Rote Bete, Kurkuma und Heidelbeeren, dazu Petersilie, Glücksklee und ausgediente Nylonstrümpfe – auch so kann man Eier färben.Haben die Eier schon die Farbe der geriebenen Kurkumawurzel (rechts) Foto: Werner Kuhnle

Bunte Eier gehören zu Ostern einfach dazu. Aber wie färbt man sie am besten?

Marbach - Jetzt vor Ostern gibt es überall Tipps, wie man Eier möglichst umweltfreundlich färben kann. Als natürliche Farbstoffe werden unter anderem empfohlen: Kurkuma für ein schönes Gelb, Heidelbeeren oder Rotkohl für ein Blauviolett, Rote Bete für Rot oder Spinat für ein zartes Grün. Aber geht das wirklich so einfach? Ein Selbstversuch.

Zunächst mal die Zutaten. Kurkuma habe ich sowieso im Haus, allerdings in Pulverform. Und das, habe ich schon letztes Jahr zu Ostern ausprobiert, schwimmt gerne oben. Also muss eine Kurkumawurzel her. Zum Glück lese ich vorher nach, dass man zum Schälen unbedingt Handschuhe anziehen sollte. Sonst hätte ich jetzt gelbe Finger wie ein Kettenraucher. Heidelbeeren wandern ebenfalls in den Korb. Rote Bete und Spinat einzukaufen kostet mich Überwindung, weil das die beiden einzigen Gemüsesorten sind, die ich wirklich nicht mag. Ich entscheide mich daher nur für die Rote Bete – vorgekocht.

Die Kurkumawurzel schabe ich wie eine Karotte ab und reibe sie auf meiner Glasreibe. Geht fix, und als ich sie ins Wasser gebe, färbt sich dieses schon orangerot. Sicherheitshalber koche ich das Ganze trotzdem wie angegeben 30 Minuten lang. Gekocht werden auch die Heidelbeeren, aber auch die schon gekochte Rote Bete, weil nicht so viel Flüssigkeit im Glas ist. Deshalb gieße ich Wasser nach.

In der Zwischenzeit werden die farbigen Stempel, die Mindesthaltbarkeitsdatum, Art der Haltung und Betrieb anzeigen, von den Eiern entfernt. Das geht mit einem Papiertuch und Essig. Schneller geht es, wenn man etwas Essigessenz verdünnt. Drei Eier bekommen jetzt schon eine Verzierung. Glatte Petersilie und ein vierblättriges Kleeblatt – noch übrig vom Glücksbringer zu Silvester – werden möglichst glatt auf je ein Ei gelegt, dann kommt ein ausgedienter Nylonstrumpf drüber, wird fest angezogen und verknotet, damit nichts verrutschen kann. Ging leichter als gedacht.

Nun sind die Farbsude fertig. Ich gieße sie durch ein Sieb ab und gebe die reine Flüssigkeit zurück in die Töpfe. Je ein Esslöffel Essig dazu, das soll die Farbbrillanz erhöhen. Und jetzt wird’s spannend. Man soll die rohen Eier zehn Minuten lang darin kochen, heißt es. Die Flüssigkeit ist außer beim Kurkuma ein bisschen zu wenig, deshalb nehme ich den Löffel zu Hilfe, um die Eier immer mal wieder zu drehen, damit überall Farbe hinkommt.

Ein erster Blick nach drei Minuten enttäuscht: Die Eier sehen immer noch ziemlich weiß aus. Vielleicht sollte ich doch noch etwas Kurkumapulver zugeben? Und im Küchenschrank stehen ja auch noch eingemachte Waldheidelbeeren. Ein Schuss vom Saft zum Sud aus Gartenheidelbeeren, schon sieht das Ganze dunkler aus. Aber fest steht: Färben mit Naturfarben ist nichts für Ungeduldige. Denn es dauert tatsächlich die angegebenen zehn Minuten, bis die Eier nicht nur hart sind, sondern auch deutlich Farbe angenommen haben. Kurkuma hat ein schönes warmes Gelb ergeben, die Heidelbeeren ein zartes Violett – aber Rote Bete enttäuscht auf ganzer Linie. Die weißen Eier sehen jetzt eher aus wie naturbraune. Vielleicht habe ich den Saft doch zu sehr verdünnt. Schön ist, dass die Petersilie beim Rote-Bete-Ei auch nach dem Entfernen des Strumpfes kleben bleibt, das versöhnt mich ein wenig.

Am Ende noch ein Experiment: Ich gieße alle Farben in einen Topf und koche das letzte Ei, das ich im Ei(fer) des Gefechts übersehen habe. Und Überraschung: Es bekommt ein hübsches Grau, von dem sich das Petersilienmuster filigran abhebt.

Fazit: Es ist relativ aufwendig, mit Naturfarben Eier zu färben. Und die Farbe wird auch nicht so intensiv wie die aus der Chemieküche. Aber dafür kann ich das Ei, das versehentlich auf den Topfboden geknallt ist und einen Sprung bekommen hat, trotzdem bedenkenlos essen. Ist ja nur Heidelbeere, Kurkuma und Rote Bete. Und den Rest der Roten Bete bekommt mein Hund. Er mag sie.

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