Beim 50. Höfleswetz werden noch die alten Tugenden des Fußballs gepflegt. Die Gewinner dürfen zum VfB Stuttgart.
Die wahre Schule des Fußballs braucht kein großes Tamtam und keinen Glamour-Faktor. Sie kommt bodenständig daher. Die Zutaten für einen guten Kick sind denkbar simpel: ein Stück Asphalt, ein Schulhof oder eine Wiese genügen. Dazu ein Ball, zwei Teams und ein paar Schulranzen oder Jacken als Seitenbegrenzung fürs Tor. Mancher Fußballstar hat sein Ballgefühl in frühen Jahren mit solch einfachen Mitteln geschult. Der Höfleswetz knüpft genau an diese Tradition des Straßenfußballs und der Bolzplätze an.
Auch Fredi Bobic, ein Stuttgarter Junge, Europameister, Bundesliga-Torschützenkönig 1996 und Mitglied des erfolgreichen magischen Dreiecks beim VfB Stuttgart, stand in seiner Jugend beim Höfleswetz auf dem Platz. „An die exakte Jahreszahl kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern“, sagt Bobic auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch wie er abgeschnitten hat, weiß er nicht mehr. Aber bei einem ist er sich sicher: „Ich fand solche Turniere immer sehr schön. Organisation und Anerkennung des Turniers sind herausragend. Das besagt allein die Tradition.“
Eine faire Geste wird belohnt
Tradition hat es auch, dass die Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung die „fairste Mannschaft“ des Turniers auszeichnen. Als echte Fairplay-Champions erwiesen sich diesmal die Höfleswetzer des TV Nellingen. Im Spiel gegen die Big Banana Pencils gaben sie dem eigentlich chancenlosen gegnerischen Team trotzdem zwei Mal die Möglichkeit zu jubeln: „Wir haben ihnen einfach zwei Tore geschenkt, um sie ein wenig aufzubauen“, sagten der TV-Nellingen-Jugendleiter Marek Wladarz und Co-Trainer Mehmet Keser. Das nahmen die Jungs von Banana Pencil gerne an. Letztendlich endete die Partie dennoch mit 10:2 für den TV Nellingen. Auch für den erfahrenen Schiedsrichter Markus Baunach war dies eine außergewöhnlich faire Aktion: „Ich bin seit fünf Jahren dabei. So eine faire Geste habe ich noch nicht erlebt.“
Trotz des Fair-Play-Gedankens ging es am Ende natürlich auch um Tore, Siege und Podestplätze. Bei den Mädchen gewannen in einem spannenden Finale die Neckarkicker mit 1:0 gegen die SG West Mädels. Schon in der Vorrunde bewiesen die Kickerinnen vom FC Esslingen, dass sie würdige Jubiläumsturnier-Gewinnerinnen sind. Sie schlugen ihre Endspiel-Gegnerinnen damals schon mit 2:0. Auf Platz 3 landeten die Hartwaldgazellen, die sich mit 3:1 im Neunmeterschießen durchsetzten.
Weitere Gewinne warten
Ebenfalls vom Punkt wurde das Finale bei den Lausern entschieden. Am Ende setzte sich die Mannschaft von SchwabenSport Talentteam mit 9:8 gegen die Tauser Lauser durch.
Noch in der regulären Spielzeit sicherten sich die Jungs von HackeSpitze123 den Endspielsieg mit 2:1 gegen das aufopferungsvoll kämpfende Team von „Gegen gegen Gegen“.
Die drei erstplatzierten Mannschaften bei den Höfleswetzern, Lausern und Mädchen dürfen ein Heimspiel des VfB Stuttgart live im Stadion verfolgen – wahrscheinlich gegen die TSG Hoffenheim. Zudem findet eine offizielle Ehrung im Weißen Saal des Neuen Schlosses statt.
Zudem gab es am Dienstag noch weitere Ehrungen unserer Zeitung:
Beste Torhüterin: Sie flog durch den Strafraum, brachte präzise ihre Abschläge gefährlich vor des Gegners Tor und baute auch nach Niederlagen ihre Mitspielerinnen schnell wieder auf: Emma Knies ist 14 Jahre alt und ist ungemein talentiert. Das ist nicht nur den Beobachtern auf dem Höfleswetzturnier aufgefallen. Im Oktober nimmt sie zum ersten Mal an einem DFB-Camp für Torspielerinnen teil, das die ehemalige Weltklasse-Keeperin Silke Rottenberg leitet.
Eigentlich trägt Emma das Trikot des SV Sillenbuch. In der C-Jugend des Vereins muss sie sich wie beim Höfleswetz gegen die Jungs durchsetzen. „Wir haben hier letztes Jahr bei den Mädchen gewonnen und wollten unbedingt noch mal dabei sein – auch wenn es wegen des Alters nun bei den Jungs sein muss“, sagt Emma. Und als die Rumms Murr Kicker verkauften sie sich prächtig. Das lag natürlich mitunter an der sehr guten Vorstellung ihrer Torspielerin, die auch in der weiblichen B-Jugend des VfB Stuttgart zum Zuge kommt.
