Wohnhäuser zu groß Bauskandal in Stuttgart ruft Städte auf den Plan

Rainer Wehaus, 19.11.2012 11:23 Uhr

Stuttgart - Der Albtraum eines jeden Häuslebauers ist in Stuttgart Realität geworden: Nach Informationen unserer Zeitung­ müssen im Stadtteil Zazenhausen zwölf neu erbaute Doppelhaushälften verkleinert oder in Teilen abgerissen werden. Der Grund: Ein Bau­träger hat die Gebäude größer angelegt als im Bebauungsplan genehmigt und gegenüber der Stadt angezeigt. Sieben Häuser sind höher­ als erlaubt; hier hoffen die Bauherren noch auf eine Ausnahmegenehmigung. Die Stadt hat für die gesamte Baustelle mit ins­gesamt 25 Ein- und Zweifamilienhäusern einen Baustopp verfügt.

„Neben der Baueinstellung wurde ein Bußgeldverfahren gegen den Bauleiter eingeleitet“, sagte ein Sprecher der Stadt. Ähnliche Verstöße gebe es in Stuttgart zwar immer mal wieder. „In diesem Ausmaß ist aber kein vergleichbarer Fall bekannt.“

Die Häuser wurden nach dem Kenntnisgabeverfahren gebaut, das der damalige Wirtschaftsminister Dieter Spöri (SPD) Mitte der neunziger Jahre gegen heftige Kritik durchgesetzt hatte. Es ermöglicht ein Bauen ohne Genehmigung, die Pläne müssen der Kommune nur zur Kenntnis gegeben werden. Der Städtetag fordert angesichts des Skandals, das Verfahren abzuschaffen. „Eine Baugenehmigung hat befriedende Wirkung und schützt Bauherrn und Nachbarn gleichermaßen“, so Städtetagsdezernent Gerhard Mauch. Inzwischen gebe es auch ein schnelles, vereinfachtes Verfahren. Die Architektenkammer im Land schloss sich der Kritik an: „Das Kenntnisgabeverfahren sieht keinerlei Prüfungen vor, und es hat – wenn es schiefgeht – gerade für kleine, private Bauherren die dramatischsten Konsequenzen“, so Hauptgeschäftsführer Hans Dieterle. Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI) erklärte, das Verfahren sei gerade regierungsintern in der Diskussion. Eine Abschaffung würde das Bauen aber vielfach verteuern und verzögern.

 
 
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Kommentare (18)
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NOV
22
Thomas, 13:17 Uhr

@Bauherr @Anwohner

Mein Mitgefühl. Aber, ich will Ihnen die Illusionen nehmen. Sie sind hereingefallen und baden jetzt das Dilemma aus. Unseren Planer und Baubetreuer ist auch völlig egal ob je so gebaut werden kann. Und - die Gerichte scheinen es ähnlich zu sehen - siehe www.baupfusch.eu Also Mund abputzen, sparen und noch mal ein paar Tausender opfern zum richtigbauen.

NOV
22
Schmarrn, 01:27 Uhr

Addi

bitte mal auf dem Boden bleiben. Da jetzt der FDP die Schuld zu geben (die selbst nicht gerade dafür bekannt ist Bürokratie-freundlich zu sein) ist ja mal voll daneben, aber das weißt du ja selbst. Zum Thema: Für mich absolut nicht nachvollziehbar. Man sollte mit etwas Menschenverstand da rangehen und eine Ausnahme anstreben, das Projekt irgendwie durchwinken. Leider habe ich bei der Stadt Stuttgart da kein gutes Gefühl.

NOV
20
Auch wer, 13:02 Uhr

@Addi

Sie schreiben: 'Natürlich, aber die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Schaden der entstanden ist.' Was für ein Schaden ist denn entstanden? Niemand wäre ein Schaden entstanden, hätte man fertigbauen können. Es entsteht nur ein Schaden, weil das Bauamt einen Baustop verhängt hat.

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