Der OP-Bereich des Flugfeldklinikums und allerhand technische Gewerke sind in Arbeit. Am Helikopter-Landeplatz fehlen noch einige Details. Foto: /Stefanie Schlecht

Der Zeitplan scheint zu stehen: In zwei Jahren werden in dem 750-Millionen-Euro-Krankenhaus die Standorte Sindelfingen und Böblingen zusammengelegt. Aktuell nehmen das Innenleben und die Fassade Gestalt an: Klinker- und Aluelemente werden verbaut und uralte Technik.

Streifenvorhänge aus PVC und Türen aus Pressspanplatten bilden aktuell die Eingänge in das im Bau befindliche Flugfeldklinikum Böblingen-Sindelfingen im gemeinsamen Stadtteil Flugfeld. Momentan arbeiten rund 200 Bauarbeiter vor allem daran, die Technik zu installieren. Außerdem werden auf den insgesamt sechs Geschossen (mit Unter- und Erdgeschoss) gerade Wände und Türrahmen eingebaut. Auch an der Fassade wird gearbeitet. Das Krankenhaus soll im Jahr 2026 eröffnen und die Kliniken in Böblingen und Sindelfingen ablösen. Das klingt teuer, und das ist es auch. Laut dem letzten Stand, der im Februar auch dem Planungs- und Bauausschuss präsentiert worden sei, bleibt es bei voraussichtlichen Gesamtkosten von 750 Millionen Euro. Ausgeschlossen seien weitere Preissteigerungen jedoch nicht.

 

Durch den Tunnel geht es zum Betriebshof. /Stefanie Schlecht

Durch die Zufahrt zum Betriebshof und an den gerade in die Höhe wachsenden Treppenhäusern des Mitarbeiterparkhauses vorbei gelangt man zu der Rampe, an der später die Ver- und Entsorgung für den ganzen Gesundheitscampus zusammenläuft. Hier wird das Essen angeliefert, der Müll gesammelt und abgeholt, und die gereinigte Wäsche in Empfang genommen. Später einmal. Momentan ist die Rampe Lager für einen Teil der 16 Kilometer Glasfaserkabel und für etliche Stücke von Lüftungsschächten. Ein Blick durch die Sperrholztür ins spätere Zentrallager im Untergeschoss des Klinikums offenbart unzählige Aluminiumpritschen an den Decken. Mehrere Ebenen liegen übereinander. Sie müssen die Kabel, Leitungen und Rohre aufnehmen, die das Krankenhaus später mit Strom, Internet und Sauerstoff versorgen. Auch das 5,6 Kilometer lange Rohrpostsystem verläuft über den Köpfen der Mitarbeitenden. Das in Zeiten der Digitalisierung vorsintflutlich anmutende System ist in Krankenhäusern nach wie vor Standard: Es soll unter anderem Gewebeproben schnell vom OP ins Labor schicken, um rasch Ergebnisse zu bekommen.

Ausschreibungen mussten teils wiederholt werden

„Die Technik hat sich als sehr komplex und anspruchsvoll erwiesen“, sagt Eva Dehoust, die beim Klinikverbund Südwest für die Kommunikation zuständig ist. Darum mache sie auch fast die Hälfte der Kosten aus, ergänzt Harald Schäfer, Projektgeschäftsführer für das Flugfeldklinikum und den benachbarten Hochpunkt. Eine weitere Herausforderung sei die aktuelle Situation auf dem Markt. Durch Krisen, Kriege und Baukostensteigerungen habe man etliche Ausschreibungen für Arbeiten wiederholen und in kleinere Pakete aufbrechen müssen, um diese für Firmen attraktiv zu machen.

Der südliche Gebäudekörper beinhaltet verschiedene Bereiche der Notfallversorgung. So finden sich im Erdgeschoss die Notaufnahme, die Schockräume und die Radiologie. Im Stockwerk darüber sind die OP-Säle. Sie werden derzeit mit Bleiwänden abgetrennt; das macht man zum Schutz vor überhöhter Strahlung. Im vierten Obergeschoss, 26 Meter über dem Boden, liegt der Hubschrauberlandeplatz. 30 Meter Durchmesser hat er, und durch einen Steg ist er mit dem Aufzug verbunden – der ist übrigens für Patienten und Besucher nicht zugänglich. Besucher und Betten mit Patienten im gleichen Fahrstuhl, das soll es im Flugfeldklinikum nicht geben.

Kapelle und Andachtsraum im Erdgeschoss

Im nördlichen Gebäudeteil liegen im Erdgeschoss die verschiedenen Ambulanzen, eine Infotheke und ein Café. Auch eine ökumenische Kapelle sowie ein Andachtsraum für Muslime sind vorgesehen. Ebenso ein Raum für rituelle Waschungen verschiedener Glaubensrichtungen. Erschlossen wird der ganze Bereich über einen zentralen Korridor, von dem die Ambulanzen abgehen. Bei der Orientierung sollen visuelle Marker helfen. Auch eine App zur Unterstützung ist angedacht.

Den kürzesten Weg vom Besucherparkhaus oder von den Kurzzeit-Parkplätzen vor dem Krankenhaus haben übrigens Eltern mit kranken Kindern oder werdende Mütter. Die Kinder- und Jugendambulanz hat einen eigenen Eingang. Darüber liegen unter anderem die Entbindungsstation und die Neonatologie. In den oberen Stockwerken des restlichen Nordgebäudes sind überwiegend Patientenzimmer und Stationen zu finden.

Mitarbeitende sollen Arbeitsabläufe planen

Ein weiterer Bereich der Baustelle, der gerade besonders aktiv ist, liegt im Westen des 50 000 Quadratmeter großen Grundstücks. Dort entsteht gerade das Parkhaus für die Mitarbeitenden. Rund 900 Autos und 140 Fahrräder sollen dort Platz haben. Es kann über die Elly-Beinhorn-Straße oder über die Calwer Straße angefahren werden. Das östliche Parkhaus, unter anderem für Besucher und Patienten, ist bereits fertig.

Derzeit ist das gesamte Krankenhaus eingerüstet. Bald sollen die Fassaden angebracht werden. Die soll mit Klinkerelementen der des Hochhauses ähneln. Aluminium-Elemente sollen die Optik unterbrechen. In den kommenden Monaten gehen die zukünftigen Mitarbeitenden in die Feinplanung, wie sie den Arbeitsalltag in den neuen Räumen gestalten wollen – welche Wege und Arbeitsabläufe am effizientesten sind, muss vor dem Umzug geregelt werden.