Bester Höfleswetzer:Dass Mika Stefanovic kicken kann, ist unbestritten. Im Verein spielt er in der C1 des MTV Stuttgart. Beim Höfleswetzturnier stand er in der Abwehr der Mannschaft von HackeSpitze123, die das Finale des älteren Jahrgangs gewonnen haben. Der 13-Jährige ist Innenverteidiger, ausgestattet mit einem guten Auge und einem fulminanten Schuss. Er war es auch, der im Endspiel sein Team mit 1:0 durch einen gewaltigen Hammer aus der Distanz mit 1:0 in Führung brachte.
Seit neuneinhalb Jahren spielt Mika Fußball. Seine Vorbilder sind der spanische Abwehrspezialist Sergio Ramos und Portugals Superstar Ronaldo. „Sicher liegen meine Stärken im Aufbauspiel und beim Abschluss“, sagt Mika. In seinem Stellungsspiel sieht er noch Potenzial nach oben. „Ich würde gerne Profi werden, in der Bundesliga und in der Champions League spielen.“ Dafür trainiert der Innenverteidiger dreimal die Woche auf dem Platz und auch alleine im Fitnessstudio.
Beste Lauserin: Die zehnjährige Lisa Morales Nagel ist die geborene Allrounderin. Sie kann im Mittelfeld sehr gut die Bälle verteilen, hat ein gutes Auge für ihre Mitspielerinnen, ist passsicher, geht keinem Zweikampf aus dem Weg, sie ist torgefährlich und dribbelstark: „Und sie hat gleich das erste Tor geschossen“, sagt ihr Trainer Stefan Bork. Und entsprechend wurde sie von ihrem übrigen Team – alles Jungs – entsprechend mit Lisa-Lisa-Sprechchören gefeiert.
Lisa hat bereits mit sechs Jahren mit dem Fußballspielen begonnen. Sie spielt in der E-Jugend des TV Weiler Rems. Mit ihrem Team hat sie beim diesjährigen Höfleswetzturnier drei Spiele gewonnen, lediglich eine Partie ging verloren. Lisa geht wie ihre Mitspieler in die Reinhold-Maier-Schule in Schorndorf-Weiler. An der Schule gibt es ein Sportprofil. Die Zehnjährige spielt noch nicht so lange im Team: „Sie hat sich aber super integriert und ist eine echte Mannschaftsspielerin“, sagt ihr Trainer freudestrahlend.
Bester Lauser:Guiseppe Falivena vom SchwabenSport Talentteam ist ein echter Kreativspieler. Er kann mit dem Ball sehr gut umgehen. Als Mittelfeldregisseur ist der technisch versierte Linksfuß vor allem im offensiven Bereich sehr stark. Die Nummer 11 ist zwar nicht besonders groß, aber dafür äußerst trickreich und auch zweikampfstark. 20 Tore hat er im gesamten Höfleswetzturnier für sein „Talentteam“ geschossen. Auch wenn der elf-jährige Nachwuchskicker von der SGV Freiberg beim Finale gegen Tauser Lauser beim abschließenden Neunmeter-Schießen einen „Elfer“ vergab, so war Guiseppe Falivena dennoch ein wichtiger Faktor im Spiel. „Meine Lieblingsposition ist linker oder rechter Außenstürmer“, sagt er. Sein Trainer hält große Stücke auf ihn: „Er ist einfach ein Supertechniker und unser Kreativspieler“, sagt er. Und er schafft es immer wieder im rechten Moment, das Spiel zu beruhigen und breit zu machen. Lediglich zwei Gegentore kassierte sein Team im gesamten Turnier.
Beste Höfleswetzerin: Sie trägt die Nummer 5, die auch schon „Kaiser“ Franz Beckenbauer auf dem Rücken hatte. Ob ihre Karriere genauso steil verlaufen wird, wie die des Weltklasse-Abwehrspielers wird sich noch zeigen. Aber Luisa Ebering hat beim Höfleswetz einen super Job gemacht. Die 13-Jährige ist Innenverteidigerin und hielt auch beim 1:0-Sieg im Finale ihre Abwehr zusammen. Kein Durchkommen! Ihre Stärken? „Ich bin schnell, habe einen guten Schuss und bin wie eine Wand“, sagt Luisa und schmunzelt.
Seit 2017 spielt sie beim FC Esslingen. Ihr Vorbild ist Joshua Kimmich, der beim FC Bayern München und in der Nationalmannschaft Verantwortung übernimmt. Das imponiert Luisa. Sie selbst möchte später auch einmal in der Bundesliga spielen. Und wenn alles gut läuft sogar einmal das Trikot der deutschen Frauen-Nationalmannschaft tragen. Für die Verbandsauswahl war sie schon nominiert. Ihr Trainer Martin Hägele hält ebenfalls große Stücke auf sie: „Sie war heute die beste Spielerin.“