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SWMH im Palazzo Zeitungen unterm Zirkuszelt

Von Jan Sellner 

Eine ganz besondere Premiere im Palazzo: Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), unter deren Dach die Stuttgarter Nachrichten und die Stuttgarter Zeitung erscheinen, begibt sich ins Scheinwerferlicht, um vor Prominenten sich und ihre Pläne zu präsentieren.

Stuttgart - Es ist der Abend der Geschwisterpaare: Die eineiigen Zwillinge Julia und Ele Janke, Trapezkünstler von Weltrang, ­begeistern die Gäste im Spiegelpalastzelt auf dem Cannstatter Wasen mit einer waghalsigen Show. Nicht weniger spektakulär: das Gastspiel der ukrainischen Zwillingsbrüder Roman und Slava, Meister des Stepptanzes.

Nüchterner, jedoch gleichfalls synchron fällt der Auftritt eines anderen Geschwisterpaares aus, das sich in der Vergangenheit selten gemeinsam zeigte, künftig jedoch umso mehr als Duo in Erscheinung treten will. Die Rede ist von den beiden großen örtlichen ­Tageszeitungen Stuttgarter Nachrichten (StN) und Stuttgarter Zeitung (StZ). Sie ­rücken zusammen, bleiben nach dem Willen von ­Geschäftsführung und Chefredaktionen aber zwei starke, eigenständige und deutlich unterscheidbare Marken.

Am Dienstagabend präsentieren sich ­Verlagsspitze und die Chefredakteure einem geladenen Publikum in Harald Wohlfahrts Palazzo. Dezent, nach Art des Hauses. „Glanz und Glamour halten sich auch heute Abend in Grenzen“, schickt ­Richard ­Rebmann vorweg. Er ist Vorsitzender der ­Geschäftsführung der Südwestdeutschen Medienholding, die an rund 30 Standorten mehr als 5500 Mitarbeiter beschäftigt und unter deren Dach 16 Tageszeitungen, 150 Fachinformationstitel sowie 16 Anzeigenblätter erscheinen. Ein Signal setzen will Rebmann aber schon: „Gerade in der heutigen Zeit, in der wir Medienschaffende mit Begriffen wie ,Lücken-‘ und ,Lügenpresse‘ bedacht werden, ist es jedoch wichtig, ein ­offenes Visier zu zeigen.“

Sorgfalt geht immer noch vor Schnelligkeit

Überhaupt, sich zeigen. Der SWMH-Chef nutzt den Auftritt vor den rund 150 Gästen im Palazzo, um aus Verlagssicht Grundsätzliches zu formulieren: „Auch in Zeiten der wirtschaftlichen ­Herausforderungen für die Verlagsbranche haben unsere Leser ein Recht auf eine anspruchsvolle journalistische Arbeit.“ Sorgfalt gehe vor Schnelligkeit. „Heute werden von uns Medienschaffenden mehr als früher die leisen Töne ­erwartet.“

Hohe Ansprüche. Wie ihnen gerecht werden? Rebmann verweist auf Investitionen in neue Medienangebote wie die Bildung einer Digitaleinheit für die Stuttgarter Schwestern sowie eines neuen Ressorts Multimedia Reportage. Die digitalen Angebote der beiden ­Blätter würden immer stärker ­genutzt. Mit mehr als zwei Millionen regelmäßigen Nutzern hätten StN und StZ bereits heute eines der reichweitenstärksten digitalen Nachrichtenangebote in Deutschland. Er sagt jedoch auch: „Die Refinanzierung des Qualitätsjournalismus ist eine der großen Herausforderungen der Zeit.“ In diesem ­Zusammenhang kündigt Rebmann an, die beiden Stuttgarter Titel würden künftig „nicht mehr alles kostenlos im Netz anbieten“.

Für Christoph Reisinger, Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, ist klar: „Die sich immer stärker differenzierenden Wünsche und Ansprüche von Lesern müssen durch jeweils passgenaue Informations­angebote beantwortet werden. Daher unsere große Offensive im Digitalen.“

Dem neuen Chef ist die Zeitung „eine Herzensangelegenheit“

Die Veränderungen in der Stuttgarter ­Zeitungslandschaft gehen auch mit einer Personalie einher: Herbert Dachs (55), zuvor 37 Jahre lang in Diensten der Presse Druck und Verlags GmbH in Augsburg („Augsburger Allgemeine“), ist seit November Geschäftsführer der SWMH-Tochter Medienholding Süd und damit derjenige, der die Schritte der Schwestern StN und StZ von Verlags­seite aus lenkt. Beim SWMH-Empfang mit Richard Rebmann und Geschäftsführerkollege Alexander Paasch skizziert Dachs die neue Strategie: den Wandel der beiden renommierten Zeitungen „zu multimedialen Marken“. Doch auch das gedruckte Wort behält seine Berechtigung. Ähnlich wie Drei-Sterne-Koch Wohlfahrt („Ich frühstücke mit der Zeitung“) nennt Dachs die Zeitungslektüre „eine Herzensangelegenheit“.

Zudem zeigt sich: Der Mann aus ­Bayrisch-Schwaben kommt mit den ­hiesigen Schwaben gut zurecht. Da sieht man es ihm nach, dass Dachs FC-Augsburg-Fan ist: „Seit seinem Eintritt Anfang November hat der VfB Stuttgart eine unerwartet gute Entwicklung genommen“, sagt Rebmann. Das gilt auch für den FC Augsburg. Der FCA und der VfB – noch  so  ein  Paar im Palazzo. Anders als StN und StZ werden die kickenden Schwaben nicht gemeinsam auf Punktejagd gehen. Im Übrigen hat auch die Annäherung der Chefredaktionen ihre Grenzen: Mit Blick auf die eineiigen Palazzo-Artisten sagt Dorfs an Reisinger gewandt: „Wir arbeiten bisher noch vergeblich daran, Zwillinge zu werden.“

Reid Anderson und Hans Peter Stihl unter den Gästen

Unter den Gästen im Spiegelpalastzelt: Reid Anderson, Ballett­intendant, Christoph Dahl, Geschäftsführer Baden-Württemberg-Stiftung, Susanne Eisenmann, Stuttgarter Kultur- und Schulbürgermeisterin, Heinrich Finkbeiner, Hotelier (Traube Tonbach), Georg Fundel, Walter Schoefer, Flughafen-Chefs, Ulrike Groos, Leiterin des Kunstmuseums Stuttgart, Ulrich Schwer, Hoteldirektor Schlossgarten, Hans Peter Stihl, Ehrenvorsitzender Andreas Stihl AG & Co. KG.

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