Seit 30 Jahren gibt es im Großen Haus in Schmiden (Rems-Murr-Kreis) das Lichtspieltheater Orfeo. Betreiber und Besucher wollen den Jahrestag gebührend begehen.
Bis 1983 hatte Fellbach in der Bahnhofstraße ein privat geführtes Kino. Als dort die Lichter ausgingen, mussten sich Cineasten arrangieren und auf benachbarte Orte und Lichtspielhäuser ausweichen. Elf Jahre später konnten sie sich wieder vor Ort vor einer großen Leinwand nieder- und auf gepflegtes Kinovergnügen einlassen.
Vielfältiges Programm
Am 14. Januar 1994 wurde im historischen Gewölbekeller im Großen Haus in Schmiden das Orfeo Programmkino eröffnet, es basiert auf der Zusammenarbeit der Stadt Fellbach mit dem Betreiber Kinokult e.V. Ein Glücksfall. Der eingetragene Verein Kinokult, der unter anderem auch im Caligari in Ludwigsburg, im Luna und Scala für ein anspruchsvolles Kinoprogramm steht, sorgt für die Programmvielfalt und -qualität.
Zwischen 17 000 und 19 000 Besucher zählte das Orfeo jedes Jahr vor der Pandemie. „Noch immer haben wir einen Besucherzahlenrückgang von rund 30 Prozent bezogen auf 2019“, sagt Melanie Hoffmann. Sie leitet für Kinokult das Orfeo. „Das schmerzt und wir hoffen, dass wir mit unserem vielfältigen Programm die Fellbacher Kinofreunde wieder hinter den Mediatheken hervorlocken können.“ Aktuell gibt es im Gewölbe mehr als 600 Vorstellungen pro Jahr.
Kino sei eben nur im Kino wirklich großartig, so Hoffmann, und das Orfeo für viele Kinofans in Fellbach und den Nachbarorten „ein Zuhause“ geworden: „Bei so manchem Stammgast wissen meine Kollegen und ich schon, wie der Kaffee getrunken wird.“
Das Orfeo befindet sich im ältesten Gebäude von Schmiden, dem Großen Haus. Die Filme werden im sanierten Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert gezeigt, dort gibt es 98 Sitzplätze. „Modernes Kino in einem alten Gebäude, jeder ist willkommen, eine Pluralität an Meinungen, an Filmen, an Geschmäckern, an Menschen“, beschreibt Melanie Hoffmann und zählt stolz auf, dass man ständig nachrüste und verbessere. Im Juni 1997 wurde eine neue Kinoleinwand angeschafft, in der Sommerpause 2012 die Bestuhlung erneuert. Seitdem sind die Stühle nicht mehr schwarz, sondern rot.
Vor rund zehn Jahren, am 3. Juni 2013, flimmerte mit dem „Nachtzug nach Lissabon“ der letzte 35-Millimeter-Film über die Orfeo-Leinwand. Danach wurde die alte analoge Kinotechnik abgebaut, der Vorführraum gestrichen, mit neuem PVC ausgelegt und die digitale Kinotechnik installiert. Seitdem tun ein Doremi-Server und ein Christie CP 2210 treu ihren Dienst.
„Wir wollen für jeden Geschmack das Richtige anbieten und dabei unterhaltsam und anspruchsvoll sein,“ sagt Rainer Storz, Mitbegründer von Kinokult, Geschäftsführer und von der ersten Stunde an in Schmiden dabei. Angeboten werden im Gewölbe sowohl anspruchsvolle Filme als auch die Filme, über die gerade alle reden. Jede Woche wechselt das Programm, das immer aus verschiedenen Genres besteht. Es gibt fremdsprachige Filme, Schulkinowochen und Previews. Regisseure und Schauspieler kommen ins Gewölbe, wenn etwa ihr Film anläuft.
Das Orfeo ist einzigartig
Vergangenes Jahr war die in Fellbach aufgewachsene Maggie Peren zu Gast und hat ihren Film „Der Passfälscher“ vorgestellt, Anfang dieser Woche tat dies die aus Schmiden stammende Schauspielerin Katja Bürkle. Für Kinder gibt es jedes Wochenende ein wechselndes Programm. Das Orfeo ist das einzige Programmkino dieser Art im Kreis, wo in vielen Kommunen privat geführte Kinos betrieben werden und das Angebot von Kommunalen Kinos dazukommt.
Am kommenden Sonntag, 14. Januar, wird im Orfeo das 30-jährige Bestehen des Programmkinos gefeiert – um 17 Uhr mit der Preview von „A Great Place to Call Home“ und Sekt für jeden Besucher. Karten können online unter www.kinokult.de oder telefonisch unter 0711 / 51 68 12 reserviert werden.