Stefan Mappus Als wäre er nie weg gewesen

Von Frank Krause 

Eine Rückkehr in die Politik könne er sich durchaus vorstellen: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus. Foto: dpa
Eine Rückkehr in die Politik könne er sich durchaus vorstellen: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus.Foto: dpa

Eigentlich ist es nur ein Neujahrsempfang. Aber der Termin am Sonntagmorgen in Mühlacker ist mehr. Es ist die Rückkehr eines streitbaren Politikers. Stefan Mappus ist wieder da.

Mühlacker - Es gibt Sonntage, da verlässt man ungern die eigenen vier Wände. Wenn’s regnet, niemand außer den Nebelschwaden unterwegs ist, da lässt sich schon mal ausschlafen, lange frühstücken, in Ruhe die Sonntagszeitung lesen. Nicht so aber an diesem 31. Januar in Mühlacker. Die örtliche CDU hat zum Neujahrsempfang in die Musikschule eingeladen. Eigentlich nichts Besonderes. Wenn da nicht auf den Einladungen der frühere Ministerpräsident Stefan Mappus als Gastredner angekündigt wäre. Also strömen sie aus allen Himmelsrichtungen heran. Jüngere wie Ältere, Freunde wie Weggefährten. Die Stühle gehen aus.

Im nahen Enzberg ist er einst aufgewachsen, hier in Mühlacker war er bis 1994 Stadtrat und Kreisrat, ehe es ihn in die Landespolitik zog. Nun also kehrt der 49-Jährige zurück. Aus dem politischen Ruhestand, den er seit der verlorenen Landtagswahl 2011 hinnehmen musste. Sein Thema: „Europa im kontinuierlichen Wandel: Von den Schwierigkeiten der politischen Union bis zur digitalen Revolution“. Das klingt so wie einmal quer durch den politischen Gemischtwarenladen. Ist es irgendwie auch. Aber Mappus hat sichtlich Freude daran. Schon die Begrüßung durch den stellvertretenden CDU-Stadtverbandschef muss ihm runtergehen wie Öl. „Stefan Mappus wäre wahrscheinlich noch heute unser Ministerpräsident, wenn damals zwei Wochen vor der Landtagswahl nicht das Atomkraftwerk in Fukushima explodiert wäre.“ Oder: „Die EnBW-Anteile wären heute wertvolles Landesvermögen, wenn das alles nicht passiert wäre.“ Die Zuhörer nicken, applaudieren.

Ja, wenn und wäre: Das zählt in der Politik eben nicht. Aber Mappus, in Begleitung seiner Frau und eines der Söhne, scheint seinen Frieden mit der Vergangenheit gemacht zu haben. Zumindest an diesem Vormittag. Zielstrebig geht er zum Mikrofon. Die Figur wie einst, stemmt er die Hände aufs Rednerpult, schaut mal links, mal rechts zu den Zuhörern, spricht sie immer wieder mit „Meine sehr geehrten Damen und Herren“ an. Wer es nicht wüsste, der könnte meinen, da hält einer eine Wahlkampfrede wie in alten Zeiten. Nur eines ist anders als einst: Er trägt jetzt eine Brille. Ansonsten angriffslustig wie früher, pointiert in den Aussagen. „Ich hoffe, dass ich politisch noch nicht so sehr eingerostet bin.“

Von Rost kann bei Mappus keine Rede sein

Alles lacht. Und alle merken schnell: Von Rost kann hier keine Rede sein. Nein, sagt er, dieses „Stromlinienförmige“ bei einigen Politikern der Jetztzeit, das passe ihm nicht. „Man muss um die beste Lösung auch mal streiten, so habe ich es gelernt.“ Und damit auch jeder im weiten Rund auf den Holzstühlen weiß, was er damit meint, knüpft er sich die AfD vor. Es sei „arrogant“, wenn Mitglieder der grün-roten Landesregierung mit denen nicht diskutieren wollen. Wer sonst stets die Bürgerbeteiligung propagiere, dann aber die „inhaltliche Auseinandersetzung mit denen ablehnt“, den könne man nicht wirklich mehr ernst nehmen. „Ignorieren ist der falsche Weg. Man muss die plumpen Argumente der AfD demaskieren.“

