Noch staubt es kräftig bei der Labag in der Anlieferhalle. Doch damit soll bald Schluss sein. Foto: KS-Images.de

Der Silomeister Rico Ballack begleitet bei der Genossenschaft Labag in Marbach den Umbau der Anlieferstelle. Dort wird zurzeit eine hochmoderne Reinigungsanlage installiert.

Marbach - Dumpf kracht es, eine dichte Staubwolke quillt aus den Schlitzen eines Stahlkolosses hervor. Rico Ballack verfolgt das Schauspiel, das sich ihm täglich in der Anlieferhalle seines Arbeitgebers, der Landwirtschaftlichen Absatzgenossenschaft Labag in Marbach, bietet. Der Stahlkoloss ist eine Filteranlage, die Getreide und andere Massengüter von Schmutz befreit. Doch die Tage der Maschine sind gezählt.

Für Rico Ballack ist das dumpfe Krachen bisher Routine. „Wir nehmen täglich durchschnittlich 50 Tonnen Pellets an, die hier für die BayWa umgeladen werden“, erzählt er. Die Staubwolke muss zwischendurch sein. Zwar nehme die Filteranlage viel Schmutz auf, doch muss sie zwischendurch vom vielen Staub befreit werden. Dann kracht es, der Staub rieselt durch einen Gitterrost nach unten. Rico Ballack zieht es vor, das Schauspiel entfernt am offenen Garagentor zu verfolgen. Dann kehrt er mit einem Schneeschieber den liegengebliebenen Staub in den Rost.

Der Staub wird bald in einem geschlossenen System aufgefangen

Staub ist das große Thema des Umbaus, der zurzeit am 41 Meter hohen Gebäude an der Rielingshäuser Straße stattfindet. Denn nicht nur die Pellets für Heizanlagen, auch das angelieferte Getreide für die beiden Labag-Silos und Saatgut verursachen Staub. Die Immissionen stören nicht nur Rico Ballack, sondern auch Nachbarn. „Die Luft wird insgesamt verschmutzt.“ Deshalb entschloss sich die Labag-Geschäftsführung, eine komplett neue Reinigungstechnik zu installieren. Damit soll dann der Staub in einem geschlossenen System aufgefangen und am Ende entsorgt werden. Die Labag investiert in die Reinigungsanlage 350 000 Euro. Der Bau der Anlieferhalle im Jahr 2013 kostete bereits 700 000 Euro. Vor zweit Jahren errichtete die Genossenschaft noch eine Lagerhalle nebenan für 700 000 Euro.

Der Silomeister schläft während der Ernte nur vier Stunden im Gebäude

Als Silomeister überwacht Rico Ballack den Einbau der Technik, die auch ihm einen gesünderen Arbeitsplatz beschert. Besonders in der Erntesaison, die im Juli beginnt, ist er stark beansprucht und verbringt viel Zeit in dem Gebäude. „Ich bin dann praktisch rund um die Uhr hier – ich schlafe nachts höchstens vier Stunden meistens in meiner kleinen Dienstunterkunft.“ Der 39-jährige Familienvater ist seit 14 Jahren auf dem Posten, wenn die Traktoren mit Braugerste, Qualitätsweizen, Dinkel, Sojabohnen, Raps oder Körnermais anrollen. „Früher gab es lange Schlangen, aber seit dem Bau der beiden neuen Hallen geht es Schlag auf Schlag“, erzählt Ballack. Einziges Problem seit der zügigeren Anlieferung: Die Filteranlagen kamen nicht mehr nach. Dicke Staubschichten lagerten sich überall im Gebäude ab. Ballack ist froh, wenn es während der Erntesaison mal regnet und er eine kleine Verschnaufpause einlegen kann. „Dann finde ich auch mehr Zeit, das Getreide über die neue Reinigungsanlage lagerfähig zu machen.“

Eine große Absauganlage wird noch über das Dach angeliefert

Die neue Anlage für den Pelletsumschlag steht schon in einer der Hallen. „Eine Maschine saugt ständig Luft an und sammelt den Staub in einem Beutel, der dann intervallartig ausgeschüttet wird“, erklärt Rico Ballack. Ende Mai werde die große Absauganlage für das gesamte Gebäude mit einem Kran über das Dach angeliefert. Dann werde das Gebäude staubfrei, aber auch das Getreide wird gründlicher gereinigt. Schaffte die alte Reinigungsanlage nur 20 Tonnen pro Stunde, kommt die neue mit zwei Kammern mit je 60 Tonnen auf ein Vielfaches. Getreide darf laut Labag nur zwei Prozent Staub- oder Unkrautbesatz haben, wenn man sie an eine Mühle angeliefert.

Ein Sieb beseitigt Stroh, Staub und andere Reste

Wir stehen im obersten Geschoss. Hier ist schon der neue Ausputzbehälter für den Schmutz des angelieferten Getreides montiert. In ihm ist ein Siebbehälter erkennbar. Ballack bewegt ihn kräftig mit den Händen. „Damit werden Stroh, Staub und alle möglichen sonstigen Reste aus dem Getreide gesiebt.“ Aufpassen muss Ballack auf die Qualität des angelieferten Korns. „Ich konnte einmal im letzten Moment verhindern, dass Getreide mit der Pilzkrankheit Steinbrand angenommen wurde.“ Ein Kollege hatte den typischen starken Fischgeruch nicht bemerkt. Ballack stoppte sofort alle Maschinen und ließ das Getreide in die Biogasanlage abtransportieren. „Wenn die sechs Tonnen in unseren Silo gekommen wären, hätten wir die bereits eingelagerten 100 Tonnen dort vergessen können.“

Die Modernisierung schützt vor Staubexplosionen

Die Investition der Labag hat für Rico Ballack eine Menge Vorteile: „Meine Arbeit wird dadurch auch sicherer“, erzählt er, denn Staub-Luft-Gemische können nach Funkenschlag explodieren. Als Feuerwehrmann war Ballack schon bei mehreren Mühlenbränden im Einsatz. „Toi, toi, toi“, sagt der Silomeister, der trotz veralteter Elektrik in dem Gebäude bisher vor solchen Katastrophen verschont blieb. Ballack klopft auf Holz: „Zum Glück wird auch die Elektrik komplett erneuert.“