Nach Sonnenuntergang füllten sich die Gassen des Adventszaubers in Böblingen, der nach fast 20 Jahren wieder auf den Marktplatz zurückgekehrt ist. Foto: /Stefanie Schlecht

Der Adventszauber kehrt zurück auf den Marktplatz und zieht schon am ersten Abend viele Besucher an. Viele schätzen die gemütliche Atmosphäre, die gewerblichen Beschicker warten ab.

Als wäre er nie weg gewesen, präsentiert sich der Weihnachtsmarkt auf dem Böblinger Marktplatz. Der Adventszauber markiert regelmäßig den Anfang der Glühweinsaison im Kreis Böblingen. In zwei Gassen reihen sich die Stände längs auf dem Marktplatz aneinander. Dort, wo die ein oder andere Lücke klafft, füllen Stehtische den Platz. Sie sind schon am Nachmittag gut bevölkert. So wie die Sonne untergegangen ist, füllen sich die Gassen nach und nach: Die Böblingerinnen und Böblinger scheinen sich danach gesehnt zu haben, dass der Weihnachtsmarkt im Winter wieder die gute Stube der Stadt erleuchtet.

 

Von weit her Extra aus Magstadt nach Böblingen gekommen ist am Eröffnungstag Joachim Uhlmann mit seiner Frau. „Es wurde auch Zeit, dass der Weihnachtsmarkt wieder hier oben ist“, sagt der 61-Jährige. „Die Atmosphäre hier und die Fachwerkhäuser, das gehört einfach zusammen.“ Der Standort am See hat ihm weniger gut gefallen: „Der Boden war immer so feucht, und vom See her hat es gezogen. Hier ist es doch viel heimeliger.“ Außerdem gefällt ihm, dass die Museen rundum sich mit Aktionen beteiligen.

Wie in alten Zeiten Von 1982 bis 2004 fand der Adventszauber traditionell um das erste Adventswochenende auf dem Marktplatz statt. Doch nach der Jahrtausendwende hatte sich das Konzept etwas totgelaufen, weshalb die gewerblichen Standbetreiber darauf drangen, etwas Neues zu wagen und den Markt auf den Elbenplatz zu verlegen. Das kam bei ihnen gut an: Sie spürten ein Umsatzplus durch mehr Laufpublikum.

Idee der SPD Auf Initiative des SPD-Stadtrats Manuel Böhler erhielt ein Antrag im Böblinger Gemeinderat vor zwei Jahren die Mehrheit, den Adventszauber wieder auf den Marktplatz zu beleben – und mit dem Thema Märchen vor allem Familien anzuziehen. Das kommt bei denen gut an: Gleich vor dem Rathaus fährt ein kleines Bähnchen durch eine Märchenlandschaft, einige junge Passagiere stehen schon Schlange und warten auf die Abfahrt.

Märchenspaziergang Sabine Krug aus Sindelfingen hat sich mit einem weißen Umhang weihnachtlich gekleidet und wartet unterhalb der Stadtkirche auf ihre erste Gefolgschaft. „Wir starten oben am Brunnen mit unserem Märchenspaziergang“, sagt sie. Der führt über sechs Stationen und vorbei über Klassiker der Grimm-Geschichten. „Den Anfang macht der Froschkönig, Frau Holle bildet den Abschluss“, sagt Krug, die die Märchen nicht vorliest, sondern frei vorträgt und auf die Kinder eingeht.

Nikolaus-Besuch Zum Inventar des Marktes gehört seit Jahren der gebürtige Böblinger Wolfgang Kimmig-Liebe. Jedes Jahr ab Ende November schlüpft er in die Rolle des Nikolaus, besucht Schulen, Kindergärten – und den Böblinger Weihnachtsmarkt. „Ich bin jeden Tag hier am Nachmittag und statte meiner Heimatstadt einen Besuch ab“, sagt er. Der Hüne zieht sogleich die Blicke auf sich, als er in vollem Ornat und mit weißen Rauschebart die Treppen zum Marktplatz herabsteigt. Sofort zücken Eltern ihre Smartphones und überreden ihre Kinder zum Foto mit diesem prächtigen Nikolaus.

