Sasa Kalajdzic kann die Situation beim VfB kaum fassen. Der Stürmer kämpft mit den Stuttgartern weiter gegen den Abstieg. Foto: Baumann/Cathrin Müller

Ein Abstieg hätte für den VfB große Auswirkungen, doch der Club hat aus der Vergangenheit gelernt. Hier erfahren Sie, wie hoch die Einsparungen wären.

Es steht viel auf dem Spiel. Denn der VfB Stuttgart sitzt auf der Falltür zur zweiten Liga, und schon eine Niederlage an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg könnte sie so weit öffnen, dass die Verantwortlichen direkt in die Tiefe schauen. Eine Perspektive, die man an der Mercedesstraße zwar kennt, aber der Blick nach unten lehrt einen immer wieder das Fürchten. Mit aller Macht stemmen sie sich deshalb beim VfB gegen den dritten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga seit 2016.

 

Aus den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit haben die Stuttgarter jedoch gelernt: Das mögliche Szenario zweite Liga gehört zur Realität des Vereins, und der Umgang damit erfolgt professionell. Die Planungen laufen seit Monaten zweigleisig, und die Lizenz wurde vom Ligaverband DFL für beide Ligen ohne Auflagen erteilt. Das ist eine gute Nachricht, die vor allem dokumentiert, dass der VfB aus finanzieller Sicht die nächste Saison gesichert hat.

Ein Kraftakt ist das, weil sich die Einnahmenverluste seit Pandemiebeginn mittlerweile auf fast 100 Millionen Euro summiert haben. Dennoch hat der VfB zuletzt so solide gewirtschaftet, dass selbst ein Abstieg ihn nicht komplett in die monetäre Bredouille bringen würde. Nach Informationen unserer Redaktion würde sich der Spieleretat von aktuell 50 Millionen Euro um 40 Prozent auf etwa 30 Millionen Euro reduzieren. Im Grunde um den Betrag, den die Stuttgarter weniger an Fernsehgelder erhalten würden.

Haben die Spieler Zweitligaverträge?

Das entspricht noch immer einem Spitzenetat in der zweiten Liga. Zumindest in der ersten Saison würden die Stuttgarter dadurch zu den Aufstiegsfavoriten zählen. Vertraglich wären die VfB-Profis zudem weiter gebunden. Sie haben allesamt zu verringerten Bezügen Verträge mit Gültigkeit für das Unterhaus unterschrieben. Dennoch würde der Kader an sportlicher Substanz verlieren. Die Nationalspieler Borna Sosa (Kroatien), Sasa Kalajdzic (Österreich), Orel Mangala (Belgien) oder Konstantinos Mavropanos (Griechenland) werden hoch gehandelt und wären eine Klasse tiefer nicht zu halten. Sie sind es womöglich auch in der Bundesliga nicht. Weil die Spieler den berühmten nächsten Karriereschritt vollziehen wollen, der internationale Auftritte auf Clubebene und mehr Gehalt verspricht. Und weil der VfB Transfereinnahmen benötigt.

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Einen Transferüberschuss von netto etwa 30 Millionen Euro muss der Sportdirektor Sven Mislintat im Sommer erzielen. Was in der zweiten Liga schwieriger umzusetzen ist, da die Preise für die Profis in der Regel purzeln. Gleichzeitig vergrößert sich jedoch der Wunsch zu gehen – auch bei weiteren Spitzenverdienern. Ersatz müsste dennoch her, wenn auch zu einem geringeren Gehalt.

Die fast 400 Clubangestellten würden im Falle eines Abstiegs ebenfalls weniger verdienen. Zwischen zehn und 30 Prozent – wobei die Regel gilt, wer mehr erhält, muss auf mehr verzichten. Was zunächst also nach einer einfachen Rechnung klingt, entpuppt sich im Personaltableau als eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Sicher wäre jedoch, dass der VfB in der Fünfjahreswertung für die TV-Gelder zurückfallen würde. 49,2 Millionen Euro erhält der Club aus der nationalen TV-Vermarktung in der laufenden Spielzeit. Dahinter liegen nur Union Berlin, der 1. FC Köln, Arminia Bielefeld, der VfL Bochum und die SpVgg Greuther Fürth. Entsprechend neu einreihen müsste sich der VfB bei einem Wiederaufstieg. Das Geld wäre aber weg.

Ähnlich verhält es sich bei Sponsoren und Partnern des Vereins. Auch hier existieren Verträge und Vereinbarungen für die zweite Liga – zu reduzierten Konditionen (normales Gesamtvolumen im Jahr 31 Millionen Euro). Ohnehin muss der VfB bei den Vermarktungsmöglichkeiten in der Mercedes-Benz-Arena die nächsten eineinhalb Jahre lang Einschränkungen in Kauf nehmen. Das Stadion wird für die EM 2024 modernisiert. Das erfordert einen Umbau, der vor allem die Haupttribüne betrifft. Die besten und teuersten Plätze auf dem Unterrang fallen vorerst weg – und damit fehlen weitere Einnahmen, da dies die Businesssitze betrifft.

Ein spezieller Blick

Nach der Fertigstellung des 100-Millionen-Euro-Projekts (wird mit der Stadt über die Stadion KG finanziert) wird Stuttgart jedoch über eine der modernsten Arenen in Europa verfügen. Mit der Aussicht auf deutliche Mehreinnahmen (650 zusätzliche Businessplätze) zu bisher und dem speziellen Blick vom VIP-Bereich auf den Spielertunnel. Durch eine Scheibe lässt sich sehen, wie die Spieler aus den Kabinen kommen. Da wäre es sicher von Vorteil, wenn sich der VfB nicht zur Fahrstuhlmannschaft entwickelt, sondern erstklassigen Fußball bietet.