Sommer ist in Stuttgart Flamenco-Zeit: Bereits zum zehnten Mal veranstaltet Catarina Mora ihr Festival. Foto: Stephan Glathe

Rund hundert Teilnehmer reisen zu den Workshops an. Doch zuvor bringt Catarina Mora mit ihrem Festival den Flamenco auf ganz unterschiedliche Bühnen.

Stuttgart - Nach dem Festival ist vor dem Festival: Kaum ist im Theaterhaus Colours über die Bühne, steht Catarina Moras Flamenco-Festival vor der Tür. Bereits zum zehnten Mal lädt die Stuttgarter Flamenco-Spezialistin internationale Künstler nach Stuttgart ein und bietet Profis sowie Amateuren in einer Workshop-Woche im Produktionszentrum Gelegenheit, ihre Technik zu verfeinern. Bereits an diesem Freitag fällt der Startschuss zum Festival, früher als sonst, da die Gala zum Auftakt in diesem Jahr im Züblin-Haus stattfindet. Sommerlicher, weniger theatral hat sich die Festival-Chefin den Rahmen für das spontane Aufeinandertreffen von Tanz und Musik gewünscht – und trifft damit den Nerv des Publikums: Der Abend ist ausverkauft.

Auf der Bühne im Theaterhaus kommt das Festival am 26. und 27. Juli an, wenn Catarina Mora ein Stück aus dem Jahr 2003 wieder aufnimmt. „Machismo“ lautet sein Titel; der verrät, dass es nach wie vor in die Zeit passt. „Es ist eine aufwendige Produktion mit Tänzern, klassischem Gesang, vielen Musikern und großem Bühnenbild; auch dafür, dass sie an Aktualität nichts verloren hat, wurde sie viel zu wenig gespielt“, sagt die Stuttgarter Choreografin. Vor allem an den Rollen der beiden Frauen hat sie gearbeitet, damit diese „zeitgemäßer reagieren“. „Sie sollen das Tun der neun Männer nicht nur kommentieren, sondern starke Eindrücke hinterlassen“, wünscht sich Mora. Damit das genauso passiert, hat sie exzellente Tänzerinnen ins Boot geholt. „Sie haben eine besondere weibliche Bewegungssprache, die Verführung zu einem Steinchen macht, das dem Mann im Weg ist.“

100 Teilnehmer bei den Workshops

Sehr beliebt beim Publikum sei auch der dem Nachwuchs gewidmete Flamenquitas-Abend, sagt Catarina Mora. „Da kommen nicht nur die Familien der jungen Tänzer, sondern viele Zuschauer, die schätzen, dass das Programm sehr abwechslungsreich ist.“ Mit auf der Bühne sind Schüler aus Mumbai, die bereits 2018 dank Stipendien dabei waren, sowie die vier aktuellen Festival-Stipendiaten aus Brünn. Zum 30. Geburtstag ihrer Städtepartnerschaft haben sowohl Stuttgart als auch Brünn die Kosten für Fahrt und Unterkunft übernommen.

Auf eigene Kosten reisen die rund 100 Teilnehmer des einwöchigen Workshop-Programms an, das vom 29. Juli bis zum 3. August jeden Tag zehn Stunden lang Kurse bietet. Aus ganz Deutschland kämen die Flamenco-Freunde, sagt Catarina Mora. „Das zeigt mir, dass ich die richtigen Lehrer einlade.“ Und dass die Atmosphäre im Produktionszentrum stimmt, wo die Gäste kochen und draußen sitzen können. „Viele sind gut vernetzt und kommen immer wieder, weil sie hier Bekannte treffen.“

Zum Zehn-Jahr-Jubiläum ihres nur über die interkulturelle Schiene geförderten Festivals wünscht sich Catarina Mora eine besser Unterstützung durch die Stadt. „Die aktuelle Finanzierung erlaubt mir das nicht, aber ich würde sehr gerne mal eine Gastkompanie einladen. Ich pflege Kontakte zu so vielen interessanten Künstlern.“

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