wechselseitiger Abhängigkeiten zu verstricken. Doch Intransparenz und Interessenverquickungen begünstigen Klüngelwirtschaft und beschädigen die Unternehmenskultur. Wie gefährlich die Auswüchse sein können, ließ sich bei VW zur Genüge besichtigen.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de