Anne Matros hört Ende Juli in Ludwigsburg auf. Foto: Werner Kuhnle www.kuhnle-foto.de

Die Leiterin der RKH-Kliniken im Landkreis Ludwigsburg Anne Matros hat gekündigt. Grund sind offenbar Unstimmigkeiten mit dem Geschäftsführer Jörg Martin. Der steht seit langem wegen seines Führungsstils in der Kritik.

Es kehrt keine Ruhe ein in der Regionalen Kliniken Holding (RKH). Die Regionaldirektorin Anne Matros hat gekündigt. Die Mitglieder des Aufsichtsrates sind offenbar am Mittwoch über die Personalie informiert worden. Im April 2020 hatte Matros die Stelle von Matthias Ziegler und damit die Verantwortung für die Häuser in Ludwigsburg und Bietigheim übernommen. Ziegler war nach zehn Jahren als Regionaldirektor auf eigenen Wunsch als Geschäftsführer ans Klinikum Esslingen gewechselt.

 

Nach ihrem Studium zum Gesundheits- und Sozialmanagement und mehreren Assistenzen bei Geschäftsführungen privater Klinikgesellschaften war Anne Matros von 2015 bis 2018 Klinikgeschäftsführerin des Helios-Klinikums Pforzheim. Berufsbegleitend absolvierte sie an der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen den Masterstudiengang Health and Medical Management. Vor dem Wechsel in die Barockstadt leitete sie als Krankenhausdirektorin die Ameos-Kliniken in Bremerhaven und im niedersächsischen Geestland.

Differenzen auf Klausur

Wie Ziegler verlässt auch Matros auf eigenen Wunsch hin die RKH-Familie. Zumindest formal. Denn nach Informationen unserer Zeitung ist die Kündigung die Folge eines seit längerem schwelenden Konfliktes zwischen dem Geschäftsführer Jörg Martin und der zweiten hierarchischen Ebene im RKH-Konstrukt, der unter anderem Matros angehört.

Nach außen deutlich wurden die Differenzen offenbar bei der Klausur von Aufsichtsrat, Geschäftsführung und medizinischem Führungspersonal im vergangenen November. Matros habe sich in der Klausur mit Widerspruch auch offen gegen Jörg Martin gestellt. Dabei gehe es, so ist zu hören, nicht um Themen wie das mögliche Zentralklinikum oder eine zukunftsorientierte Aufstellung der RKH, sondern um das alltägliche Miteinander und auch das Thema Wertschätzung.

So habe sich Anne Matros beispielsweise dafür eingesetzt, auch Muslimen am Klinikum eine Möglichkeit beziehungsweise einen Ort des Trauerns zu geben. Ein Vorhaben, das Martin offenbar – wie vieles – vom Tisch fegte. Darüber hinaus, ist zu hören, sei der Druck enorm, den Martin auf die Führungsebene ausübe. Matros hat offenbar Konsequenzen gezogen – ob ganz freiwillig oder nicht, darüber sind Insider geteilter Meinung.

Große Einigkeit besteht jedoch zur Personalie Matros. Die Regionaldirektorin genießt nicht nur in der Belegschaft, sondern auch im Aufsichtsrat große Wertschätzung. Sie habe ein großes Standing und werde für ihre engagierte Arbeit ebenso respektiert wie für die Art mit Mitmenschen umzugehen, heißt es. Bis Ende Juli wird sie noch als Regionaldirektorin am Klinikum arbeiten.

Sorge wegen Dominoeffekt

Ihr Weggang sorgt im Aufsichtsrat nicht nur für Unruhe, sondern befeuert auch die Sorge, dass er einen Dominoeffekt haben könnte. Zumal es bereits in jüngster Vergangenheit, so der Hinweis, Weggänge gegeben habe, die zu bedauern seien. Im Sommer 2023 verabschiedete sich beispielsweise nach 21 Jahren am Klinikum der Ärztliche Direktor Wolfgang Heyl. Der Chef der Frauenklinik übernahm einen Lehrauftrag in robotischer Chirurgie an der Universitäts-Frauenklinik im österreichischen Salzburg.

Der Vertrag von Jörg Martin wurde 2022 noch einmal verlängert und endet 2025. Kritik an seiner Person gibt es schon seit Jahren. Mangelnde fachliche Kompetenzen oder fehlendes Engagement werden dem 66-Jährigen nicht vorgehalten, sondern die Art und Weise, wie er als Chef agiert und mit Mitarbeitenden umgeht. Auch fehlende Wertschätzung wird moniert.

Martin selbst nimmt die Vorwürfe nach außen stets gelassen und betonte erst jüngst, intern bekomme er positives Feedback, das ihn ansporne. Zumal man in einer Führungsposition wie in seiner nicht nur Freunde haben könne. Auch jetzt bleibt er sich treu. Er habe auf der Klausur keine Kritik gehört, betont Martin am Mittwoch auf Nachfrage. Die Regionaldirektorin habe aus persönlichen Gründen gekündigt. Wenig überraschend: Die Kritik an seinem Führungsstil teilt der Geschäftsführer nicht.

Bei der Klausur mit dem Aufsichtsrat im November soll es unter anderem auch um die Frage gegangen sein, ob man sich ungeachtet der Vertragsverlängerung nicht doch kurzfristig vom dem Kliniken-Geschäftsführer trennen sollte. In der Sitzung der RKH-Gremien im Dezember stellten sich jedoch einmal der Landkreis Karlsruhe und der Enzkreis hinter Jörg Martin.

Dieser treibt derweil in seinem Endspurt die Idee eines zentralen Klinikneubaus voran – ungeachtet der Kritik an ihm. Das sei Jörg Martins Art, sagt ein Begleiter. Der Geschäftsführer habe zwar einen streitbaren Führungsstil, werde aber bis zum Renteneintritt das Beste für die Kliniken herausholen. Andere Stimmen können sich vorstellen, dass Jörg Martin die Endphase als eine besondere Chance sieht zu gestalten. Denn jetzt sei es egal, wenn er sich mit kühnen Plänen Feinde mache.

Anne Matros war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier bedauert Matros’ Entscheidung und würdigt ihre Verdienste. Einen unmittelbaren Zusammenhang zur Vertragsverlängerung von Jörg Martin sieht der Kreischef nicht. Denn diese sei vom Aufsichtsrat bereits im Dezember 2022 beschlossen worden.