Der 1. FC Heidenheim hat sein erstes Spiel in der Fußball-Bundesliga. Trotz der Niederlage beim VfL Wolfsburg sieht der Trainer positive Ansätze – nach der Partie hat Frank Schmidt bei einem TV-Auftritt überzeugt. Mit klaren Meinungen.
In die Fußball-Bundesliga, so viel ist sicher, schafft es nicht jeder. Als Gast ins „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF auch nicht. Frank Schmidt kann seit Samstagabend hinter beides einen grünen Haken setzen. Auch wenn die Auftritte jeweils unterschiedlich ausgegangen sind – gemessen an den Zählern, die es jeweils dafür gab.
Am Abend jedenfalls sammelte Schmidt, der Trainer des 1. FC Heidenheim, reichlich Pluspunkte bei seinem TV-Auftritt. Vor allem gegen dessen Ende, als Jochen Breyer zur „Schnellfragerunde“ bat. Der Moderator begann seine erste Frage nach einem möglichen Abschied des Coaches aus Heidenheim: „Würde aus Saudi-Arabien ein Angebot über 100 Millionen Euro Gehalt . . .“ Zu Ende stellen konnte er sie nicht, da kam schon Schmidts bestimmte Antwort: „Nein!“
Für kein Geld der Welt also, „nicht mal für eine Milliarde“, würde der 49-Jährige derzeit den Verein seiner Heimat verlassen, um in die Saudi Pro League zu wechseln, die derzeit so viele Stars aus Europa lockt. Weil er ja ein „wertebasierter Mensch“ sei, weil er seit seinem Einstieg als Trainer im Jahr 2007 „immer die volle Unterstützung gehabt“ habe. Und weil ihm auch die Familie samt der drei Chihuahuas besonders wichtig sei. Vermutlich aber wohl auch, weil gerade erst begonnen hat, worauf er sich all die Jahre so sehr gefreut hat: mit dem 1. FC Heidenheim in der Fußball-Bundesliga zu spielen.
Acht Jahre in Liga zwei
Am Samstagnachmittag war nach zuvor acht Jahren in der zweiten Liga tatsächlich diese Premiere über die Bühne gegangen. Mit einem Ergebnis ohne Punktgewinn, das nicht wirklich überraschend kam, schließlich ging es gegen den VfL Wolfsburg, der das klare Ziel verfolgt, in dieser Saison unter den besten sechs zu landen. 0:2 hieß es am Ende, doch beim Aufsteiger betonte mal schnell, dass künftig nicht nur das Erlebnis Bundesliga das Erstrebenswerte sei.
„Es war unglaublich, wenn man überlegt, wo wir herkommen“, sagte zwar Frank Schmidt. Und auch Patrick Mainka erklärte: „Es war ein besonderes Spiel für uns.“ Doch der Abwehrspieler schob schnell nach: „Es hat natürlich auch den Makel, dass wir es verloren haben.“
Mit der Rolle als Gast, der lediglich mit großen Augen ein Jahr lang lang durch die Bundesliga flaniert, will sich der 1. FC Heidenheim nicht zufrieden geben. Auch nicht nach dem Dämpfer zum Auftakt. Obwohl mit weiteren Niederlagen zu rechnen ist im Laufe der Saison, „dürfen und werden wir uns nicht daran gewöhnen“, forderte Frank Schmidt. Der gerade in dieser Hinsicht der Partie in Niedersachsen auch etwas positives abgewinnen konnte.
Zwar wurden in der ersten Hälfte zwei Heidenheimer Aufmerksamkeitsdefizite vom Wolfsburger Stürmer Jonas Wind eiskalt ausgenutzt, der Däne schnürte den Doppelpack. Danach, erklärte Schmidt, sei seine Mannschaft aber beileibe „nicht auseinandergefallen, sondern besser geworden“. Sogar der Anschlusstreffer war in Reichweite. Aber „die Effizienz vom letzten Jahr haben wir noch nicht wieder“, klagte der Coach. Der dennoch nicht die Herangehensweise grundsätzlich überdenken will. Nach einem Spiel, meinte er, ergebe das „keinen Sinn“.
Der FCH will schnell lernen
Was aber klar ist: Um auch in der Bundesliga zu bestehen, muss sich der FCH schnell anpassen an das höhere Tempo, den größeren Druck in allen Aktionen und die höhere Qualität der Gegner. „Wir müssen noch lernen“, sagte Kapitän Mainka, „wir müssen aber schnell lernen. Wir haben nicht die Zeit um zu sagen: Wir gucken uns erst mal die ersten fünf, sechs Wochen an.“ Schon am kommenden Samstag (15.30 Uhr) kommt die TSG Hoffenheim in die Voith-Arena auf dem Heidenheimer Schlossberg. Und es wird wieder historisch und besonders.
Nicht weniger als das erste Bundesliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte steht an. Pluspunkte will dann aber nicht nur der Trainer beim folgenden TV-Auftritt sammeln.