Aufbruch zum Flughafen von unserer Unterkunft, einer Farm mit unseren Betreuern. Foto:  

Benedikt Muth hat ein freiwilliges soziales Jahr in Südafrika abgeleistet. Nun ist er wieder in Deutschland. Doch die Rückreise war strapaziös und problematisch, sie fiel mitten in die Zeit der Corona-Krise.

Beilstein - Seit Januar war Spontanität und Geduld bei meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Südafrika gefragt. Nachdem ich mit meinem ersten Projekt in Taaiboschgroet, das ich im August 2019 begonnen hatte, unzufrieden war, konnte ich im Januar 2020 für eine Woche ein Praktikum in einer anderen Schule machen. Die Dzivhani-Grundschule in Thohoyandou im Limpopo Distrikt hat nur gut 300 Schüler und wird von Herrn Makhado geleitet. Er war der Initiator des Eco-School Projekts in Taaibos und hat vor zwei Jahren als Rektor an die Dzivhani-Grundschule gewechselt. Dort baut er zum jetzigen Zeitpunkt ein vergleichbares Umweltprojekt auf. Während meines Praktikums habe ich dort mehr mit den Schülern zusammenarbeiten können als je zuvor in Taaibos.

Auf dem Zwischenseminar habe ich die Möglichkeit gehabt, die Vor- und Nachteile eines Projektwechsels mit meinem Mentor Arno und den Mitarbeitern vom Deutsch-Südafrikanischem Jugendwerk zu besprechen. Die Stimmung in Taaibos war zu dem Zeitpunkt sehr angespannt, sodass ich mich dann endgültig für den Ortswechsel entschieden habe. Innerhalb von nur fünf Tagen organisierte ich den Umzug zu meinem 200 Kilometer entfernt liegenden neuen Einsatzort. Auf zwei billig zu mietenden Bakkies, Autos mit offenen Ladeflächen, ließ ich vom Kühlschrank bis zur Waschschüssel inklusive meiner persönlichen Habe alles mitnehmen. Das Mobiliar konnte ich vorübergehend in einem unbewohnten Haus einstellen. Ich selbst konnte bei Herrn Makhado einziehen. Zusammen von ihm und seiner Ehefrau wurde ich für die nächsten drei Wochen verwöhnt. Morgens musste ich jedoch zeitig aufstehen, da der Rektor selbst am frühen Morgen die Schule aufschließt und die anstehenden Arbeiten beginnt. Ich befreite auf dem Schulgelände mehrere kleinere Beete von Unkraut, sodass wir im Folgendem dann mit dem Pflanzen zusammen mit den Schülern beginnen konnten. Das Verhältnis zu der Familie Makhado war sehr herzlich, wir aßen, redeten und scherzten viel. Auch wurde ich oft zur Kirche oder traditionellen Festen eingeladen und mitgenommen.

Am 16. März änderte sich leider jedoch meine Situation aufgrund von Corona grundlegend. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entschied für alle weltweit eingesetzten Freiwillige eine sofortige Heimkehr nach Deutschland. Das Deutsch-Südafrikanische Jugendwerk reagierte sofort per E-Mail und organisierte einen Rückflug. Aus purer Angst, in Südafrika stecken zu bleiben, da ich der einzige Freiwillige meiner Organisation in Limpopo war und auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen war, die bald möglicherweise auch schlossen, begab ich mich am Donnerstag auf den langen Weg Richtung Skuinsdrift zu einer größeren Gruppe Mitfreiwilliger. Der für uns geplante Rückflug fand dann tatsächlich nicht mehr statt, da der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa in einer Rede am 18. März den „National Lockdown“ ankündigte. Auch in Südafrika wurden alle öffentlichen Einrichtungen inklusive der Schulen und Flughäfen geschlossen.

Mit 15 anderen Freiwilligen sind wir so auf der Farm von unserem Supervisor Arno gestrandet. Das Deutsch-Südafrikanische Jugendwerk organisierte währenddessen die Registrierung zur Rückholung durch die deutsche Regierung. Wir machten das Beste aus unserer Situation. Viel Zeit verbrachten wir zusammen mit Gesellschaftsspielen, beim Kochen und Essen und legten sogar einen Garten nahe der Farm an. Wenigstens das bittere Genießen dieser letzten Zeit für uns in Südafrika für eine doch unbestimmte Zeit stand für uns im Mittelpunkt.

Bis dann an einem letzten Märzabend eine E-Mail der Rückholhilfe eintraf. In schon vier Tagen am 4. April sollten wir aus Johannesburg fliegen: Uns Freiwilligen wurde ein 22-Sitzer organisiert, in dem wir 14 aufgrund der staatlichen Regelungen fahren durften. Mit diesem und einer Sondergenehmigung, damit wir überhaupt auf den Straßen sein durften, ging es los nach Pretoria zur deutschen Schule. Hier trafen sich alle Insassen dieses Fliegers, um gesammelt zurückkommen zu können. Begrüßt wurden wir durch den Botschafter, der alles in die Wege geleitet hatte. Von dort brachte uns eine polizeilich eskortierte Buskolonne zum eigentlich geschlossenen Flughafen in Johannesburg. Wir mussten durch zahlreiche Sicherungsabschnitte gehen, die vom Militär und der Polizei die ganze Zeit umstellt waren. Endlich gegen 23.30 Uhr hoben wir ab und kamen nach elf Stunden Flugzeit total übermüdet in Frankfurt an.

Nun, nachdem ich meine Geschichte zu Ende erzählt habe, bleibt mir nur noch eins zu sagen: Es war eine erstaunlich schöne, abwechslungsreiche und unfassbare Erfahrung, ein Abenteuer, welches nun immer wieder an mir vorbeiziehen wird. Mit Stolz kann ich sagen, dass es das jede Sekunde wert war. Bedanken möchte ich mich natürlich erstrangig bei meiner Organisation, dem Deutsch-Südafrikanischen Jugendwerk, eingeschlossen aller Vertreter dieser Gruppe, bei allen meinen Spendern, die mir das Jahr ermöglicht haben, und natürlich auch bei Ihnen, liebe Leser, die meine Geschichte verfolgt haben. Nur so können Sie alle vielleicht auch andere junge Erwachsene darauf aufmerksam machen, was die Welt für Sie bereithält. Vielen Dank!

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