Die Schulabgänger des Herzog-Christoph-Gymnasiums hatten für ihren Abischerz unter anderem den Parkplatz der Schule blockiert. Das wurde von der Stadt geahndet.
Einen dicken Strafzettel hätten „eigentlich nur die Stadt Beilstein und ihre überbürokratischen Ordnungshüter verdient“. Das jedenfalls sagen Alexandra und Olivia Stahl. Olivia hat in diesem Sommer am Herzog-Christoph-Gymnasium (HCG) in Beilstein ihr Abitur gemacht, Alexandra ist ihre Mutter – und beide ärgern sich über die Post, die sie jetzt vom Rathaus bekommen haben. Mutter und Tochter werfen der Stadt „fehlendes Augenmaß“ vor.
„Ein schlechter Scherz der Stadt“
Ein paar Abiturienten hatten kürzlich Strafzettel wegen Falschparkers erhalten. Ihr Vergehen: die Schülerinnen und Schüler hatte während des Abischerzes mehrere Autos auf dem Parkplatz der Schule abgestellt und dadurch mehrere Stellplätze blockiert. Stellplätze, die laut Aussage der Mutter sowieso niemand benötigt habe. Die Stadt mit ihrer Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld solle sich doch lieber um das marode Schulgebäude kümmern, so Alexandra Stahl weiter, statt ein paar jungen Leuten, die ihre Hochschulreife feiern, die Fete im Nachgang zu vermiesen.
Seit langer Zeit gleiche die Schule „einer lauten Dauerbaustelle, die die Lernbemühungen der Gymnasiast*innen zur sprichwörtlichen Lernhölle machten“, heißt es in einem Schreiben der Stahls. In dem Brief ist von „gesperrten Klassenzimmern mit Giftstoffen“ und Heizungsausfällen die Rede. Die Strafzettel seien ein „schlechter Scherz der Stadt“. Die Abiturientinnen und Abiturienten hätten weder Rettungswege noch Betriebe zugeparkt, sondern ausschließlich das Schulgebäude, „was mitunter Zweck eines Abischerzes“ sei. Früher seien bei Abischerzen noch Autos am Bagger über dem Parkplatz der Stadthalle geschwebt, erzählt die Mutter, die einst selbst am Gymnasium in Beilsteins ihr Abitur gemacht hat.
Schaden im Schulgebäude angerichtet
Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld erklärt zum Thema Strafzettel lapidar, „Personen, die einen Führerschein besitzen, haben in der Regel ebenfalls eine Prüfung abgelegt und sind auch sehr stolz darauf“. Sie seien volljährig und damit für ihr eigenes Handeln verantwortlich. Sprich: Wer in Beilstein falsch parkt, bekommt eben die Quittung. Die feiernden Abiturienten hätten zudem im frisch sanierten Schulgebäudes und im Umfeld Beschädigungen verursacht, deren Beseitigung einen vierstelligen Betrag koste. Bislang habe sich jedoch noch niemand bei der Stadtverwaltung gemeldet, der für den Schaden aufkommen wolle: alle Verursacher dürften sich gerne beim Bauamt melden.
Das HCG habe nicht nur für Beilstein „eine herausragende Bedeutung“, so die Bürgermeisterin weiter, sondern auch für die umliegenden Kommunen. Während der vergangenen zwei Jahre seien deshalb fast zehn Millionen Euro in die Sanierung des Gymnasiums und der Grundschule geflossen. Was das Thema „Marodes Gebäude“ angeht, führt die Rathauschefin weiter aus: Für die Schulleitung hätten die Sanierungsarbeiten einen hohen Planungsaufwand mit sich gebracht – inklusive Verzichts auf Fachräume zugunsten der Modernisierung.
Die künftigen Beilsteiner Abiturienten dürften also bessere Bedingungen haben. Und sie sollten sich überlegen, wo sie ihre Autos nach dem Abischerz lassen. Vielleicht lieber wieder in luftiger Höhe, wie einst . . .