Julia Schützle hat Rumänien schätzen gelernt. Foto: privat

Für ein Freiwilliges Soziales Jahr hat sich Julia Schützle einen Kindergarten in Bukarest ausgesucht. Eine gute Wahl? Die 19-Jährige blickt zurück und erklärt, warum ihr Berufsziel nichts mit Kindern zu tun hat.

Hätte sie gleich nach dem Abitur weitergemacht, dann hätte wegen der Coronapandemie wohl nur ein Online-Studium am heimischen Schreibtisch statt Hörsaal mit Kommilitonen auf sie gewartet. „Außerdem lag die Prüfung wegen der Pandemie sowieso schon weiter hinten, da wäre nur sehr wenig Zeit zwischen Schulabschluss und Beginn des Studiums gewesen“, sagt Julia Schützle.

 

Von Freunden hat sich Julia Schützle inspirieren lassen

So entschloss sich die 19-Jährige, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) anzugehen. Von Freunden hatte sie von der Idee gehört, auf diese Weise ein anderes Land kennen zu lernen und zu unterstützen. Die junge Frau aus Weissach im Tal fing an zu recherchieren und stieß auf den Sozialen Friedensdienst Kassel. „Ich bewarb mich auf offene Stellen. Das lief ganz offiziell mit Lebenslauf und Motivationsschreiben ab. Zudem musste man sich auch dem Einsatzort des jeweiligen Landes vorstellen“, sagt Julia Schützle

England, Frankreich, Italien oder, etwas exotischer, Brasilien oder Costa Rica: die klassischen FSJ-Ziele waren nichts für Julia Schützle. Stattdessen fiel ihre Wahl auf Rumänien. „Da gibt es keinen Hype drum. Und ich fand es spannend, ein Land zu wählen, dass so gar nicht bekannt oder für einen Freiwilligendienst beliebt ist“, sagt Julia Schützle, die die zehn Monate in einem Kindergarten in der Deutschen Schule Bukarest absolvierte. Dort habe man Leute gesucht, die mit den dortigen Kindergartenkindern deutsch sprechen. „Das hat gepasst, denn ich habe zwar einen Rumänischkurs gemacht, aber trotzdem konnte ich die Sprache nicht.“

In der Deutschen Schule Bukarest können die Kinder bis zum Abi bleiben

Die Deutsche Schule Bukarest ist eine von Deutschland offiziell anerkannte und geförderte Auslandsschule, deren Abschluss bis zum Abitur führt. Zurzeit besuchen rund 400 Schüler die Deutsche Schule Bukarest. Der dortige Kindergarten setzt sich aus insgesamt neun Gruppen zusammen. „Da es sich um eine deutsche Auslandsschule handelt, die vorwiegend von rumänischsprachigen Kindern besucht wird, liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Heranführung an die deutsche Sprache“, sagt Julia Schützle, die in der sogenannten Grünen Gruppe der Einrichtung mit insgesamt 20 Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren und mit zwei Erzieherinnen zusammenarbeitete.

Das war am Anfang gar nicht so leicht. Die Abiturientin hatte keine Erfahrung mit kleinen Kinder – und so ganz sicher, dass sie mit Rumänien wirklich die richtige Wahl getroffen hatte, war sie auch nicht. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Bedenken und Zweifel in mir aufkamen, ob es das Richtige ist, für ein ganzes Kindergartenjahr nach Bukarest zu ziehen. Nach Abschluss der Zeit weiß ich, dass es genau das Richtige war“, sagt Julia Schützle. Im Gegenteil, es sei besser gewesen als erwartet. So habe das Jahr mit Land und Leuten ihr die Möglichkeit gegeben, sich persönlich weiterzuentwickeln und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Während der Arbeit bastelte und spielte sie mit den Kindern, beaufsichtigte sie beim Mittagsschlaf und ging mit ihnen auf Ausflüge. Auch in ihrer Freizeit dort entdeckte die 19-Jährige Land und Leute durch viele Ausflüge und Urlaube.

Sie lebte in einer Wohngemeinschaft. „Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt, wir haben einige Touren zusammen unternommen. In Bukarest gibt es immer neue Ecken zu entdecken, zudem hat Rumänien auch das schwarze Meer, das Donaudelta oder Städte wie Sibiu und Sighisoara als sehenswerte Orte zu bieten“, sagt Julia Schützle. Bukarest mit seinen tollen Gebäuden und der Altstadt habe sie fasziniert. „Nicht umsonst wird die Stadt ,Paris des Ostens’ genannt.“

Finanziert hat die junge Frau aus Weissach im Tal das Jahr mittels eines Förderkreises. „Den baut man auf, er spendet dann an den Friedensdienst, denn der finanziert sich ausschließlich durch Spenden und staatliche Förderung.“ Zudem bekam sie von der Donauschwäbischen Kulturstiftung eine Zuwendung. „Die fördern die Pflege der deutschen Sprache in Rumänien und Ungarn. Da gehe es um grenzüberschreitende Begegnungen.“ Den Rest hat Julia Schützle aus eigenen Reserven finanziert.

Am Ende ist sie traurig: Die Kinder sind ihr ans Herz gewachsen

Am Ende ihrer Zeit war Julia Schützle richtig traurig. Die Kinder und deren Eltern, von denen es zum Abschluss Blumen, Geschenke und viel Dankbarkeit gab, sind ihr ans Herz gewachsen. Sie hat sogar kurz überlegt, etwas in Richtung Pädagogik zu machen. Die 19-Jährige fängt jetzt aber doch eine Ausbildung bei der Polizei an. „Es ist ein Studium zum gehobenen Dienst. Das wollte ich schon vor meiner Zeit in Rumänien machen, aber dort war ich definitiv nicht das letzte Mal.“ Auch wenn die Einwohner „verhältnismäßig arm“ seien, würden sie immer das Beste aus einer Situation machen. „Das hat mich beeindruckt.“

Weniger begeistert war sie vom öffentlichen Nahverkehr. „Es braucht alles sehr lang, es gibt keinen festen Plan, wann Busse und Bahnen kommen.“ Auch die vielen, teils wild lebenden Hunde waren nicht ihr Fall. „Aber ich musste nie wegrennen, und meine Freude am Land hat das nicht geschmälert.“