Wohnhäuser zu groß Bauskandal in Stuttgart ruft Städte auf den Plan

Rainer Wehaus, 19.11.2012 11:23 Uhr
Seit 1996 darf man im Land auch ohne Genehmigung bauen, wenn man nur verspricht, sich an die Vorschriften zu halten. Ein krasser Fall in Stuttgart bringt diese Regelung nun erneut in die Kritik.

Stuttgart - Der Albtraum eines jeden Häuslebauers ist in Stuttgart Realität geworden: Nach Informationen unserer Zeitung­ müssen im Stadtteil Zazenhausen zwölf neu erbaute Doppelhaushälften verkleinert oder in Teilen abgerissen werden. Der Grund: Ein Bau­träger hat die Gebäude größer angelegt als im Bebauungsplan genehmigt und gegenüber der Stadt angezeigt. Sieben Häuser sind höher­ als erlaubt; hier hoffen die Bauherren noch auf eine Ausnahmegenehmigung. Die Stadt hat für die gesamte Baustelle mit ins­gesamt 25 Ein- und Zweifamilienhäusern einen Baustopp verfügt.

„Neben der Baueinstellung wurde ein Bußgeldverfahren gegen den Bauleiter eingeleitet“, sagte ein Sprecher der Stadt. Ähnliche Verstöße gebe es in Stuttgart zwar immer mal wieder. „In diesem Ausmaß ist aber kein vergleichbarer Fall bekannt.“

Die Häuser wurden nach dem Kenntnisgabeverfahren gebaut, das der damalige Wirtschaftsminister Dieter Spöri (SPD) Mitte der neunziger Jahre gegen heftige Kritik durchgesetzt hatte. Es ermöglicht ein Bauen ohne Genehmigung, die Pläne müssen der Kommune nur zur Kenntnis gegeben werden. Der Städtetag fordert angesichts des Skandals, das Verfahren abzuschaffen. „Eine Baugenehmigung hat befriedende Wirkung und schützt Bauherrn und Nachbarn gleichermaßen“, so Städtetagsdezernent Gerhard Mauch. Inzwischen gebe es auch ein schnelles, vereinfachtes Verfahren. Die Architektenkammer im Land schloss sich der Kritik an: „Das Kenntnisgabeverfahren sieht keinerlei Prüfungen vor, und es hat – wenn es schiefgeht – gerade für kleine, private Bauherren die dramatischsten Konsequenzen“, so Hauptgeschäftsführer Hans Dieterle. Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI) erklärte, das Verfahren sei gerade regierungsintern in der Diskussion. Eine Abschaffung würde das Bauen aber vielfach verteuern und verzögern.

 
 
Lokale Favoriten - stuttgarter-nachrichten.de
Kommentare (18)
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.
Thomas Ist schon länger als 1 Jahr her
Mein Mitgefühl. Aber, ich will Ihnen die Illusionen nehmen. Sie sind hereingefallen und baden jetzt das Dilemma aus. Unseren Planer und Baubetreuer ist auch völlig egal ob je so gebaut werden kann. Und - die Gerichte scheinen es ähnlich zu sehen - siehe www.baupfusch.eu Also Mund abputzen, sparen und noch mal ein paar Tausender opfern zum richtigbauen.
Antworten
Schmarrn Ist schon länger als 1 Jahr her
bitte mal auf dem Boden bleiben. Da jetzt der FDP die Schuld zu geben (die selbst nicht gerade dafür bekannt ist Bürokratie-freundlich zu sein) ist ja mal voll daneben, aber das weißt du ja selbst. Zum Thema: Für mich absolut nicht nachvollziehbar. Man sollte mit etwas Menschenverstand da rangehen und eine Ausnahme anstreben, das Projekt irgendwie durchwinken. Leider habe ich bei der Stadt Stuttgart da kein gutes Gefühl.
Antworten
Auch wer Ist schon länger als 1 Jahr her
Sie schreiben: 'Natürlich, aber die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Schaden der entstanden ist.' Was für ein Schaden ist denn entstanden? Niemand wäre ein Schaden entstanden, hätte man fertigbauen können. Es entsteht nur ein Schaden, weil das Bauamt einen Baustop verhängt hat.
Antworten
Bürger Ist schon länger als 1 Jahr her
Zuerst Bauskandal im Sauerkirschenweg (http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.neubaugebiet-hohlgrabenaecker-betonriegel-sorgt-fuer-unmut.a2921f5a-a013-4c41-bfd2-e306a418d5f3.html), acht Monate später hier. Ich frage mich, ob der Baubürgermeister Hahn alles im Griff hat - anscheinend nicht.
Antworten
Addi Ist schon länger als 1 Jahr her
Eine Prüfung verteuert den Bau. Natürlich, aber die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Schaden der entstanden ist. Schaffen wir doch alle Kontrollen weiter ab. Wir haben jetzt schon griechísch-türkische Verhältnisse in Deutschland. Das wird mit der FDP an der Macht auch nur noch schlimmer werden. Die kleinen Bürger muss ich mit den Regeln und Kontrollen schützen, nicht die großen Bonzen. Diese Trittbreettfahrerpolitik wird unsere Gesellschaft immer weiter zerstören, da haben auch die Reichen irgendwann nichts mehr zu lachen.
Antworten