Die Stuttgarter Baufirma Züblin feiert 125 Jahre teils turbulenter Geschichte. Beim Projekt Stuttgart 21 beispielsweise stieß man an Grenzen.
Das Bauunternehmen Züblin hat wohl eine Schwäche für kühn geschwungene, technisch schwierige Bauwerke. Am Stammsitz Stuttgart stehen dafür das Mercedes-Benz Museum und die so genannten Kelchstützen für den Bahnhof von Stuttgart 21. In Rottweil ist es die spiralförmig gewundene Fassade eines 246 Meter hohen Testturms für Aufzüge. Schon Gründer Eduard Züblin experimentierte Ende des 19. Jahrhunderts mit dem damals hochmodernen Betonbau. „In Stuttgart gibt es eine große Ingenieurskultur. Und wir sind eine Firma, die auf technische Kompetenz setzt, “ sagt Vorstandsmitglied Stephan Keinath.
Züblin ist auch wegen seiner Ausrichtung auf große öffentliche Bauvorhaben ein bekannter Name in der Region. Mit der niedrigen dreistelligen Nummer 110 im Handelsregister ist man eine der traditionsreichen Firmen in Stuttgart. An diesem Wochenende feiert das seit 2005 mit dem österreichischen Strabag-Konzern verbundene Unternehmen in der Zentrale in Stuttgart-Möhringen groß seinen 125. Geburtstag. „Hier am Standort sitzt sozusagen das konstruktive Gehirn des Unternehmens“, sagt Stephan von der Heyde, Mitglied des Unternehmensvorstands.
Urschwabe als Übervater
In der ersten Hälfte der Unternehmensgeschichte hat ein Urschwabe einen zentralen Platz. Ludwig Lenz, ursprünglich Regierungsbaumeister, prägte Züblin vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts. „Mit Mut, Tatkraft und einer gewissen Bauernschläue ergreift der Sohn einer Winzerfamilie auch in teils schwierigen Zeiten viele Chancen: technisch, unternehmerisch und als privater Investor“, heißt es in der Firmenchronik. Erst vor sieben Jahren hat die Familie Lenz, die sich lange dem Zusammengehen mit Strabag widersetzte, ihre letzten Anteile verkauft. Jüngst sorgte ein russischer Oligarch als Miteigentümer für Schlagzeilen.
Deutsch-französische Kooperation
Gegründet wurde Züblin allerdings 1898 im damals deutschen Straßburg. Trotz der Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich in Kooperation mit einer französischen Firma. 1919 zog man, als das Elsass wieder französisch wurde, nach Stuttgart um. Damals blieben die Mitarbeiter der Firma treu. Und eine solche Loyalität rettete das Bauunternehmen auch Jahrzehnte später in der tiefsten Krise seiner Geschichte nach dem Ende des Immobilienbooms im Gefolge der deutschen Wiedervereinigung. Ein Übernahmeversuch durch die selber strauchelnde Augsburger Firma Walter Bau sorgte für Turbulenzen. „Von den Mitarbeitern ist damals kaum einer gegangen“, sagt Vorstand von der Heyde, der damals schon im Unternehmen war.
Eine gewisse schwäbische Sparsamkeit habe die Grundlage geschaffen, dass man mithilfe des neuen Mehrheitseigners Strabag diese Krise überstand. „Wir sind ein Überlebender,“ sagt von der Heyde. Man habe gegen den Trend immer seine technischen Büros und Kompetenzen aufrecht erhalten. „Wir wollten weiter Bauten errichten, während andere Unternehmen zum Beispiel auf Immobilienbetrieb umgeschwenkt sind“, sagt Keinath. Andere Firmen wechselten ihre Firmierung – Züblin blieb seinem Namen treu.
Konzentration aufs Bauen
Technologisch ging man hingegen immer wieder Risiken ein – etwa bei Stuttgart 21, wo man bei der Auftragsvergabe 2012 die Schwierigkeiten und Verzögerungen wohl nicht ganz erahnte. „Die so genannten Kelchstützen im Bahnhof waren mit ihren freien Formen schon an der Grenze dessen, was man bauen konnte“, sagt Keinath. Dazu komme noch, dass die Bahnhofsbaustelle alle Schlagadern der Stadt berührt oder durchschnitten habe, von Versorgungsleitungen bis zu S-Bahn- und Stadtbahnlinien. Reich geworden sei man mit dem Bahnhof nicht. „Aus Sicht des Kaufmanns werden solche Projekte angesichts der Risiken nicht ausreichend vergütet“, sagt von der Heyde. Züblin müsse aber nicht immer so spektakulär bauen: „Wir errichten genauso gerne auch eine Fabrikhalle“, sagt Vorstandskollege Keinath.
Geschäft läuft noch gut
Bei Wirtschaftsbauten und bei Projekten der öffentlichen Hand läuft aktuell das Geschäft trotz der dramatischen Schlagzeilen aus dem Wohnungsbau noch gut. Mit einem Anteil des Wohnungsbaus von etwa einem Fünftel ist Züblin vom Absturz der Baukonjunktur in diesem Bereich weniger betroffen.
Eine der wichtigsten Baustellen im übertragenen Sinn ist wie in der bisherigen Firmengeschichte die technologische Entwicklung. „Angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels werden wir mehr Gebäudeteile vorproduzieren statt sie vor Ort herzustellen“, sagt Keinath. Züblin entwickelt mit einem Hersteller etwa zurzeit stärker automatisierte Baukräne. Auch zwei Roboterhunde namens Sam und Zoe spazieren schon auf Baustellen herum, um sie mittels Laserscanning und Fotos zu dokumentieren.
Wichtigster Standort Stuttgart
Zentrale
Auch wenn Züblin seit 2005 unter dem Dach des österreichischen Strabag-Konzerns firmiert, pflegt man seine schwäbischen Wurzeln. Mit 2000 Mitarbeitern ist Stuttgart weiter der größte Standort, der ungeachtet der Krisenmeldungen aus der Baubranche expandieren soll.
Neue Büros
Zurzeit bezieht man in Stuttgart-Möhringen neue Bürogebäude, in der am Ende dann 2200 Ingenieure und Planer Platz finden sollen.