Ein auch bei Promis beliebtes Esszimmer im ersten Stock: Roberto Zollino und seine Frau Pompea in ihrem La Scala Foto: Lichtgut/Kovalenko

Seit 30 Jahren steht das Ristorante La Scala für Qualität. Wie in vielen guten Ristoranti in Stuttgartist die Aufteilung: Der Mann kümmert sich um die Gäste, die Frau um die Küche

Stuttgart - Jetzt kommen wieder die Monate, in denen Roberto Zollino ein bisschen auf die Zähne beißen muss. Denn sein La Scala liegt etwas versteckt im ersten Stock an der Friedrichstraße – und hat keinen Außenbereich, obwohl dies in der kleinen Fußgängerzone durchaus möglich wäre. Aber Zollino hat sich nie um eine Konzession für Außengastronomie bemüht, und seitdem ihm der Hausbesitzer vor drei Jahren eine Tequilla-Bar „unten reingepackt“ hat, schon gar nicht. „Gute Qualität geht auf der Straße nicht“, sagt er. Wenn doch, dann müsse schon alles passen.

Aber das La Scala hat sich auch ohne dieses Draußen-Sein, was vielen Deutschen schon Dolce Vita genug ist, gehalten. Jetzt im Mai sind es 30 Jahre. „Der Nachteil im ersten Stock ist auch ein Vorteil“, sagt Zollino. „Die Leute fühlen sich wie zu Hause in ihrem Wohnzimmer.“ Was sein Qualitätsverständnis unterstreicht: In der offenen Küche gibt es einen Holzofen, aus dem seine Frau Pompea alles mögliche zaubert – alles außer Pizza. Selbstverständlich gibt es im La Scala auch keinen Latte macchiato, und Cappuccino nach dem Essen nur ungern, denn es gilt: Caffè, Espresso, Basta!

Auch der Ministerpräsident ist gern zu Gast

Dass sich das kleine Ristorante so gut halten konnte, liegt mit an den vielen Stammgästen auch aus der Kultur (Generalmusikdirektor Sylvain Cambreling), der Wirtschaft (Schraubenkönig Reinhold Würth) und der Politik (Ministerpräsident Winfried Kretschmann). „Das La Scala gehört nicht zuletzt wegen der vorzüglichen Küche und dem hellen, freundlichen Ambiente zu meinen Lieblingsitalienern in Stuttgart“, gratuliert der Landesvater auf unsere Anfrage zum 30-Jährigen.

Als Promi-Italiener will sich Roberto Zollino dennoch nicht sehen, erst recht nicht als Edelitaliener. „Ich bin ein guter Italiener, aber ich bin kein Edelitaliener“, sagt er. Denn was soll das schon heißen: hohe Preise und große Arroganz? Damit habe Zollino bei einem sogenannten Edelitaliener selbst seine Erfahrung gemacht: Als sein dezenter Hinweis auf eine riesige Raupe im Salat mit „Naturprodukt“ kommentiert wurde, sei er mit seiner Frau aufgestanden und gegangen. „Bei uns kann auch mal was schief laufen, aber dann kommt es darauf an, wie man mit den Gästen umgeht“, sagt er.

Den Beweis haben wir in der Einkaufsnacht erlebt, als sich eine junge Horde Schweizer ins La Scala verirrten. Zu Cola und Orangina bestellten alle acht Spaghetti mit Tomatensoße. Die stehen gar nicht auf der Karte, die sich von den üblichen italienischen Verdächtigen unterscheidet, alle zwei Wochen wechselt und als Pasta schwarze hausgemachte Nudeln mit Wildfanggarnelen und Zucchiniblüten für 16,50 Euro offeriert. Aber der Gastgeber zuckte nicht mal, fragte seine Frau in der Küche – kein Problem. Dauert halt etwas länger, da die Tomatensoße extra gemacht werden muss.

Das Paar hat sich im La Scala kennengelernt

Fragt man nach dem schönsten Erlebnis in all den Jahren, sagt die Frau sogleich: „Das bin ich!“ Die beiden haben sich im La Scala kennengelernt. Sie ist dort von Anfang an, er „erst“ seit November 1990. Begonnen hatte es anno 1988 mit Romano Cardascia, dem Bruder der Frau – „wir haben alles von ihm gelernt“ –, der sich längst nur noch um sein Oggi ein paar hundert Meter weiter am Kleinen Schlossplatz kümmert.

Zollinos erster Schritt in die Gastronomie erfolgte auf Befehl des Vaters – der Sohn hatte die Berufsschule verweigert – in die Pizzeria Italia in der Neckarstraße. Seine Stationen: Tellerwäscher, Pizzabäcker, Koch, Barmann, dies zuerst auch im La Scala, ehe er Geschäftsführer wurde und 2007 das Ristorante vom Schwager abkaufte.

Ob das auch in Zukunft in der Familie bleibt? Den Töchtern jedenfalls – die eine ist Architektin, die andere Kindergärtnerin – habe Zollino abgeraten, in die Gastronomie zu gehen. Aber solange bei ihm, 48, und seiner Frau, 45, noch die Leidenschaft für die Küche da ist. . . Die sei schließlich das Wichtigste, sagen zwei, für die es auch im Urlaub immer ums gute Essen gehe. Dann vielleicht auch draußen.

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