Der Samstag ist beim 24. Stuttgart Lauf den Nachwuchssportlern vorbehalten. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Trotz hochsommerlicher Temperaturen sind mehr als 14 000 Läufer in allen Kategorien 24. beim Stuttgart-Lauf gestartet. Vor allem beim Halbmarathon war es erste Pflicht, viel zu trinken. Zum Glück schoben sich immer wieder Wolken vor die strahlende Sonne.

Stuttgart - Super Atmosphäre, super Stimmung – alle seien gut gelaufen: Robin Scholtes kommt aus dem Schwärmen fast gar nicht mehr heraus. Nur eine Kleinigkeit stört ihn: „Zeitlich hätte ich mehr rausholen können“, sagt der 22-Jährige, der nach einer Stunde und 45 Minuten in der Mercedes-Benz-Arena ins Ziel eingelaufen ist. Zum dritten Mal war Scholtes mit seinem Teamkollegen Raimund Mösle vom Sanwald-Laufteam gestartet. Voriges Jahr sei er vier Minuten besser gewesen, bedauert er. An der Hitze habe es aber nicht gelegen, eher schon am Training. „Das Wetter war tatsächlich besser als erwartet“, ergänzt Mösle. „Es war am Sonntag immer noch recht warm, aber zwischendurch windig und bewölkt.“

Trotzdem seien hin und wieder einige Läufer am Wegrand gelegen, weil sie das Wetter oder ihre Kondition überschätzt hatten. Etwa 50 Mal mussten die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz an den beiden Tagen Hilfe leisten, sagt Gerhard Müller, Projektleiter des Stuttgart-Laufs beim Württembergischen Leichtathletikverband (WLV). Alles unter 100 Einsätzen sei aber noch entspannt. Auch die Polizei melde keine größeren Probleme. Für WLV-Präsident Jürgen Scholz ist die geringe Einsatzzahl ein gutes Zeichen: „Das Bewusstsein für die eigene Leistung ist bei vielen Teilnehmern realistischer geworden.“ Das sei vor einigen Jahren noch anders gewesen. Zuletzt ist 2013 ein Läufer beim Stuttgart-Lauf gestorben.

Alle zweieinhalb Kilometer gab’s Verpflegung

Besonders die angekündigte Hitze habe den Veranstaltern vom Leichtathletikverband im Vorfeld Kopfzerbrechen bereitet. Mit zusätzlichen Wasserstellen, mit Verpflegungsstellen etwa alle zweieinhalb Kilometer, mit einer Gartenschlauch-Aktion – „einer Dusche für die Läufer“ – und mit viel Aufklärung über die richtige Vorbereitung habe man ein Bewusstsein geschaffen. „Ich habe den Eindruck, die Läuferinnen und Läufer haben das ernst genommen“, sagt Scholz. „Letztlich geht es um Spaß am Sport und dass jeder gesund ins Ziel kommt.“

Insgesamt sind rund 14 000 Teilnehmer in diesem Jahr am Ziel angelangt, ein paar hundert weniger als in 2016. Das „Flaggschiff“ des Stuttgart-Laufs ist immer der Halbmarathon am Sonntag, auch teilnehmermäßig der stärkste Wettbewerb. Allein rund 5800 Menschen sind die 21 Kilometer gelaufen. Sieger wurde – natürlich – der Stuttgart-Lauf-Botschafter Arne Gabius. Er hält seit dem Jahr 2015 den deutschen Rekord über die Marathondistanz. Er lobt die tolle Atmosphäre in Stuttgart: „Es war sehr friedlich, nirgends gab es Staus und die Leute hatten richtig Lust zum Laufen.“

Neun Wettbewerbe gab’s allein für Kinder

Doch auch wenn viele den Lauf mit großem Ehrgeiz angehen, im Mittelpunkt soll doch der Spaß stehen. Der Stuttgart-Lauf solle immer auch ein Familienfest sein, wie Pressesprecher Alexander Hübner betont, und zwar für die ganz Großen und für die ganz Kleinen. So sei sein fünfjähriger Sohn beim AOK-Jolinchen-Lauf gestartet. „Das führt die Kids von Anfang an ans Laufen heran.“ Allgemein steht der Samstag ganz im Zeichen des Nachwuchses. Neun Wettbewerbe gab es in der Mercedes-Benz-Arena für Kinder und Jugendliche – neben dem Jolinchen-Lauf auch den Handbike-Minimarathon und den „AOK Minimarathon“ für unterschiedliche Altersgruppen. Knapp 3800 Kinder und Jugendliche haben ihre Läufe erfolgreich beendet.

„Sehr heiß war es dieses Jahr“, ist die Bilanz der elfjährigen Isabelle Bacher nach ihrem 2,15-Kilometer-Lauf. Etwa 28 Grad zeigte das Thermometer kurz nach dem Start in Bad Cannstatt am Samstagnachmittag an. „Wir laufen schon mit, seit wir kleine Kinder sind“, ergänzte ihre 13 Jahre alte Schwester Julie. Zum Abschluss feuerte sie zusammen mit ihrem Vater die jüngere Schwester kräftig an. Die siebenjährige Fabienne hatte es beim Lauf allerdings etwas leichter als ihre älteren Schwestern: Sie musste nur 1200 Meter rennen.

Altersmäßig gibt es beim Stuttgart-Lauf übrigens nach oben kaum Grenzen. So laufen noch einige 80-Jährige den Halbmarathon durch. Der älteste Teilnehmer ist als „Opa Alfred“ bekannt, er ist 92. Er ist beim Sieben-Kilometer-Lauf gestartet. „Unterstützt von seiner Familie“, sagt Hübner.

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