Annegret Weigl freut sich, dass so viele Osterbasteleien für die Senioren im Pflegeheim abgegeben werden. Foto: Werner Kuhnle

Pfarrerin lädt Erdmannhäuser Kinder ein, kleine Osterpräsente für die alten Menschen zu basteln und zu malen. Der Sammelkorb vor dem Pfarramt wird täglich bestückt.

Erdmannhausen - Die Erdmannhäuser Pfarrerin Annegret Weigl ist auch in den Tagen der Corona-Krise in Kontakt mit dem hiesigen Pflegeheim. Sie telefoniert immer wieder mit Sylvia Glaser vom Sozialdienst und auch mit einzelnen Bewohnern. „Vielen fehlt der soziale Kontakt“, berichtet die Pfarrerin. Auch die kleinen Gänge wie etwa auf den Friedhof oder zur Kirche, auf die die älteren Menschen wegen der Gefahr der Corona-Ansteckung verzichten, werden sehr vermisst, weiß die Pfarrerin. Und auch der geplante Gottesdienst kann im Kleeblatt-Heim dieser Tage nicht abgehalten werden.

Gleichzeitig, so die Pfarrerin, wird in vielen Erdmannhäuser Wohnzimmern Osterschmuck „produziert“ – besonders Kindergartenkinder sind in dieser Zeit, in der sie ihre Einrichtungen nicht besuchen können, fleißig beim Basteln. Im Hause Weigl ist das nicht anders. „Mittlerweile sind alle unsere Fenster österlich geschmückt“, berichtet Annegret Weigl. Und irgendwann habe sie ihrer Tochter dann vorgeschlagen, etwas von der Osterbastelei einer Dame im Kleeblatt-Heim in den Briefkasten zu werfen. Das Mädchen war einverstanden.

Über diese Idee und nach einem Telefonat mit Sylvia Glaser vom Kleeblatt-Heim entstand dann die Idee, das Projekt auszuweiten und alle Kleeblatt-Bewohner mit liebevoll gestalteten Osterbasteleien zu versorgen – zur Aufheiterung in einer schweren Zeit. Aus hygienischer Sicht spreche nichts dagegen, heißt es. Annegret Weigl hielt Rücksprache mit einer Mutter, die die Idee gut fand. Anfänglich, so die Pfarrerin, wurde der Aufruf auf Whatsapp kommuniziert, dann über Facebook, und mittlerweile weiß der ganze Ort Bescheid. Das kann Annegret Weigl unschwer erkennen, wenn sie den Osterkorb, der toujours vor dem Pfarramt bereit steht, leert. Und das tut sie täglich mindestens ein Mal. „Es sind schon sehr viele schöne Sachen angekommen“, berichtet sie: gemalte Bilder, gebastelte Osterhasen, ausgeschnittene Kleinigkeiten aus Papier, kunstvoll umwickelte Ostereier in DinA4-Größe und vieles mehr. Alle Basteleien sind mit dem Namen und Alter des Kindes versehen. Und mittlerweile haben sich auch Mütter von Schulkindern gemeldet, die etwas beisteuern wollen. „Natürlich dürfen alle sich beteiligen“, sagt die Pfarrerin. Dann wird es voraussichtlich für alle Kleeblatt-Bewohner reichen.

Sylvia Glaser, Mitarbeiterin beim Sozialdienst des Kleeblatts, ist begeistert von der Aktion. Geplant ist, dass die 22 Bewohner des Heimes und die Menschen im betreuten Wohnen an den Osterfeiertagen mit den Geschenken versorgt werden. „Die werden sich riesig freuen“, sagt die Betreuerin. Denn für viele der Bewohner sei die Situation in der Krise ohne persönliche Kontakte zu Angehörigen oder Freunden außerhalb des Heims sehr traurig: Lediglich skypen dient als Ersatz oder ein Telefonat mit Besuch, der hinter einer Glasscheibe steht. Mit den Herzensgaben der Kinder kann dann vielleicht doch noch eine schöne Osterstimmung entstehen.

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