Für Marcus Kohler war der Abend irgendwie "surreal"! Foto: Karsten Schmalz

Für den Gewinner der Wahl, Marcus Kohler, ist ein Traum wahr geworden. Der Verlierer bleibt gelassen.

Erdmannhausen - Wie er den Wahlabend und die Momente erlebt hat, nachdem klar war, dass er es geschafft hat und seinen Traum verwirklichen kann? Bürgermeister in Erdmannhausen sein. Marcus Kohler muss nicht lange überlegen. „Surreal“ sei es gewesen, sagt der Wahlsieger am Montagmittag. Als Sportler renne man nach dem Gewinn einer Meisterschaft jubelnd über den Platz und liege sich in den Armen, erzählt der Fußballer. Beides war am Sonntagabend im Rathausfoyer nicht möglich. Die Glückwünsche nahm er in gebührendem Abstand entgegen. Auch von seiner Tante und seinem Onkel, die früher einmal in Erdmannhausen gelebt haben, und den Neffen im Rathaus überraschten – ebenso wie Kohlers Schwester.

Daheim angekommen, wo Sohn Finn schon sehnlichst auf die Eltern wartete, feierten Nicole und Marcus Kohler dann mit ein paar befreundeten Familien – per Videoschaltung. „Es war eine kurze Nacht“, sagt der 47-Jährige. 140 Whatsapp-Nachrichten überschwemmten das digitale Postfach des Smartphones. Und am Montagmorgen ging es wie gewohnt an die Arbeit. Die Mitarbeiter haben sich mit ihrem Chef gefreut. „Sie wissen, dass ein Traum von mir wahr geworden ist.“ Am 1. Juni tritt Marcus Kohler sein Amt an. Bis dahin muss die Nachfolgeregelung im Unternehmen organisiert sein. Wobei, fügt er an, schon alles für den Fall der Fälle in die Wege geleitet ist. Dass er das Rennen machen würde, daran hatte Kohler am Sonntagabend zwischenzeitlich nicht wirklich geglaubt. „Meine Frau fuhr nach Erdmannhausen und ich sah als Beifahrer im Wahlticker der Marbacher Zeitung, dass ich in den beiden Wahlbezirken im Rathaus hinten liege“, sagt Kohler. „Da hab’ ich zu meiner Frau gesagt: Das wird nichts.“ Am Ende reichte es doch. „Mit einer dünnen Mehrheit“, wie Kohler es formuliert.

Was den Ausschlag für den Sieg gegeben hat? Eine schwierige Frage, findet der 47-Jährige. Robin Reindl und er hätten einen offenen und fairen Wahlkampf geführt. „Ich hatte den Eindruck, dass die Erdmannhäuser zwischen zwei Kandidaten wählen konnten, die – wenn ich das so sagen darf – beide sympathisch rüber kamen.“ Er habe nach dem ersten Wahlgang, bei dem er mit 13 Stimmen hinter seinem Mitbewerber gelegen hatte, einen durchaus aktiven Wahlkampf geführt habe – im Rahmen des in Corona-Zeiten Machbaren. Und zwar in den sozialen Medien, aber auch durch das Verteilen eines Bürgerbriefes. Und vielleicht habe ja auch die Lebenserfahrung und die Führungserfahrung eine Rolle gespielt.

Für die erste Zeit im Amt hat sich Marcus Kohler vorgenommen, die Mitarbeiter kennenzulernen und sich möglichst rasch und gut in die Verwaltungsprozesse einzuarbeiten. „Mir ist es aber auch wichtig, relativ früh die Zeichen der Corona-Krise zu erkennen, bei der Haushalts- und Finanzplanung genau hinzuschauen und die Weichen für die Kommune richtig zu stellen.“ Außerdem will der Ludwigsburger im Herbst zusammen mit Gemeinderat und Bürgern ein Zukunftsforum in Form eines Workshops machen. „Da geht es zunächst einmal darum, die politischen Handlungsfelder zu definieren, Prioritäten zu setzen und Ziele in diesen Feldern festzulegen.“ Und natürlich soll mittelfristig auch eine Bleibe in Erdmannhausen gefunden werden.

Und der Verlierer? Wie ging es dem nach der Wahl? Robin Reindl ist gelassen. Natürlich sei er traurig und enttäuscht, sagt der 27-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber ich habe unglaublich viel gelernt und unglaublich viele tolle Bekanntschaften gemacht.“ Am Sonntagabend habe er mit seiner Lebensgefährtin und einem Freund auf die gemachte Erfahrung angestoßen. Er habe das Bestmögliche aus den durch Corona eingeschränkten Möglichkeiten gemacht. Marcus Kohler sei ein sehr starker Mitbewerber gewesen, dem er viel Glück wünsche. „Es war kein leichter Wahlkampf.“ Ob er noch einmal in einer Kommune antreten werde, könne er jetzt nicht nicht sagen: „Das wird man sehen.“

Erleichtert, dass alles vorbei ist, zeigt sich Bürgermeisterin Birgit Hannemann. „Jetzt ist die Nachfolge geregelt und ich kann so langsam abschließen“, sagt die Rathauschefin. Am 31. Mai endet ihre Amtszeit. Der letzte Arbeitstag wird jedoch der 15. Mai sein. „Dann habe ich noch Urlaub.“ Am 1. Juni startet die Erdmannhäuserin als Geschäftsführerin des Fachverbands Zukunft Familie.

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