Für jene, die in einer der oberen Etagen des Altbacher Hochhauses wohnen, ist das Leben seit Wochen beschwerlich. Foto: Ines Rudel

In einem Hochhaus in Altbach warten die Bewohner seit Ende Juli auf die Reparatur. Die zumeist älteren Menschen kommen seither kaum aus ihren Wohnungen. Laut der verwaltenden GWG zieht sich die Lieferung eines Ersatzteils hin.

Förmlich eingesperrt fühlen sich zahlreiche Bewohner des Hochhauses An der Neckarbrücke 11 in Altbach: Das Gebäude mit 31 Wohnungen kann von vielen der zumeist älteren Menschen schon seit mehreren Wochen kaum mehr verlassen werden. Sie seien am Verzweifeln, berichtet eine Bewohnerin. Was ist da nur los?

 

„Unser Aufzug bleibt in den nächsten Tagen außer Betrieb, da wir auf ein erforderliches Ersatzteil für die Steuerung warten. Das Teil wurde sofort bestellt und wird umgehend nach Lieferung von unserem Aufzugsservice eingebaut“, informiert die mit der Hausverwaltung beauftragte GWG-Gruppe mit Sitz in Stuttgart auf einem Zettel an der Eingangstür des Hauses. Der hängt dort bereits seit dem 27. Juli – seither steht der Aufzug still.

Auf Hilfe angewiesen

Das Leben für viele Bewohner des Achtgeschossers ist beschwerlich, sie müssen Treppen steigen, wenn sie zum Einkaufen wollen oder zum Arztbesuch. „Das kann nicht jeder“, schildert die Frau. „Im siebten Stock ist eine ältere Dame aus diesem Grund nicht mehr da, im sechsten Stock wohnen drei ältere Menschen, die Älterste ist 90 Jahre alt. Im fünften Stock leben drei Menschen über 70, einer mit einer zusätzlichen Behinderung“, berichtet die Bewohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Ohne hilfsbereite Nachbarn oder Angehörige sei man in dieser Situation aufgeschmissen. „Und was geschieht, wenn es zu einem Notfall kommt?“ Niemand im Haus könne sich erinnern, das es jemals einen so langen Stillstand gegeben habe. Der Aufzug in dem aus den 60er-Jahren stammenden Gebäudes sei zwar schon etwas älter, aber regelmäßig gewartet worden.

Schon mehrfach hätten die Bewohner die GWG kontaktiert, um zu erfahren, wann der Aufzug endlich repariert werde. Nach acht Wochen sei auch mal ein Monteur dagewesen, erzählt die Frau. Er sei aber unverrichteter Dinge abgezogen, weil angeblich ein falsches Teil geliefert worden sei. „Wir kriegen einfach keine Informationen“, ärgert sie sich. Allerdings: Einen Tag nach der Anfrage unserer Zeitung bei der GWG ist ein neuer Zettel aufgetaucht, der die Reparatur „voraussichtlich“ in der kommenden Woche ankündigt. Zufall? Weiter heißt es: Man werde „alle Bewohner per erneutem Aushang informieren“.

Die GWG, die das im Besitz einer Wohnungseigentümergemeinschaft befindliche Hochhaus verwaltet, bedauert einer Sprecherin zufolge die Unannehmlichkeiten. „Wir möchten den Betroffenen versichern, dass wir den Fahrstuhl so schnell wie möglich reparieren, sobald das Ersatzteil eingetroffen ist“, heißt es auf Nachfrage.

Bauteil wird nach Bedarf gefertigt

Doch warum zieht sich die Wiederinbetriebnahme des Aufzugs so lange hin? Die GWG-Sprecherin berichtet von einer Verkettung unglücklicher Umstände: Ende Juli sei es am Aufzug zu einem Defekt gekommen, dabei sei ein Mensch im Lift eingeschlossen gewesen. Der Aufzugsdienst habe ihn zwar schnell befreien können und umgehend ein Bauteil ausgetauscht. Zur Sicherheit sei der Fahrstuhl aber erst einmal außer Betrieb genommen worden. Bei der Fehlersuche habe man dann festgestellt, dass auch der sogenannte Drehgeber erneuert werden müsse. Ein solches Bauteil werde jedoch nach Bedarf gefertigt. „Der Liefertermin war ursprünglich in Kalenderwoche 37 geplant. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten hat sich dieser Termin auf Kalenderwoche 41 verschoben“, berichtet die GWG-Sprecherin.

Bei Aufzügen müsse man auf Ersatzteile häufig länger warten als als bei anderen technischen Anlagen, da diese oft nur auf Bestellung und im Ausland hergestellt würden. „Derartige Lieferschwierigkeiten, wie wir sie aktuell erleben, sind allerdings nicht üblich und der aktuellen weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Lage geschuldet.“