Wie Timo Gebhart haben sich auch Stefano Celozzi und Khalid Boulahrouz (von links) vom VfB Stuttgart verabschiedet. Foto: dapd

Kaum einer identifizierte sich mehr mit dem VfB: Dennoch zieht es Timo Gebhart nach Nürnberg.

Stuttgart - Es war einer der emotionalsten Momente für Timo Gebhart (23) in den dreieinhalb Jahren, in denen er beim VfB Stuttgart unter Vertrag stand. Vor dem Spiel gegen Wolfsburg wurde der Mittelfeldspieler verabschiedet. Die Fans applaudierten minutenlang, einige hielten Plakate in die Höhe. „Das Gefühl, noch einmal vor der Kurve zu stehen, war großartig. Diese Fans sind einfach unbeschreiblich“, sagt Gebhart. Dass er danach selbst wieder auf die Tribüne musste, weil er auch im letzten Saisonspiel nicht im Kader stand, fand der Mittelfeldspieler weniger berauschend. Etwas enttäuscht sei er schon gewesen, gibt er zu.

Einige Tage später ist die Enttäuschung wieder purer Freude gewichen. Es ist die Vorfreude auf das, was kommt. Timo Gebhart will beim 1. FC Nürnberg in der kommenden Saison das schaffen, was ihm zuletzt beim VfB nicht mehr gelungen war. Er will beim Club zum Stammpersonal gehören.

„Beim Club sehe ich die Chance, regelmäßig in der Bundesliga zu spielen“

In der vergangenen Woche hat er einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Rund eine Million Euro überweisen die Nürnberger an den VfB. „Ich freue mich wirklich richtig darauf“, sagt er. Die Entscheidung für den Club – und damit gegen Schalke, Hoffenheim und Wolfsburg – war schnell gefällt.

Sportdirektor Martin Bader und Trainer Dieter Hecking hatten Gebhart in einem persönlichen Gespräch vor rund drei Wochen etwas vermittelt, das er beim VfB in der vergangenen Saison vermisst hat: Das Gefühl, gebraucht zu werden. „Es hat alles super gepasst. Beim Club sehe ich die Chance, regelmäßig in der Bundesliga zu spielen“, sagt Gebhart. Er überlegt kurz und fügt hinzu: „Ich weiß gar nicht mehr,wie sich das anfühlt: Unter der Woche zu trainieren, mit der Perspektive, am Wochenende zu spielen – und nicht nur, um mich fit zu halten.“

Leicht gefallen ist dem einstigen Vollblut-VfBler der Wechsel trotzdem nicht. „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals vorzeitig aus Stuttgart weggehe. Ich wollte kämpfen“, erklärt er. Mit jedem Spiel mehr, das er sich von der Tribüne aus anschauen musste, aber wuchs der Frust – und das Bewusstsein, dass der Abschied unumgänglich ist. „Es musste etwas geschehen. Ich wollte wieder spielen“, sagt Gebhart, der beim VfB noch einen ­Vertrag bis 2013 hatte.

Noch zehn Tage bleibt Gebhart beim VfB

Noch bleiben Gebhart zehn Tage mit seinen alten Kollegen. Noch stehen sechs Freundschaftsspiele mit dem VfB auf dem Plan. „Jetzt fängt meine Saison richtig an“, sagt er scherzhaft. Groll gegenüber seinem künftigen Ex-Verein empfindet er keinen. Auch über Trainer Bruno Labbadia, der ihn in der vergangenen Spielzeit nur zweimal von Beginn an einsetzte, verliert er kein böses Wort. Zu viele schöne Momente hat er mit dem VfB erlebt. „Champions League zu spielen war richtig geil, vor allem die Spiele gegen Barça“, erinnert er sich, „und auch die Aufholjagd in der vergangenen Saison war cool.“ Damals hatte Gebhart in der Rückrunde trotz einer Knöchelverletzung seinen Teil zum Klassenverbleib beigetragen.

Timo Gebhart wird Stuttgart vermissen, und er wird seine Mitspieler vermissen. „Vor allem Serdar Tasci, Martin Harnik, Christian Gentner, Georg Niedermeier und Arthur Boka“, sagt er, und dann: „Ach nein, eigentlich alle.“ Am 17. Mai wird er sich von ihnen verabschieden, danach fliegt er mit seiner Familie nach Dubai. Kraft tanken, ehe am 24. Juni die Vorbereitung in Nürnberg losgeht. „Sogar auf diese Schufterei freue ich mich“, sagt er und lacht

Lange muss sich Gebhart übrigens nicht gedulden, bis er seine Kameraden wieder sieht. Beim Vorbereitungsturnier in Köln (10. bis 15. Juli) steht neben dem VfB auch der 1. FC Nürnberg auf der Teilnehmerliste.

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