15. Filmschau eröffnet Wie sich ein Festival mit Star anfühlt

Von Bernd Haasis 

 Foto: dpa
Foto: dpa

Baden-Württemberg kann sich also doch selbstbewusst präsentieren: Bei der Eröffnung der 15. Filmschau des Landes am 10. Dezember war ein Hauch von Glamour zu spüren.

Stuttgart - Baden-Württemberg kann sich also doch selbstbewusst präsentieren - zumindest die Filmszene: Bei der Eröffnung der 15. Filmschau des Landes am Donnerstag im Metropol-Kino mit rotem Teppich, funkelnden Spots, viel lokaler und ein wenig internationaler Prominenz war ein Hauch von Glamour zu spüren.

Nicht übertrieben freilich, aber doch glanzvoll. Das Land hat in diesem Jahr eigens gut 50.000 zusätzliche Euro investiert in das Festival, das den Filmstandort für die Bürger sichtbar machen soll. Medienminister Wolfgang Reinhart (CDU), kein Verächter des Rampenlichts, übernimmt denn auch persönlich die Begrüßung der gut 360 Zuschauer im Metropol 1, während der ernsthaft wirkende Schauspieler Nikolai Kinski, Sohn von Klaus, den Part des Stars ausfüllt. Von einer "Vernetzungsplattform" und "Werkschau" des südwestdeutschen Films spricht der Minister - und er erklärt: "Das Land hält trotz schwieriger Haushaltssituation an der Förderung von Festivals wie der Filmschau fest."

Das gibt Applaus von den einheimischen Filmschaffenden, von denen einer den Reigen eröffnen darf: Michael Dreher, aufgewachsen in Ostfildern, zeigt seinen brandneuen Spielfilm "Die zwei Leben des Daniel Shore". Gedreht zur Hälfte in Marokko und zur Hälfte in der Region Stuttgart, spielt Kinski darin einen jungen Mann im Zwiespalt: In Nordafrika traumatisiert durch den Tod eines Kindes, für den er sich mitverantwortlich fühlt, entwickelt er später in der Wohnung seiner verstorbenen Oma in Stuttgart paranoide Züge - das Treiben einer seltsam anmutenden Hausgemeinschaft setzt ihm zu, und er findet keine rechte Anbindung ans Leben.

Souverän bewegt sich der anmutige Schauspieler als Daniel Shore durchs verruchte Tanger, wo manches Mädchen sich aus Not verkauft und darauf hofft, einer aus dem Westen möge sie herausholen aus dem Elend. Er kauft einer Hure einen Drink, und weil er sich nicht mehr leisten kann, bittet er sie, für ihn zu tanzen, und als seine Herzdame in polizeiliche Bedrängnis gerät, besticht er geistesgegenwärtig einen Polizisten. Doch er vertraut den falschen Leuten, ein Kind kommt zu Tode, er entzieht sich nach Deutschland - wo die Souveränität wie weggeblasen ist, Rückblenden aufblitzen und nicht viel mehr von ihm bleibt als die äußerliche Körperspannung einer leeren Hülle. Die Avancen einer neurotischen Sängerin (Katharina Schüttler) irritieren ihn, und mehrfach sucht er Ruhe unter den alten Platanen im Stuttgarter Schlossgarten, die bald einer der größten Baustelle der Welt weichen werden - eine schöne Reminiszenz.

Einen gespenstisch langen Hausflur und eine düstere Wohnung hat Dreher als Filmset in einer früheren Fabrik in Korb errichtet, ein gewisses Faible für Hitchcock und Kubrick ist da zu sehen - und ein dunkles, enges Deutschland in hartem Kontrast zum lichtdurchfluteten Sündenpfuhl Marokko.

Kinski, in Frankreich geboren und in den USA aufgewachsen, gestaltet das Ringen dieses zerrissenen jungen Mannes sehr fein - und stellenweise könnte man fast meinen, es reiche über die Filmfigur hinaus. Im Frühjahr wird er wieder nach Stuttgart kommen und Gedichte von Hesse vortragen - diesmal hat er einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie sich eine Filmschau mit Star anfühlt.

Lesen Sie jetzt