Tafelspitzen Hausmannskost auf Japanisch

Von Michael Weier 

Keiko Allgaier ist eine Botschafterin Japans. 17 Jahre hat sie das Konsulat geleitet.

Keiko Allgaier ist nach wie vor eine Botschafterin Japans. 17 Jahre lang hat sie das Konsulat ihres Heimatlandes in Stuttgart geleitet. Dann war es für sie an der Zeit, etwas Neues zu beginnen. Sie hat ein Restaurant eröffnet. Sushi gibt es dort natürlich, aber Keiko Allgaier will ihren Gästen eigentlich das japanische Nationalgericht nahe bringen - die Nudel. Denn die hat ja bekanntlich nicht der Italiener, sondern der Asiate erfunden. Statt Spaghetti, Makkaroni und Fettucini heißen die Teigwaren dort Ramen, Udon oder Soba. Mal dicker, mal dünner, mal aus Buchweizen, mal aus Weizen. Fast immer schwimmen die Nudeln in einer Brühe, die wiederum höchst unterschiedlich schmecken kann.

Nudeln sind im Prinzip die japanische Hausmannskost. Und die Nudel hat einen patriotischen Einsatz verdient, findet Keiko Allgaier. Deshalb hat sie sogar mit einem Fabrikanten auf der schwäbischen Alb den Plan entwickelt, dort die Nudeln fertigen zu lassen. Das klappte letztlich nicht, weshalb die Nudeln nun eingeflogen werden. "Das war ein großes Projekt", sagt Keiko Allgaier, "aber jetzt müssen wir eben langsam anfangen." Und zwar mit der Überzeugungsarbeit in der Küche.

Die gelingt den japanischen Köchen ganz vorzüglich. Nicht nur deshalb, weil beim Neujahrsmenü schon die Vorspeise eine kulturelle Erfahrung ist. Fünferlei Speisen bringen für das anbrechende Jahr des Hasen nur Gutes: Der Tintenfisch mit Kaviar, goldgelb, steht zum Beispiel für Geldsegen, die rote Garnele für Gesundheit, der Rettich-Karotten-Salat für Glück. Da die Kleinigkeiten zudem schmecken, sei dem Japaner gerne geglaubt.

Das Menü bietet natürlich auch ein bisschen rohen Fisch, sehr feinen Thunfisch in einer aus Algen gefertigten Tüte, die sich Temaki nennt. Der kulinarische Höhepunkt für den schwäbischen Besucher sind dann die japanischen Maultaschen, die sich Gyoza nennen. Da wir Schwaben keinen Weltreisenden wie Marco Polo zum Klau der Rezepte nach Asien geschickt haben, gehe ich davon aus, dass die Japaner da bei uns abgeschaut haben - oder dass uns der Zufall zwei Varianten dieses herrlichen Gerichts beschert hat. Die Asia-Taschen schmecken einfach genial.

Yakitori-Spieße zwischendurch, zart und würzig, die Nudelsuppen, mal mit Seetang, mal mit Schweinebauch, Mais und Ei, oder die roten Bohnen mit Vanilleeis zum Nachtisch - an die japanische Hausmannskost kann man sich gewöhnen. Zumal, wenn sie in einem so natürlichen Rahmen (nicht Ramen) aufgetischt wird: Das Tokio Dining verzichtet einerseits auf asiatischen Folklorekitsch, andererseits kann es passieren, dass Sushi-Meister Toshihiko Tomaruam am Abend gewaltig auf die Pauke haut, auf japanischen Trommeln, sogenannte Taikos.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Man erlebt auch für wenig Geld recht viel

Atmosphäre: Freundliches Ambiente, herzlicher Ton

Küche: Gute japanische Hausmannskost

Adresse: Tokio Dining, Steubenstraße 12, 70190 Stuttgart, Telefon 50443102.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 11.30 bis 14.30 Uhr und von 17.30 bis 22.30 Uhr. Sonntag durchgängig von 11 bis 21 Uhr. An Feiertagen geschlossen.

Extras: Künftig soll es im Tokio Dining wechselnde Ausstellungen von jungen Künstlern geben. Zudem gibt es ein Lunchmenü und einen speziellen Lieferservice (Bestellungen bis 14 Uhr).

Anfahrt: verschiedene Stadtbahnlinien bis zur Haltestelle Mineralbäder. Für Autofahrer: Parkplätze direkt vor dem Haus.

 

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