Mitarbeiter und Weggefährten haben Roland Klenk am Freitagabend einen launigen und kurzweiligen Abend zum Abschied geschenkt. Klenk steht seit mehr als 22 Jahren an der Spitze der Stadt Leinfelden-Echterdingen. Ende des Monats ist Schluss.
Dieser Satz kommt spontan. Er steht nicht auf Roland Klenks Drehbuch für diesen Abend: „Es ist so schön“, sagt der Gerade-Noch-Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen. „Ich könnte gleich noch mal Abschied feiern.“
Etwa 800 Menschen sind am Freitagabend in die Filderhalle nach Leinfelden gekommen. Sie wollten jenem Mann, der seit mehr als 22 Jahren an der Spitze der Stadt steht und Ende des Monats in den Ruhestand geht, noch einmal die Hand drücken, ihm Danke sagen. Darunter amtierende und ehemalige Rathauschefs aller umliegenden Kommunen, Politiker unterschiedlicher Couleur, prominente und weniger prominente Weggefährten, Mitarbeiter der Stadt und vor allem viele Menschen, für die Klenk so viele Jahre der Oberbürgermeister war.
Was Klenk immer sein wollte
„Ein Oberbürgermeister zum Anfassen“, sagte Klenk, das habe er immer sein wollen. Er berichtete aber auch von „kantigen Momenten“, beispielsweise als er vor gut zehn Jahren aus dem Filderdialog, einem Stuttgart-21-Beteiligungsformat, ausgestiegen war. Und er bekannte, dass er, als Günther Oettinger einst Chef der CDU-Landtagsfraktion und er dessen Parlamentarischer Berater war, in wenigen Ausnahmefällen so getan habe, als gebe es ein Funkloch oder eine Verbindungsstörung, um Oettingers frühmorgendlichen Anrufen zu entfliehen.
„Ich kann nicht jeden Oberbürgermeister in diesem Land verabschieden, das ist klar“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner launigen Rede. „Dass ich aber bei der Verabschiedung von Herrn Klenk spreche, das war auch klar.“ Denn: „Wir haben eine sehr ähnliche Vorstellung von einer pragmatischen Politik“, sagte er. Zudem habe er viele Jahre mit seiner Familie in Leinfelden-Echterdingen gelebt. „Ihre Handschrift hat der Stadt gutgetan, sie haben sich um Leinfelden-Echterdingen sehr verdient gemacht“, erklärte wenig später der Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger. FW/FDP-Fraktionschef Eberhard Wächter, der im Namen des Gemeinderates auf der Bühne stand, erinnerte an Klenks zündende Ideen – beispielsweise für ein Tagesmüttermodell, dass Schule machte und Nachahmer fand.
Abschiedslied im Tina-Turner-Kostüm
Karl Kizele, Stadtrat der Freien Wähler, schlüpfte für Klenk in ein Tina-Turner-Kostüm, stimmte ein Abschiedslied an, an dessen Ende sämtliche Festgäste von ihren Stühlen aufstanden und mitsangen: Standing Ovations für den Oberbürgermeister.
Thomas Stierle, Vorsitzender des Vereinsrings in Echterdingen, überbrachte Grußworte der Vereine, der Schulen und der Wirtschaft. Katja Miehle vom Personalrat der Stadtverwaltung stellte Klenk ein prima Zeugnis aus. Kunzle und Karle – zwei geschwätzige Putzfrauen vom Theater unter den Kuppeln, bescheinigten Klenk, dass er frei von der Leber schwätzen könne und Pfeffer im Hintern habe. Bürgermeister Benjamin Dihm überreichte Klenk die Ehrenbürgerurkunde. „Herr Klenk, dieser Abend gehört ganz Ihnen“, sagte er.