Tipps für Skifahrer Piste, Pause, Piste

Von Stephan Brünjes 

Die Zahl der Unfälle auf Skipisten nimmt zwar ab – dafür werden die Unfälle heftiger. Die Gründe dafür sind die zunehmende Zahl der Skifahrer, die schnelleren Pisten und die  Carving-Ski, die viele Wintersportler zu rasanter Fahrweise verführen. Foto: Fotolia/© ARochau
Die Zahl der Unfälle auf Skipisten nimmt zwar ab – dafür werden die Unfälle heftiger. Die Gründe dafür sind die zunehmende Zahl der Skifahrer, die schnelleren Pisten und die Carving-Ski, die viele Wintersportler zu rasanter Fahrweise verführen.Foto: Fotolia/© ARochau

Am Wochenende kamen am Feldberg zwei Skifahrer ums Leben. Die Statistik aber widerlegt die Vermutung, dass Skifahren immer gefährlicher wird. Wichtige Voraussetzungen sind jedoch körperliche Fitness, eine gute Ausrüstung und ausreichender Versicherungsschutz.

Helm aufsetzen

Ein ungebremster Zusammenprall mit 50 Stundenkilometern auf der Piste ist wie ein Sturz aus zehn Meter Höhe – da schützt selbst der beste Helm nur noch begrenzt. Dennoch empfehlen Sicherheitsexperten, auf der Piste einen Helm zu tragen: Helme können Kopfverletzungen zu 85 Prozent verhindern – oder deutlich mindern. Wichtig bei der Anprobe: Der Skihelm sollte so eng sitzen, dass er beim Kopfschütteln mit geöffnetem Verschluss nicht verrutscht. Jeder in Europa verkaufte Helm muss die Norm EN 1077 erfüllen. Sinnvoll sind Rückenprotektoren – insbesondere für Snowboarder und Tourenski-Geher, da sie eher auf den Rücken fallen können.

Pausen einlegen

Auch wenn man über alpinen Pisten vermeintlich immer öfter Rettungshubschrauber kreisen sieht – die Zahl der Skiunfälle ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen: Nur noch etwa 13 von 1000 Alpinsportlern verletzen sich – im Jahr 1980 waren es noch doppelt so viele. Das geht aus den Statistiken der Stiftung „Sicherheit im Skisport“ hervor. Sie wertete im Auftrag des Deutschen Skiverbands und der ARAG-Versicherung Skiunfälle von 320.000 Versicherten aus. Demnach brechen, verdrehen oder stauchen sich fast die Hälfte aller auf den Pisten Verunglückten die Beine oder Arme. Nur elf Prozent verletzen sich am Kopf. Und nur fünf Prozent aller erfassten Schäden sind Folgen von Zusammenstößen – diese sind aber vielfach heftiger als früher.

Dafür sehen Experten mehrere Gründe: Die Zahl der Skifahrer nimmt zu; hinzu kommen die immer schnelleren Pisten, und die wendigen Carving-Ski verführen viele Wintersportler zu rasanter, leichtsinniger Fahrweise. Hinzu kommt, dass man an den Liften wesentlich kürzer warten muss, dadurch mehr Pistenkilometer pro Tag fährt, früher an seine Grenzen gerät, unkonzentrierter fährt und so zum Unfallrisiko wird. Darum empfehlen Experten, mehrere Pausen pro Tag einzulegen.

Pistenregeln befolgen

Die im Straßenverkehr bekannte Fahrerflucht kommt auch auf Skipisten vor – schon weil viele Urlauber die Fis-Regel Nummer 10 nicht kennen: „Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.“ Und zwar bei der Pistenpolizei. Doch die gibt es ja in den meisten alpinen Skiregionen von Deutschland und der Schweiz nicht mehr – es gibt zu wenige Einsätze.

Anders in Österreich und Italien. Im Grödnertal sind beispielsweise etwa 170 Pisten-Carabinieri unterwegs, schlichten im Streitfall oder helfen Skiläufern bei der Orientierung. Die Männer in ihren blauen Overalls mit rotem Brustring sind aber auch zur Stelle, um Raser zu ermahnen. Werden Pisten-Rowdys ein zweites Mal erwischt, müssen sie zwischen 40 und 100 Euro zahlen, extremen Wiederholungstätern wird der Skipass abgenommen.

Keinen Alkohol trinken

Klar, dass das eine oder andere Bier auf der Hütte lockt. Doch beim Alkohol lauert eine andere Gefahr: Wer anschließend einen Unfall auf der Piste baut, der verwirkt unter Umständen seinen Versicherungsschutz. Das kann teuer, im Extremfall sogar existenzgefährdend sein. Denn die Private Haftpflichtversicherung übernimmt üblicherweise Kosten aller Art, wenn jemand einer anderen Person einen Schaden zufügt. Zum Versicherungsschutz gehört Schmerzensgeld oder Verdienstausfall – aber auch das Geld, das der Unfallverursacher dem Geschädigten beispielsweise lebenslang für Invalidität und Berufsunfähigkeit zahlen muss.

Versicherung überprüfen

In jedem Fall empfiehlt es sich, vorm Start in den Skiurlaub den eigenen Versicherungsschutz zu checken – besonders wenn die Abfahrtpisten im Ausland liegen. Denn Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte müssen dort meist vom Patienten sofort bezahlt werden. Zu Hause gibt’s von der Krankenkasse aber oft nur so viel Geld zurück, wie die Behandlung in Deutschland gekostet hätte. Hubschrauber-Rettungseinsätze werden nicht übernommen – und solche Flüge kosten zwischen 3000 und 5000 Euro. Daher ist es sinnvoll, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Sie erstattet solche Beträge und die Differenz zwischen deutschen und ausländischen Behandlungstarifen.

Für Notfälle vorbereiten

Auch wenn Kollisionsunfälle selten sind, drauf vorbereitet sein sollte jeder Skifahrer: Beim Kauf des Skipasses sollten Skifahrer gleich die Nummer der Bergwacht erfragen und ins Handy einspeichern. So können sie im Falle eines Unfalls schnell Hilfe rufen. Wann immer möglich, müssen gestürzte oder zusammengeprallte Skifahrer die Unfallstelle schnell frei machen, um sich selbst und nachfolgende Wintersportler nicht zu gefährden, heißt es in den international gültigen zehn Fis-Regeln für Skifahrer und Snowboarder. Ist dies – beispielsweise wegen schwerer Verletzungen oder Bewusstlosigkeit – nicht möglich, sollten Unbeteiligte möglichst schnell die Unfallstelle absichern. Dazu gehört, zwei Skistöcke gekreuzt oberhalb des Unglücksortes in den Schnee zu stecken. Ist dies auf festgewalzten oder vereisten Pisten nicht möglich, bleibt nur, nachfolgende Skifahrer auf die Gefahr am Hang aufmerksam zu machen – ohne sich selbst dabei in Gefahr zu bringen.

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