Stuttgart 21 S 21: Baufirma für Technikgebäude in Turbulenzen

Von Michael Isenberg 

Die wachsende Baugrube für das Technikgebäude vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Leif Piechowski
Die wachsende Baugrube für das Technikgebäude vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof.Foto: Leif Piechowski

Familienbetrieb Kellerbau muss Insolvenz anmelden – Neubau am Hauptbahnhof soll sich nicht verzögern.

Stuttgart - Das Bauunternehmen, das im September mit dem Bau des unterirdischen Technikgebäudes für Stuttgart 21 beginnen soll, steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten: Am Montag hat die Johannes Kellerbau GmbH aus Süßen beim Amtsgericht Göppingen Insolvenz anmelden müssen.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Michael Pluta bestellt worden. Er sieht gute Voraussetzungen für die Sanierung der Firma, die vor 90 Jahren gegründet wurde und derzeit 248 Arbeitsplätze hat. „Die Auftragslage ist gut“, sagte Pluta. „Wichtig ist jetzt, dass die Kunden dem Unternehmen die Treue halten.“

Stuttgart 21 soll durch das Insolvenzverfahren möglichst wenig in Mitleidenschaft gezogen werden. „Wir sind bestrebt, dass es beim Projekt Technikgebäude schnell weitergeht“, sagten Pluta und Dieter Meyer-Keller, Geschäftsführender Gesellschafter der Kellerbau und der Enkel des Firmengründers, am Donnerstag unserer Zeitung.

Technikgebäude als zentrale Versorgungseinheit für Halle des künftigen Tiefbahnhofs, Bonatz-Bau und S-Bahn

Den Auftrag für das Technikgebäude hatte Kellerbau Mitte März in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Weilheimer Fischer GmbH erhalten. Die Weilheimer Firma ist in der Arbeitsgemeinschaft für die Baugrube, die derzeit am Nordausgang des Hauptbahnhofs ausgehoben wird, zuständig sowie für die kaufmännische Abwicklung des Projekts. „Wir hoffen, dass wir ohne Verzögerung weitermachen können“, sagte am Donnerstag Thomas Bauer von der Fischer GmbH. In den Händen der Kellerbau GmbH liegt bisher der Bau des Technikgebäudes und die technische Federführung.

Das Technikgebäude dient als zentrale Versorgungseinheit für die Halle des künftigen Tiefbahnhofs, den Bonatz-Bau und die S-Bahn. Der Neubau ist anspruchsvoll, weil er sich in der Tiefe 7,5 Meter weit unter den Hauptbahnhof schiebt, weshalb die Fundamente des Altbaus abgestützt werden müssen. Die zunächst beauftragte Firma Wolff und Müller hatte den Auftrag Anfang 2012 nach Streit mit der Deutschen Bahn zurückgegeben. Vermutungen, wonach die Insolvenz von Kellerbau auch mit baulichen Her­ausforderungen des Technikgebäudes zusammenhängt, seien falsch, betonte S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich am Donnerstag.

In einem Zeitungsartikel hat Firmenchef Meyer-Keller Verluste aus früheren Projekten als Grund für die Insolvenz genannt. Probleme habe es unter anderem bei der Abrechnung eines Schulgebäudes in Stuttgart gegeben. Ein Sprecher der Stadt wies diese Darstellung am Donnerstag zurück. Die Sporthalle des Wagenburg-Gymnasiums sei mit 1,93 Millionen Euro abgerechnet worden; das zuletzt noch offene Volumen in den „üblichen Abstimmungsgesprächen“ mit der Baufirma liege bei 50.000 Euro.

Alle Texte und Bildergalerien zum Bahnprojekt Stuttgart 21 finden Sie hier.

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