Skeptisch Von Anfang an zum Inventar gehört ebenfalls die Familie Hänle aus Riedlingen im Kreis Biberach mit ihrem Süßwarenstand. Betreiber Josef Hänle gehört zu den gewerblichen Beschickern, die das ganze Jahr über auf Märkten landauf, landab vertreten sind. „Im Vergleich zum Elbenplatz ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt er und macht aus seiner skeptischen Haltung kein Hehl. Rund ein Drittel mehr Umsatz habe sich am See erzielen lassen, kalkuliert er. Doch abgerechnet werde am Schluss, dem neuen Konzept gibt er eine Chance.

Neue Gesichter Einen Versuch wagt auch Elke Müller-Lufft aus Leonberg, die an ihrem Stand bunte geometrische Kunstwerke ihres Mannes verkauft. „Ich bin das erste Mal hier und dachte, das versuche ich mal“, sagt sie. Ebenso neu dabei ist Melanie Totic mit ihrer Harzschmiede. Die 33-Jährige formt Anhänger, Lesezeichen und Amulette aus Epoxidharz, darin eingeschlossen sind Blüten und Blumenranken. Sie hofft auf Frequenz: „Wenn in der Stadt Weihnachtsmarkt ist, dann geht man doch hin“, sagt sie.

Allüberall weihnachtet es im Kreis Böblingen

Start der Saison:
 Adventszauber auf dem Böblinger Marktplatz vom Mittwoch, 29. November, bis zum Sonntag, 3. Dezember (jeweils von 12 bis 22 Uhr, So 12 bis 20.30 Uhr).

1. Adventswochenende
: zweitägig am 2./3. Dezember in Leonberg (Sa 13 bis 21 Uhr, So 11 bis 21 Uhr; eintägig am Freitag, 1. Dezember, in Mötzingen (15 bis 20 Uhr) und Weil der Stadt-Hausen (15 bis 20 Uhr); am Samstag, 2. Dezember, in Darmsheim (10 bis 19 Uhr), Deckenpfronn (13 bis 20 Uhr), Ehningen (13 bis 21 Uhr), Gärtringen (12 bis 21 Uhr), Gebersheim (14 bis 20 Uhr), Hildrizhausen (12 bis 20 Uhr), Jettingen (14 bis 21 Uhr), Magstadt (11 bis 19.30 Uhr), Mauren (11 bis 17 Uhr), Öschelbronn (12 bis 20.30 Uhr), Rutesheim (11 bis 21 Uhr), Steinenbronn (14 bis 20 Uhr), Warmbronn (15 bis 19.30 Uhr) und an der St.-Klemens-Kirche in Böblingen (12 bis 20 Uhr);am Sonntag, 3. Dezember, in Bondorf (11 bis 20 Uhr).

2. Adventswochenende: dreitägig vom 8. bis zum 10. Dezember in Herrenberg (Fr 13 bis 21 Uhr, Sa 10 bis 21 Uhr, So 11 bis 18 Uhr) und in Sindelfingen (Fr 18 bis 22 Uhr, Sa 11 bis 22 Uhr, So 11 bis 19 Uhr); zweitägig am 9./10. Dezember in Holzgerlingen (Sa 15 bis 21 Uhr, So 11 bis 18 Uhr), in Renningen (Sa 15 bis 21, So 11 bis 19 Uhr) und Weil der Stadt (Samstag 11 bis 22, Sonntag 11 bis 18 Uhr); eintägig am Samstag, 9. Dezember, in Aidlingen (11 bis 20 Uhr), Dagersheim (11 bis 20 Uhr), Dätzingen (11 bis 22 Uhr) und Schönaich (13 bis 21 Uhr); am Sonntag, 10. Dezember, in Nufringen (11 bis 19 Uhr).

3. Adventswochenende: am Samstag, 16. Dezember, in Maichingen (11 bis 20 Uhr), Merklingen (11 bis 21 Uhr) und Waldenbuch (14 bis 21 Uhr); am Sonntag, 17. Dezember, in Breitenstein (11 bis 19 Uhr). Der Waldweihnachtsmarkt an der Weiler Hütte findet dieses Jahr nicht statt, weil der 4. Advent auf Heiligabend fällt.