Gut zwei Stunden bevor der Ludwigsburger Wochenmarkt beginnt, bauen die Beschicker ihre Stände auf und rüsten sich gegen die Kälte. Foto: factum/Weise

24 Stunden Ludwigsburg – in einer 24-teiligen Serie erzählen wir, wie die Ludwigsburger und die Gäste der Stadt leben und arbeiten. Zwischen 5 und 6 Uhr laufen die Vorbereitungen für den Wochenmarkt. Die ersten Beschicker des Markts bauen ihre Stände auf.

Ludwigsburg - Wie eine goldene Sichel steht der Halbmond am Himmel über dem Ludwigsburger Marktplatz. Die beiden imposanten Kirchen sind hell beleuchtet, reflektieren das Licht in die tief dunkle Nacht. Auf den Straßen der Barockstadt ist gegen 5 Uhr in der Früh noch nicht viel los. Auf dem Marktplatz indes wird fleißig geschafft. In knapp zwei Stunden beginnt der Wochenmarkt, der bis zum frühen Nachmittag die Menschen wieder in Massen anlocken wird.

Rund eine Handvoll bäuerliche Unternehmer haben bereits ihren Standplatz in Beschlag genommen. Mitten auf dem Marktplatz steht Phillip Schwab. Er erzählt, dass er gegen halb 5 Uhr auf seinem Hof gestartet sei, nun warte er auf seine Kollegen, die gleich mit einem Transporter und ei-nem Anhänger dazustoßen sollten. Das frühe Aufstehen ist kein Problem? Nein, gar nicht, sagt er hellwach. Und dann kommen die Mitarbeiter, die Vorbereitungen für den Verkaufsstart können beginnen.

Monotones Gedröhne der mobilen Heizungsgeräte

Gleich nebenan wird schon seit geraumer Zeit gewirbelt. Das große Zelt der Gärtnerei Beyer steht bereits. Heizlüfter sorgen für ein bisschen Wärme im Inneren. Die Mannschaft stellt Tische auf, sortiert die Waren: Jede Menge Obst und Gemüse ist im Angebot. „Wir beeilen uns“, sagt eine Frau, denn die ersten Kunden wollten deutlich vor dem offiziellen Beginn des Markts einkaufen. „Manche kommen direkt von ihrer Nachtschicht zu uns.“

Wer zu dieser Morgenstunde über den Marktplatz schleicht, der hört nur das leise Klacken der Marktbetreiber beim Aufbau der Zelte und Stände sowie das monotone Dröhnen der mobilen Heizungsgeräte. Vor dem Kaffee Lutz neben der evangelischen Kirche haben sich ein paar Nachtschwärmer auf Stühlen niedergelassen. Sie haben offenbar durchgefeiert in dieser Nacht von Freitag auf Samstag, sie rauchen, unterhalten sich. Wenn das Markttreiben richtig losgeht, dann werden diese jungen Leute vermutlich längst in ihren Betten liegen und sich von der durchgemachten Nacht erholen.

„Ich habe ich mich sofort in den Marktplatz verliebt“

Neben der katholischen Kirche steht gegen halb 6 Uhr Armin Haas, raucht eine Zigarette. Der Mann aus Möglingen erzählt, dass er seit 25 Jahren auf dem Ludwigsburger Markt Molkereiprodukte verkaufe. Er feiere heuer also ein kleines Jubiläum. Schon gegen halb 4 Uhr sei er aufgestanden, habe das Auto mit den Waren beladen und sei dann nach Ludwigsburg gefahren. Nun will er seine Verkaufstheke in dem Kleintransporter herrichten, „alles muss picobello aussehen“. Haas ist dienstags, donnerstags und samstags in Ludwigsburg auf dem Wochenmarkt, mittwochs in Pattonville und freitags in Böblingen. Montage seien Bürotage. Nur Sonntage seien freie Tage. Das Arbeiten auf den Wochenmärkten sei aufwendiger als viele Kunden glaubten, sagt Haas. „Die sehen uns ja nur einen halben Tag auf dem Markt.“ Bis er zurückgefahren sei nach Möglingen und den Kleintransporter wieder entladen habe, werde es aber 16, manchmal 17 Uhr. So ein Arbeitstag dauere fast immer länger als zwölf Stunden.

Ein paar Schritte weiter entlädt ein Ehepaar aus einem Dorf in der Nähe von Künzelsau einen Transporter. Die beiden haben Gemüse und Südfrüchte im Angebot. Die Frau erzählt, dass sie seit zwölf Jahren auf dem Ludwigsburger Wochenmarkt verkauften. „Als wir das erste Mal hergekommen sind, habe ich mich sofort in den Marktplatz verliebt.“ Sie schwärmt von den Arkaden und von den netten Kunden. „Wir haben nie bereut, dass wir uns für Ludwigsburg entschieden haben.“

Die Kunden stehen Schlange

Unterdessen werkeln zwei Männer in dieser kalten Winternacht an einem offensichtlich alten Marktstand aus Holz. Das gute Stück habe er vor rund 35 Jahre selbst gebaut, sagt Eberhard Simon und lacht. Herr Simon ist in Ludwigsburg bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund, er betreibt seit 1977 den Leuchtkäfer, einen der ersten Bioläden weit und breit. Simon ist ein bisschen stolz auf seinen Holzstand. Der Aufbau, sagt er, erfordert aber einiges an Geschickt. Simons Lehrling, der mit den Holzteilen hantiert, guckt nicht sonderlich glücklich – zumal er nicht in einem beheizten Zelt steht, so wie viele andere Marktbeschicker, sondern unter freiem Himmel.

Sobald der Stand aufgebaut ist, will Simon nach Winnenden fahren und die Ware abholen: ofenfrische Brötchen und jede Menge Brot der verschiedensten Sorten. Alles öko, versteht sich – gebacken von der Kollekivbäckerei Weber. Mitunter komme er leider ein bisschen zu spät von seiner Tour nach Winnenden zurück zum Ludwigsburger Markt. „Ich muss halt in Winnenden warten, bis alles ganz frisch aus dem Ofen ist.“ Zurück auf dem Marktplatz, sagt Eberhard Simon und grinst verschmitzt, stünden die Kunden manchmal schon in einer Schlange und warteten ungeduldig auf die duftenden Backwaren.

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