Zazenhausen Bauskandal: Fall für Gemeinderat

Michael Isenberg, 20.11.2012 14:24 Uhr
Der Bauskandal in Zazen­hausen kommt in den Gemeinderat – sofern es die Stadträte verlangen – Geschädigte schreiben an OB Schuster und Kuhn.

Stuttgart - Der Bauskandal in Zazen­hausen kommt in den Gemeinderat – sofern es die Stadträte verlangen. Das hat Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) erklärt. „Falls es der Gemeinderat wünscht, werden wir dem Ausschuss für Umwelt und Technik zu dem Fall Auskunft geben“, sagte Hahn. Sollte man zu einer Lösung kommen wollen, die von Verwaltungspraxis im Baubereich abweicht, müsse darüber „zunächst die Politik entscheiden“, so Hahn.

Nachdem Kontrolleure des Baurechtsamts im Neubaugebiet Hohlgrabenäcker bei den Rohbauten von 25 Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften massive Verstöße gegen das Baurecht festgestellt haben, hatte die Stadt bereits am 25. September einen Baustopp über das Baufeld verfügt. Durch einen Bericht unserer Zeitung ist der Bauskandal im Stuttgarter Norden jetzt öffentlich geworden.

In einem gleichlautenden Schreiben an OB Wolfgang Schuster (CDU), den gewählten OB-Nachfolger Fritz Kuhn (Grüne) und an die Fraktionschefs aller Parteien im Gemeinderat hat ein Bürger am Montag die Notlage der 25 Hauseigentümer nochmals dargestellt. Nicht nur die Bauherren, auch das Baurechtsamt sei von der Stuttgarter Planungsfirma PP Bauconsulting betrogen worden, heißt es in dem Schreiben. Die Firma hatte die Häuser im Auftrag der privaten Bauherren geplant und dafür die Baugenehmigungen besorgen sollen. Dafür wurde das sogenannte Kenntnisgabeverfahren genutzt, das das reguläre Baugenehmigungsverfahren vereinfacht, dem Bauherren aber die volle Verantwortung überträgt, dass sein Gebäude am Ende unter anderem auch ­allen rechtlichen Vorgaben entspricht.

„Wir sind Opfer von kriminellen Machenschaften und durch die Schäden schon mehr als genug gestraft“

Wie sich im Herbst herausstellte, sind sechs Doppelhaushälften und ein Einzelhaus in Zazenhausen rund 0,50 Meter zu hoch gebaut worden. Für diese Überschreitungen könnten die Bauherren auch nachträglich eine Ausnahmegenehmigung beantragen, heißt es bei der Stadt. Anders verhält sich der Fall bei den zwölf Doppelhaushälften, deren zulässige Gebäudelänge um 0,80 Meter überschritten wurde. Diese 0,80 Meter müssten „zurückgebaut“ werden, fordert das Baurechtsamt. Weil dafür auch die Fundamente angepasst und teilweise Fußböden samt Fußbodenheizung aufgerissen werden müssen, drohen pro Haus Kosten von 10.000 Euro und mehr. Dazu kommen die Kosten einer mehrmonatigen Bauzeitverzögerung.

„Wir sind Opfer von kriminellen Machenschaften und durch die Schäden schon mehr als genug gestraft“, heißt es in dem Schreiben an Schuster, Kuhn und die Fraktionen. Weil von der Überschreitung der Grundfläche Privatgrundstücke, jedoch keine öffentlichen Grundstücke betroffen seien, stelle sich die Frage, ob es „ein öffentliches Interesse an einem Teilabriss“ gebe, argumentiert der Briefeschreiber.

Zwei weitere geschädigte Bauherren ­haben die Misere am Montag unserer Zeitung schriftlich bestätigt. „Mein Finanzierungsplan bewegt sich an der finanziellen Schmerzgrenze“, schreibt ein Bauherr. „Ich weiß nicht, wie ich den Rückbau finanzieren kann.“ Der andere Bauherr erwartet, dass es „zu Zwangsversteigerungen kommt“.

 
 
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Kommentare (10)
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Hr Schwäbli Ist schon länger als 1 Jahr her
Da geb ich ihnen dann allerdings recht. Wenn die 80cm nur 'unterirdisch' sind, dass man das ignorieren könnte...zumindest eher als ein 50cm zu hohes Haus, welches in den Wintermonaten darüber entscheidet ob mein nördlich gelegener Nachbar direktes Sonnenlicht im Fenster hat oder eben nicht. Allerdings wird das Baurechtsamt argumentieren können, dass der Rückbau des Kellergeschoßes auf das übrige Seitenwandmaß deutlich einfacher und günstiger zu bewerkstelligen ist als eine gesamte Wand zu versetzen. Wünsche Ihnen noch viel und vor allem schnellen Erfolg bei der Lösungsfindung.
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Hinweis Ist schon länger als 1 Jahr her
Architekten und Ingenieure, die Kammermitglieder sind, sind nach berufsrechtlichem Standesrecht zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung verpflichtet. Im Rahmen der Einreichung von Bauvorlagen beim Bauaufsichtsamt wird die Haftpflichtversicherung in der Regel – aber nicht immer – geprüft. Bauherrn ist insoweit gegebenenfalls zu empfehlen, sich die Haftpflichtversicherung des Planers nachweisen zu lassen.
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Herr Schwäbli Ist schon länger als 1 Jahr her
Das wäre aber 'ein starkes Stück' vom Architekten. Allerdings würde mich interessieren, ob das hier auch bewiesen ist oder nur vom Architekten behauptet wird : 'Das Baurechtsamt hat anscheinend gewusst, dass die Häuser 11,80 m sind' /// Sorry wenn Sie sich angegriffen fühlten.
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Bauherr Ist schon länger als 1 Jahr her
@ Hr. Schwäbli nur zur Aufklärung es geht nur um das Kellergeschoss das leider 80 cm herausragt, der Rest ist 11 m. Fazit: Wir haben die Pläne die dem Baurechtsamt vorgelegt wurden bzw. eingereicht nicht gesehen und unterschrieben.
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Bauherr Ist schon länger als 1 Jahr her
Ich habe Baupläne für 11,80 m bekommen. Und das Baurechtsamt für 11,00 m. Wenn ich auf der Baustelle bin und 11,80 m nachmesse, passt alles für mich. Laut dem Architekten sind 11,80 m auch genehmigt. Das Baurechtsamt hat anscheinend gewusst, dass die Häuser 11,80 m sind aber bis Ende September alle bauen lassen. Wo liegt denn mein Fehler? Ich habe weder die Pläne beim Baurechtsamt vorgelegt noch diese unterschrieben. Laut dem Architekten waren die Häuser genehmigt. Und dass die Häuser nur 11,00 m sein müssen, habe ich erst Ende September erfahren - da war mein Haus aber schon fertig.
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