So sah ein zeitgenössischer Maler das neue Wasserwerk in Münster. Foto:  

Vor 125 Jahren, am 22. Juni 1894, ist das neue Wasserwerk Zuffenhausen-Münster eingeweiht worden. Auch König Wilhelm II. war mit dabei.

Zuffenhausen - Der 22. Juni 1894 war ein wichtiges Datum für Zuffenhausen: Damals, fast auf den Tag genau vor 125 Jahren, ist ein neues Wasserwerk eingeweiht worden. Musste das unverzichtbare Nass bislang noch mühsam aus den örtlichen Brunnen geholt werden, so gab es von nun an in vielen Haushalten und Betrieben fließendes Wasser.

„Das war ein historisches Ereignis für Zuffenhausen und Münster“, sagt der Heimathistoriker Winfried Schweikart, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat. Dass es auch in Münster Grund zur Freude gab hängt schlichtweg damit zusammen, dass das Wasserwerk auf der Gemarkung der Zuffenhäuser Nachbargemeinde stand und beide Ortschaften versorgte. Ursprünglich war angedacht gewesen, dass sich die Zuffenhäuser zusammen mit den Feuerbachern um eine gemeinsame Wasserversorgung kümmern.

Allerdings konnte man sich nicht einigen, vor allem finanziell schienen die beiden Gemeinden auf keinen gemeinsamen Nenner zu kommen, wie es in zeitgenössischen Quellen heißt. Dort ist auch nachzulesen, dass Zuffenhausen durch die „neue fertiggestellte Anlage eine Schuldenlast von 230 000 Mark erwachsen“ sei.

Brunnen konnten Bedarf nicht mehr decken

Das ständig steigende Bevölkerungswachstum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte eine ausreichende Wasserversorgung notwendig. Knapp ein halbes Dutzend Brunnen gab es damals in Zuffenhausen, sie konnten den Bedarf nicht mehr decken. Schlimm sei die Versorgungslage gewesen, so schreibt die „Ludwigsburger Zeitung“, stundenlang hätten die Leute für einen Eimer Wasser an den Brunnen anstehen müssen. Am 25. Juli 1892 hatten dann die bürgerlichen Kollegien (Gemeinderat und Bürgerausschuss) den Bau einer Hochdruckleitung beschlossen. Ein Jahr später wurde mit Münster ein Wasserverband gegründet, um eine gemeinsame Anlage im Neckartal zu bauen.

Der königliche Baurat Hermann Ehmann schlug vor, für das Wasserwerk links des Neckars, unterhalb von Münster, Grundwasser zu erschließen. Der Bau des Werks und der Leitung zum Hochbehälter, dem Wasserhaus im Gewand Wanne (heute Goldbacher Weg, ehemaliger Wannenbuckel), gingen zügig voran. Die Druckleitung hatte einen Durchmesser von 25 Zentimetern, sie wurde von der Zuffenhäuser Firma Künzel gebaut. Einige Tage vor der Einweihung des Werks gab es einen Probelauf. Böllerschüsse verkündeten dessen Erfolg. Am 22. Juni 1894 war es dann so weit: Im Beisein von König Wilhelm II konnte das Werk mit einem „Wasserfest“ eingeweiht werden. „Mittags 2 ½ Uhr bewegte sich ein imposanter Festzug, an dem die Schuljugend und die dortigen Vereine sich beteiligten, durch die reich geschmückten Straßen des Orts zum Festplatz“, schreibt die Feuerbacher Zeitung vom 26. Juni 1894. Neben dem württembergischen König waren auch die Honoratioren beider Gemeinden beim Wasserfest in Münster mit dabei.

36 PS starke Dampfmaschine

Betrieben wurden die Wasserpumpen von einer 36 PS starken Dampfmaschine, damit konnten circa 15 Liter Wasser pro Sekunde nach Zuffenhausen gepumpt werden. Gespeist wurden damit 150 Hydranten und 620 Hausleitungen. Die Versorgungsleitung nach Zuffenhausen war mehr als zehn Kilometer lang.

1934 wurden die Dampfkolbenpumpen durch elektrisch betriebene Kreiselpumpen ersetzt. Während der alliierten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg ist das Wasserwerk stark beschädigt worden, wurde nach dem Krieg aber wieder instand gesetzt. 1958 schließlich wurde das Werk abgebrochen. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, am ehemaligen Standort im Bereich der Austraße befindet sich eine Grünanlage.

Zuffenhausen bekam im Laufe der 1950er Jahre sein Wasser von der Landeswasserversorgung, das ist in den östlichen Ortsteilen auch heute noch so. Die westlichen Teile werden mit Bodenseewasser versorgt.

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