Da ist er wieder, der typische Mappus-Klartext, diese klare Kante bei Wortwahl und Aussprache. Seine Fans schätzen es, seine Feinde finden es polternd. Aber der Ex-Regierungschef war noch nie jemand, der anderen nach dem Mund geredet hat. Und so redet er auch bei anderen Themen nicht um den heißen Brei herum. Stichwort Europa. Da sei einst von Persönlichkeiten wie de Gaulle, Adenauer und Kohl so „grandiose Aufbauarbeit“ geleistet worden, dass es „mehr als bedenklich ist, in welch schlechtem Zustand Europa jetzt“ sei. Da möge es Deutschland noch so gut gehen und „wir trotz niedriger Energiepreise und niedriger Zinsen hochgradig wettbewerbsfähig“ sein, Mappus hebt warnend den Zeigefinger: „Die Welt um uns herum ist so unsicher wie nie zuvor.“

Kein Zweifel: Da redet einer, der zwar im Herzen noch immer Vollblutpolitiker ist, aber mit dem Verstand durchaus über die Mauern der Parlamente herausschaut. Eine Tugend, die bekanntlich manchem Parlamentarier vor lauter Wahlkämpfen und dem Drang zum Machterhalt immer öfter verloren geht. Deshalb zerstört Mappus auch alle Hoffnungen und Versprechungen der Regierenden, die Euro-Krise sei überwunden. Das Thema Griechenland sei „noch lange nicht durch“, im Übrigen sei der Umgang mit den Grundfesten des Euro haarsträubend. Die Ersten, die die Stabilitätskriterien gebrochen hätten, seien doch nicht Spanien und Italien gewesen, sondern Deutschland und Frankreich. „Wir sollten also etwas vorsichtig sein mit der Kritik an anderen.“

Die Zuhörer hängen Mappus an den Lippen

Je länger Mappus spricht, desto mehr hängen ihm die Zuhörer regelrecht an den Lippen. Man könnte eine Stecknadel fallen hören im Saal, so still ist es – egal, ob er über die Energiepolitik und den EnBW-Deal redet, über die weltweite Digitalisierung oder über das Thema Flüchtlingskrise. Im Unterschied zu vielen in der Landes-CDU lobt er den Kurs der Kanzlerin und erinnert seine Parteifreunde, die ihn gerne schneiden, sie sollten sich bei aller Kritik und der berechtigten Forderung nach einer Begrenzung der Zuwanderung mal bitte an das C im Parteinamen erinnern. Mappus sagt das nicht einfach so, er meint damit Grundsätzliches in der Politik. „Es gibt Momente, da musst du Entscheidungen treffen“, zeigt er Verständnis für Merkels Haltung. Fast könnte man meinen, er denke jetzt an eigene solche Momente zurück, zum Beispiel an die Nacht vom 5. auf den 6. Dezember 2010, als er den verhängnisvollen EnBW-Deal abschloss. Mappus’ Fazit: „Wenn’s gut läuft, waren alle dabei. Wenn’s schiefgeht, kommen sie alle, auch die Überzeugungstäter aus der eigenen Partei, um die Ecke und sagen dir, sie hätten gleich gewusst, dass es nicht geht.“

So geht der Auftritt von Mappus nach gut einer Stunde zu Ende. Er fordert noch ein Einwanderungsgesetz und ruft die Besucher des Vormittags etwas versteckt dazu auf, am 13. März CDU zu wählen, „damit das fünfjährige Experiment im Staatsministerium beendet wird“. Sprich Grün-Rot abtreten muss. Was folgt, sind langer Applaus, ein Karton spanischer Wein. Und ein wunderbarer Versprecher des stellvertretenden CDU-Stadtverbandsvorsitzenden. Man komme an Mappus politisch nicht vorbei, „auch wenn er sich derzeit im Hinterhalt aufhält“. Der ganze Saal lacht und feixt. Da hilft auch nicht die schnelle Korrektur des Gastgebers: „Ich habe natürlich Hintergrund gemeint.“

Wann Mappus dort herauskommt? Keiner weiß es. Aber eine Rückkehr in die Politik schließt er nicht mehr aus. Sein Vertrag als Vorstand beim IT-Unternehmen pmOne läuft noch bis 2019. „Ich plane nix, aber sag’s mal so: Das war’s noch nicht.“

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