Die Kickers-Fans haben endlich wieder einmal Grund zum Jubeln. Foto: Baumann

Es geht doch: nach zehn Spielen ohne Sieg haben die Stuttgart Kickers in der Regionalliga wieder einmal gewonnen – und das im Derby gegen den VfB.

Stuttgart - Im B-Block kochten nach kargen Wochen und Monaten die Emotionen hoch: Die Fans schrien „Derby-Sieger“ und sangen „Oh, wie ist das schön…“. In den Katakomben schwärmten die Spieler von „überwältigenden“ und „geilen Gefühlen“. Dann nahmen sie in der Kabine die Komplimente von Präsident Rainer Lorz und Aufsichtsratschef Christian Dinkelacker für das 3:1 (2:0) gegen den VfB II entgegen. Die Erleichterung war nach zuvor zehn Spielen ohne Sieg und dem erst zweiten Heimdreier im 14. Anlauf (!) förmlich zu greifen. Ganz nach dem Motto: Hurra, wir leben noch.

Und der Trainer? Der freute sich eher nach innen. Obwohl er in seinem sechsten Spiel als Kickers-Coach endlich seinen ersten Sieg feiern konnte. „Ich bin ein sehr konstanter Mensch“, sagte Tomasz Kaczmarek. Gefühlsausbrüche wie bei seinem Vor-Vorgänger Tommy Stipic gibt es bei ihm nicht, sieht man mal von dem Glattstrich mit resignativen Zügen für seine Elf auf der Pressekonferenz in Offenbach ab. Also ging er am Samstag abend nur kurz mit einem Freund ins H’ugo’s zum Essen. Am Sonntagmittag machte er sich auf zu einer Spielbeobachtung. Dieser Derby-Sieg war ja auch nicht mehr als ein erster Schritt aus dem Tabellenkeller. Das wusste auch der Trainer: „Von der Wende würde ich noch nicht sprechen. Wir stehen noch vor acht harten Wochen im Abstiegskampf.“

Blaue Leidenschaft

Vor dem Spiel hatte nichts auf die Wende hingedeutet. Doch offenbar hatte jeder einzelne in der Mannschaft endlich kapiert, dass dieses Stadtduell praktisch die letzte Chance ist, den Sturz eines Traditionsclubs in die Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Statt wie so oft in den Spielen zuvor, den Fuß lieber zurückzuziehen, hielten die Blauen mit voller Leidenschaft dagegen. Die Körpersprache stimmte von der ersten Sekunden an. Mit hoher Intensität und unter Hochspannung ging es in die Zweikämpfe. Was entscheidend hinzukam: Erstmals in der Kaczmarek-Ära gelang der Führungstreffer. Bereits in der dritten Minute traf Lukas Scepanik zum 1:0. „Wir haben auch in den Heimspielen gegen Kassel und Koblenz nicht schlechter gespielt, doch dieses Tor machte den Unterschied“, sagte der Coach.

Es wirkte wie eine Befreiung. Und die Kickers-Fans unter den 3390 Zuschauer peitschten ihr Team nach vorne. Der Lohn: Das 2:0 durch Lhadji Badiane (39.). Als der VfB II nach der Pause zum 1:2 durch Nicolas Sessa (55.) kam, gelang es den Blauen phasenweise nicht, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Das 3:1 durch Jesse Weißenfels (73./drittes Saisontor) fiel praktisch aus dem Nichts. Der Rest war Jubel in Blau. „Wir müssen diese Euphorie jetzt mitnehmen“, forderte Kapitän Sandro Abruscia.

Jäger besticht im Zweikampf

Acht Punktspiele stehen noch an. Und was auf dem Weg aus dem Keller helfen würde, wäre Kontinuität in der Aufstellung. In Marco Kaffenberger und Marvin Jäger scheint das beste Innenverteidiger-Duo gefunden. Besonders der beim VfB ausgebildete Jäger (21) bestach durch Zweikampf- und Kopfballstärke, gute Spieleröffnung und taktisches Gespür. Auch die Doppel-Sechs mit David Müller und Nico Blank und die linke Seite mit Scepanik vor Josip Landeka überzeugte. „Natürlich wünsche ich mir Konstanz in der Formation, doch Ausfälle wird es immer geben“, sagt der Trainer. Abruscia steht bei vier, Müller bei neun Gelben Karten. Shqipon Bektashi dürfte nach einem Schlag auf die Adduktoren zwei, drei Wochen fehlen. Und Blank lag am Sonntag mit einer Gehirnerschütterung noch im Krankenhaus. Dass er nach dem Zusammenprall vor der Pause bis zum Schluss auf die Zähne biss, zeigte mit welcher Einstellung die Kickers im Derby ihre letzte Chance suchten.

Stuttgarter Kickers - Regionalliga

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