Die Tour von 01099 startet in der Stuttgarter Porsche-Arena. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die Dresdner Rapcrew 01099 startete ihre diesjährige Tour in Stuttgart. Bei dem Konzert in der Porsche-Arena traf ein junges Publikum auf motivierte Musiker und einen Überraschungsgast.

Was haben die Bands U2, Red Hot Chili Peppers, Von Wegen Lisbeth, Annen May Kantereit und 01099 gemeinsam? Genau, sie starteten als Schulbands. Die drei Jungs von 01099 (gesprochen „Null-zehn-neunundneunzig“) mögen sich wohl von allen am besten an die Zeit von Pausenbrot und Matheklausur zurückerinnern, schließlich ist sie nicht sehr lange her.

 

Dies wird an diesem Abend auch in der Stuttgarter Porsche-Arena deutlich. Beim Tourauftakt der Dresdner Band ist das Publikum jung. Anfang zwanzig, so wie die Musiker Gustav, Paul und Zachi selbst. Als die ersten Beats von „Tempo“ erklingen und die Drei auf die Bühne springen, um „Stuggi abzureißen“ – wie sie es zuvor auf der Social Media-Plattform Instagram angekündigt haben – springen die jungen Stuttgarterinnen und Stuttgarter mit Bauchtaschen, Baggy-Jeans und Adidas-Sambas im Takt mit – „Adidas Samba, Rambazamba auf einem Dach drauf“ so heißt es auch im Song. Die Musik von 01099 steht für die Generation Z, also ist die Generation Z da.

Ende letzten Jahres hat die Gruppe, deren Name Dresdens Postleitzahl ist, ihr neues Album „Blaue Stunden“ herausgebracht. Der Titel spielt auf die kurze Phase zwischen Tag und Nacht an, wenn der Himmel noch nicht ganz dunkel oder noch nicht ganz hell ist und die Blautöne dominieren. In den Stücken geht es genau um diese Stunden, um lange Partynächte mit der Crew, betrunkene SMS und Liebeskummer.

Handylichter und ein Überraschungsgast

Da sind ruhige Momente. Ein wenig Melancholie kommt zum Beispiel in dem Song „Eigentlich“ zum Vorschein, den die Gruppe gemeinsam mit der Sängerin Lea aufgenommen hat. Lea ist an diesem Abend in Stuttgart nicht da, dafür sind es unzählige Handylichter, die vom Publikum geschwenkt werden. Das Kontrastprogramm zu den wenigen stillen Stücken liefert nicht zuletzt der Überraschungsgast des Abends.

Etwa zur Hälfte des Konzerts betritt Ski Aggu die Bühne. Der 26-Jährige, dessen Markenzeichen das Tragen einer Skibrille ist, performt zusammen mit 01099 den Song „Anders“ und legt direkt noch ein Solo-Stück nach. Die rund 5500 Zuhörerinnen und Zuhörer sind kaum zu halten. Während Ski Aggu auf einen harten, treibenden Beat setzt, stehen 01099 eher für die entspannten Vibes, etwas poppig, etwas elektronisch. Anders als im klassischen Deutschrap verzichten die Jungs auf frauenfeindliche oder vulgäre Ausdrücke in ihren Songtexten. Dass der Berliner ihnen – zumindest kurzzeitig – die Show stiehlt, scheint die Dresdner nicht zu stören. Schließlich sind alle eine „Family“.