Der Leiters der Unfallchirurgie, Michael Sarkar,verabschiedet sich in den Ruhestand. Sein Nachfolger Holger Rieske bekennt sich in unruhigen Zeiten zu einem starken Krankenhaus Leonberg.
Michael Sarkar bringt das Ziel seines Kerngeschäfts auf einen einfachen Nenner: „Unsere Patienten kommen in der Regel liegend herein. Doch die allermeisten von ihnen gehen auf ihren eigenen zwei Beinen wieder heraus.“
Es sind Tausende, denen der Unfallchirurg buchstäblich wieder auf die Beine geholfen hat. Nun sind seine Zeiten am OP-Tisch vorbei. Der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Krankenhaus Leonberg geht in den Ruhestand. Zum Abschied zollten ihm nicht nur sein Nachfolger Holger Rieske, sondern zahlreiche Weggefährten aus Medizin, Pflege, Gesellschaft und Politik Respekt und Anerkennung.
Der Abschied im schmuck renovierten Pavillon des Krankenhauses ist mehr als nur eine freundliche Geste für einen verdienten Chefarzt, der zudem als Ärztlicher Direktor das medizinische Gesicht des ganzen Klinikums war. Das gleichzeitige Vorstellen des Nachfolger Holger Rieske ist ein politisches Ausrufezeichen.
„Medizin und Menschlichkeit“
Roland Bernhard spricht von einem „starken Signal in Richtung Leonberg“. Die Zeiten sind unruhig, die Reformpläne des Bundesgesundheitsministers verunsichern Kommunalpolitiker in der ganzen Republik . Geht es nach Karl Lauterbach, gäbe es in absehbarer Zeit fast nur noch Großkrankenhäuser im Kaliber von Unikliniken. Eine wohnortnahe und gleichermaßen qualifizierte Medizinversorgung hat in den Vorstellungen des Ministers keinen Platz.
Dass es in Gänze so kommt, hält der Landrat, der Aufsichtratsvorsitzender des Klinikverbunds Südwest ist, für unwahrscheinlich. Gleichwohl mahnt Bernhard den „Mut zur Veränderung und Anpassung“ an. Michael Sarkar attestiert der Landrat diese Fähigkeiten. Der bisherige Ärztliche Direktor sei ein „Kämpfer für Leonberger Interessen“ gewesen, habe sich aber zur standortübergreifenden Zusammenarbeit innerhalb des Klinikverbundes bekannt und sei im Umgang ein „Gentleman, wie er im Buche steht“.
Alexander Schmidtke, der neue Geschäftsführer des Klinikverbundes, hat den scheidenden Chefchirurgen zwar nur kurz erlebt, aber dennoch festgestellt, dass er „Medizin und Menschlichkeit vereint“. Für den Manager Schmidtke sind Werte wie Zuwendung und Empathie „das höchste Gut“. Um das zu unterstreichen zitiert der Geschäftsführer den Heiligen Benedikt: „Der Mensch ist die beste Medizin für Menschen.“ Zum Standort findet Schmidtke klare Worte: „Das Krankenhaus Leonberg ist aus der Notfallversorgung nicht wegzudenken. Es ist ein wichtiger Bestandteil des Klinikverbundes mit eigenem Einzugsgebiet.“
Leonberger Klinik ist nicht wegzudenken
So sieht es auch Sarkars Nachfolger als Ärztlicher Direktor: Zwar seien „die Bedingungen im Krankenhauswesen sehr stringent“, umschreibt der gebürtige Tiroler und Chefarzt Wolfgang Steurer mit alpinem Hintersinn die aktuellen Diskussionen. „Aber Leonberg wird einen guten Weg finden.“
Michael Sarkar selbst greift den Faden auf, den der Geschäftsführer ausgerollt hat: „In der Medizin geht es nicht primär darum, Gewinn zu erwirtschaften.“ Für den erfahrenen Chirurgen, dessen beruflicher Weg über Tübingen, Ulm, Karlsruhe und Stuttgart nach Leonberg geführt hat, lautet die Frage, was die medizinische Versorgung einer Gesellschaft wert ist. Um das zu veranschaulichen, wählt er das Beispiel der Feuerwehr: Würde die nach Gewinnmaximierung funktionieren, müsste man sich über jeden Brand freuen.
Für den scheidenden Chefarzt, der auch als Privatdozent firmiert, gibt es neben Empathie und Zuwendung eine weitere „zentrale Währung“, die seine Profession bestimmt: das Vertrauen. „Dafür brauchen wir die richtigen Leute mit der richtigen Einstellung.“ Das betreffe nicht nur die Mediziner, sondern sämtliche Menschen die in den Krankenhäusern arbeiten. Gerade in der Pflege sieht er „einen besonderen Schatz“. Letztlich sei gerade in seinem Bereich ein großes Talent zur Improvisation unabdingbar: „Die Unfallchirurgie ist das tägliche Beherrschen des Chaos.“
Nachfolger kommt aus Baden-Baden
Ein bisschen haben sich Michael Sarkar und seine Frau Renate an den neuen Lebensabschnitt herangetastet: Gemeinsam haben sie die Städte seines früheren Wirkens besucht und sich ein paar Tage in Frankreich gegönnt. Doch an der Stätte, an der er die letzten neun Jahre seines Berufslebens verbracht hat, lässt Michael Sarkar die Sympathie, die ihm widerfährt, nicht unberührt: „Es war mir eine große Freude und eine große Ehre, mit Ihnen allen zu arbeiten.“
Nun ist es also an Holger Rieske, die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, in der im Jahr rund 27 000 Notfälle behandelt werden und die als lokales Traumazentrum zertifiziert ist, weiterzuentwickeln.
Dass auch in einem kleineren Krankenhaus „eine hoch qualifizierte Medizin“ angeboten werden kann, daran lässt der 52-Jährige keinen Zweifel: „Ich habe mich bewusst für Leonberg entschieden“, sagt der bisherige Oberarzt am Klinikum Mittelbaden in Baden-Baden. „Unsere gemeinsame Mission ist es, uns voll auf das Wohl der Patienten zu konzentrieren, damit sie sich verstanden und unterstützt fühlen.“