Stuttgarter OB-Wahl Rockenbauch will Turner nicht nützen

Von Josef Schunder 

Hannes Rockenbauch. Foto: Max Kovalenko/PPF
Hannes Rockenbauch.Foto: Max Kovalenko/PPF

Der S-21-Gegner Hannes Rockenbauch wird im Zweifel vor dem zweiten Wahlgang den Weg für Fritz Kuhn frei machen.

Stuttgart - Fritz Kuhn darf zuversichtlich sein. Das Institut Infratest-Dimap sah den Grünen bei der jüngsten Umfrage drei Prozentpunkte vor dem bürgerlichen Kandidaten Sebastian Turner. Und falls Bettina Wilhelm (SPD) und Hannes Rockenbauch (SÖS) nach dem ersten Wahlgang zurückziehen sollten, müsste am 21. Oktober für Kuhn der Weg zum OB-Sessel frei sein. Aber werden Wilhelm und Rockenbauch zurückziehen?

Da gab es in den letzten Tagen scheinbar widersprüchliche Auskünfte. Beispiel Rockenbauch: Dem Online-Sender Stuggi.TV sagte er, sollte er nach dem ersten Wahlgang keine Chance mehr haben, OB von Stuttgart zu werden, werde er am 21. Oktober nicht mehr antreten. „Ich will keinen Beitrag dazu leisten, dass ein mutloser und konzeptloser OB wie Turner an die Macht kommt. Stuttgart hat etwas Besseres verdient.“

„Erst entscheiden die Wähler und Wählerinnen, dann entscheiden wir“

Diese Sätze, die Stuggi.TV am Freitagnachmittag mittels Pressemitteilung verbreitete, passten offenbar jedoch nicht in Rockenbauchs Plan, vor dem ersten Wahlgang noch möglichst viele Stimmen für sich zu mobilisieren. Am Freitagabend kurz vor 21 Uhr gab sein Wahlkampfteam noch eine Pressemitteilung heraus, in der es heißt: „,Erst entscheiden die Wähler und Wählerinnen, dann entscheiden wir‘, stellt Hannes Rockenbauch klar. Er hat mit seinem Wahlkampagnen-Team keineswegs bereits über das Vorgehen nach dem ersten Wahlgang entschieden.“ Wenn das Ergebnis vorliege, wolle das Team in den folgenden Tagen gemeinsam darüber befinden, ob eine weitere Kandidatur sinnvoll sei – und, wenn ja, welche Schwerpunkte im Wahlkampf für den zweiten Wahlgang gesetzt werden sollen.

Was stimmt? „Natürlich entscheiden erst mal die Wähler und es wird gemeinsam beraten – danach gilt der andere Satz“, sagt Rockenbauchs Wahlkampfhelfer Gangolf Stocker. Eine Empfehlung werde Rockenbauch aber nicht abgeben. Von Verhandlungen mit Kuhn verspreche man sich nichts. Dennoch – und obwohl den Grünen oft Verrat am Widerstand gegen Stuttgart 21 vorgeworfen wird – dürften zahlreiche Rockenbauch-Anhänger zu Kuhn wandern. „Viele S-21-Gegner sehen in ihm das kleinere Übel, wenn Rockenbauch weg wäre“, sagt Stocker. Andere hätten angekündigt, dass sie Kuhn nicht wählen könnten. Aber ein nennenswerter Teil der Rockenbauch-Wähler wird es schon sein, womit Kuhn rechnen könne, meint auch der Hohenheimer Wissenschaftler Frank Brettschneider. Das Reservoir ist groß. Laut Infratest-Dimap wollten vor gut einer Woche noch 23 Prozent der Grünen-Wähler von der Landtagswahl bei der OB-Wahl für Rockenbauch stimmen. Und aus Wilhelms Lager könnte Kuhn wohl auch mehr Wähler erwarten als Turner.

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