Die Errani-Brüder. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Foto:  

19 Jahre hat der Weltweihnachtscircus unzählige tolle Nummern nach Stuttgart gebracht. Ist beim Jubiläumsgastspiel eine Steigerung möglich? Viele Premierengäste werden diese Frage mit Ja beantworten, denn sie haben neben atemberaubender Artistik einen außergewöhnlichen Clown erlebt.

Stuttgart - Housch ma Housch, David Larible, Boyarinov, Fumagalli, Pio Nock. Der Weltweihnachtscircus hat in seinen Programmen immer auf exzellente Clowns gebaut. Diesmal schickt er Bello Nock, den Neffen von Pio Nock, in die Manege – und landet einen Volltreffer. Denn Bello Nock hält sich nicht mit langatmiger Melancholie auf, sondern ist ein hyperaktiver Spaßmacher, der ständig unter Hochspannung steht, wie seine Sturmfrisur beweist. Er wagt sich aufs Trampolin, wo er immer wieder auf die Nase fällt, und er klettert mutig aufs Todesrad, wo er sogar noch Zeit findet, den Gangnam Style zu tanzen. Doch Bello Nock trägt gern noch wesentlich dicker auf.

Das Runde kommt aus dem Eckigen. Schon beim ersten Auftritt, in dem der Clown aus einem bunten Würfel kriecht, gibt er sich ziemlich aufgeblasen und zeigt in einem Ballonanzug wahre Größe. Auch sonst agiert Bello Nock gern mit luftiger Leichtigkeit, lässt Ballone fliegen und zerschießen. Selbst dem Hassobjekt aller Großstädter, dem lärmenden Laubbläser, gewinnt der Clown vollmundig lustige Seiten ab und erzeugt die wohl längste Luftschlange der Welt.

Bei einer anderen Ballonnummer hat der Clown seine Hände nicht mit im Spiel. Herzlich gelacht wird trotzdem, wenn sich die Artisten Claude Sprecher und Daniele Nash in ihren Rollen als entflohener Sträfling und Polizist unter der Zirkuskuppel in einem Fesselballon und auf einer wackeligen Strickleiter eine Verfolgungsjagd liefern. Für Lacher sorgt auch der Bauchredner Willer Nicolodi, wenn er seiner Puppe Joselito das Singen beibringen will.

Zwölf Jongleure aus China lassen Keulen fliegen

Neben Spaß braucht ein echter Zirkus auch Tiere und Spektakel. Diesen zirzensischen Dreiklang lässt der Weltweihnachtscircus in gewohnter Perfektion erklingen. Im animalischen Teil des Programms setzt er dabei gern auf bewährte Kräfte. Geraldine Knie lässt bei einer eleganten Freiheitsdressur sechs Friesen, sechs Araber und vier Ze­bras tanzen, für den englischen Stardompteur Martin Lacey machen elf Löwinnen Männchen, fauchen und schlagen mit den Tatzen. Derweil fläzt sich der Löwenpascha auf seinem Podest und gibt sich gelangweilt. Wach wird er erst, als er allein in der Manege sein darf und Lacey ihn als Ruhekissen benutzt. Schwung in die Manege bringen die Eshimbekov Kosaken, wenn sie mit wilden Reitkunststücken in der Manege das Sägemehl fliegen lassen.

Für noch mehr Schwung sorgt die Kanadierin Valerie Inertie, wenn sie mit wehenden Haaren und Kleidern rasant in einem Reifen durch die Manege kreiselt. Wer hätte gedacht, dass sich ein halbes Rhönrad so elegant bewegen und beherrschen lässt. Vergleichbares hat das Stuttgarter Publikum bisher nicht gesehen.

Körperbeherrschung beweisen auch die asiatischen Artisten. Zwölf Jongleure aus China lassen Keulen fliegen – und bewegen sich dabei in Zweier- und Dreierpyramiden vorwärts und rückwärts auf Einrädern. Drei Etagen höher sorgen fünf fliegende Mädchen aus Nordkorea für Nervenkitzel, wenn sie am Hochtrapez den vierfachen Salto versuchen – sogar mit verbundenen Augen.

Eine ruhige, fast statische Nummer aber ragt im zweieinhalbstündigen Zirkusprogramm als Höhepunkt heraus. Für ihn sind die Brüder Giang aus Hanoi verantwortlich, die aus dem Nichts und mit einem Schlag ihre Heimat Vietnam auf die Landkarte der großen Artistiknationen bringen. Ihre Handakrobatik und ihre Kopf-auf-Kopf-Balance lässt den Betrachter ahnen, wie es in einer Welt wäre, in der die Schwerkraft ausgeschaltet ist. Alles nur eine Kopfsache.

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