61 Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben sich im Bürgerrat Klima Gedanken über den Verkehr gemacht. Sie wollen dem Fahrrad in der Stadt deutlich mehr Raum geben.
In der Landeshauptstadt soll der Autoverkehr über Gebühren stärker reguliert und der Umstieg auf den öffentlichen Verkehr durch zusätzliche Park-and-Ride-Plätze erleichtert werden. Außerdem soll der Radverkehr erheblich ausgebaut werden. Das sind die Forderungen des Bürgerrats Klima, der seine Empfehlungen am Donnerstag an den Gemeinderat gereicht hat.
Die 61 repräsentativ ausgewählten Mitglieder des Bürgerrats hatten seit März getagt. Der Gemeinderat kann ihre Empfehlungen aufgreifen und für den Doppelhaushalt 2024/2025 Geld bereitstellen. „Wir werden ihren Rat sehr ernst nehmen“, versprach OB Frank Nopper (CDU) bei der Übergabe der Empfehlungen. Klimaschutz gehe nur gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, so Nopper, der Bürgerrat diente also als eine Art Seismograf.
Das Fahrrad soll mehr Platz erhalten
Konkret empfiehlt der Bürgerrat, bereits bis 2025 neue Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand zu schaffen, „um die Attraktivität und Lebensqualität in der Innenstadt zu erhöhen“. Die Belegung müsse per App einsehbar sein, die Stationen müssten über Radparkplätze und Leihstationen verfügen. Neben dafür und dagegen gab es bei der Abstimmung das Feld „Dafür mit Zweifel“. Gegen mehr Park-and-Ride sind nur 15,6 Prozent. Gegen die Forderung, pro Jahr fünf Prozent der Parkplätze zu begrünen, in Radwege oder Orte der Begegnung umzugestalten, votierten 26,7 Prozent, dafür sind 53,3 Prozent, „mit Zweifel“ 20 Prozent.
Außerdem wollen 67 Prozent bis 2026 eine Machbarkeitsstudie für zwölf Radwege als Radialverbindungen um den Cityring. Neben Park-and-Ride werden bis 2027 auch sogenannte Mikrohubs an fünf Knotenpunkten gefordert. Dort sollen alle Mobilitätsformen samt Ladestationen zusammenfinden, das wollen fast 70 Prozent.
Keine Straße mehr ohne Parkgebühr
Nicht jeder Stellplatz am Straßenrand ist heute in Stuttgart kostenpflichtig. Das soll er aber werden, keine Straße soll mehr vom Anwohnerparken ausgenommen sein. Die Jahresgebühr dafür soll höher sein als ein ÖPNV-Monatsticket (49 Euro). Die Rede ist von einer Grundgebühr, sie könnten also mit dem Flächenverbrauch zunehmen. Das wollen 37,8 Prozent, „Dafür mit Zweifel“ sind 28,9, dagegen 33,3 Prozent. Der weitergehende Vorschlag, 365 Euro pro Anwohnerauto und mindestens zehn Euro Parkgebühr pro Stunde von Ortsfremden zu verlangen, fiel durch (39,2 Prozent dagegen, 34,8 Prozent dafür). Mit den Einnahmen sollte der Nahverkehr subventioniert werden.
Eine deutliche Ablehnung erfuhr auch die Forderung, die Stadt solle eine Citymaut prüfen, um den Umstieg auf Bus, Bahn oder Rad zu beschleunigen. 40 Prozent wollen das nicht, 28,9 Prozent plädierten dafür.