Wer von der A81 nach Gärtringen fahren will, der muss sich auf der linken Spur einordnen. Foto: factum/Granville

Nein, wer sich bei diesem Foto verwundert die Augen reibt, der hat keinen Knick in der Optik. Wir erklären, was es mit der skurrilen Ausfahrt der A81 in Gärtringen auf sich hat.

Böblingen - Wer auf der A81 von Singen in Richtung Stuttgart fährt, der könnte den Eindruck bekommen, plötzlich in Großbritannien gelandet zu sein. Die Ausfahrt in Gärtringen (Kreis Böblingen) befindet sich nämlich nicht auf der rechten Seite, sondern links. Sprich: Autofahrer, die die Autobahn dort verlassen möchten, müssen sich zunächst auf der linken Spur einordnen und dann nach links rüberziehen. Diese skurrile Eigenheit einer Autobahn gibt es in Baden-Württemberg so nur in Gärtringen, das bestätigt das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage unserer Zeitung.

Schuld sind historische Verwicklungen beim Bau der A81. Diese führt heute von Gärtringen aus an Ehningen vorbei und zwischen Böblingen und Sindelfingen hindurch, bevor sie am Stuttgarter Kreuz auf die A8 trifft. Von dort bis Leonberg teilen sich beide Autobahnen dieselbe Strecke, bevor die A81 durch den Engelbergtunnel in Richtung Norden geführt wird, während die A8 weiter nach Karlsruhe verläuft.

Protest gegen ursprüngliche Pläne

Die ursprünglichen Pläne hatten allerdings einen anderen Verlauf der A81 vorgesehen. Statt über Böblingen und Sindelfingen hatte die Autobahn von Gärtringen aus an Magstadt und Renningen vorbei direkt nach Leonberg verlaufen sollen. Dort und in Gärtringen waren Autobahnkreuze geplant gewesen.

Allerdings gab es in den 1970er und 1980er Jahren großen Widerstand in den von diesem Verlauf der Autobahn betroffenen Gemeinden im Kreis Böblingen. Auch die Topografie erwies sich als schwierig, Naturschutzaspekte galt es nämlich ebenfalls zu bedenken.

Reste des geplanten Autobahnkreuzes

All dies führte dazu, dass die damalige Landesregierung im Jahr 1985 die Baupläne schließlich verwarf. Die A831, die eigentlich auf der Route der heutigen A81 hatte verlaufen sollen und von der es aktuell nur noch einen kleinen Rest bei Stuttgart-Vaihingen gibt, wurde in A81 umbenannt.

Eines der Relikte der ursprünglichen Pläne, das sich bis in die Gegenwart erhalten hat, ist die ungewöhnliche Autobahnausfahrt in Gärtringen. Und wer genau hinsieht, kann dort auch heute noch den eigentlich vorgesehenen Verlauf des Gärtringer Autobahnkreuzes erahnen.

Andere Beispiele für Linksausfahrten

Mit der Linksausfahrt steht Gärtringen deutschlandweit allerdings nicht allein da. Betroffen seien sonst hauptsächlich Autobahnen in städtischen Einzugsbereichen, so eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. Beispiele seien etwa die Ausfahrt Siemensdamm der A100 in Berlin sowie die Ausfahrt Eichenborndamm der A111 im Tunnel Flughafen Tegel, beide in nördlicher Fahrtrichtung. Seit März 2007 gebe es auch auf der A46 im umgebauten Autobahndreieck Neuss-West in Nordrhein-Westfalen eine Linksausfahrt.

„Solche Linksausfahrten sind immer lokalen Besonderheiten oder historischen Entwicklungen geschuldet und stellen eine von der Regellösung abweichende Einzelfalllösung dar“, so die Sprecherin. Systematisch erfasst würden Linksausfahrten allerdings nicht, deshalb könne keine Aussage über deren Gesamtzahl in Deutschland getroffen werden.

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