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Stadtgeschichte Königstraße im Wandel der Zeit

Götz Schultheiss, vom 11.02.2012 09:16 Uhr
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Obere Königstraße in Stuttgart um 1889 Foto: Stadtmessungsamt
Obere Königstraße in Stuttgart um 1889 Foto: Stadtmessungsamt

Stuttgart - Bilder, aus dem Postflugzeug aufgenommen, Kupferstiche, Stadtpläne und viele alte Fotos: Eine Zeitreise per Mausklick bietet die DVD "Stadtentwicklung Stuttgart - von den Anfängen bis zur Gegenwart" des Stadtmedienzentrums. Heute präsentieren wir Stuttgart im Jahre 1891.

Stuttgarts bekannteste Straße ist die Königstraße. Mit ihren vielen Geschäften lädt sie zum Bummeln ein. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war sie von Fans aus aller Herren Länder bevölkert. Anfang des 13. Jahrhunderts war von einer Königstaße noch lange nicht die Rede, doch der Ausbau der ovalen Stadtanlage um den Vorgängerbau des Alten Schlosses, die Stiftskirche, den Marktplatz und einige Häuser einer Kaufmannssiedlung herum stellte gewissermaßen die Weichen für den späteren Straßenbau. Im Laufe der Zeit erhielt dieser Stadtkern eine Stadtmauer mit umlaufendem Wehrgang, Zwingergraben und Zwingermauer, einen wegen der Trockenheit selten mit Wasser gefüllten Graben und einen Wall, der aus dem Erdaushub der Gräben aufgeschüttet wurde. Heute zeigen die obere Königstraße und die Eberhardstraße den Verlauf der einstigen Befestigungsanlage: Die Königsstraße hieß einst der Große Graben und die Eberhardstraße der Kleine Graben.

Die Straße wirkt wie eine Fußgängerzone

Die einstigen Stadtwälle sind heute an den Steigungen der Straßen, die vom alten Stadtkern, dem Marktplatz, auf die Königs- oder Eberhardstraße führen, also Schulstraße, Breite Straße oder Hirschstraße, ablesbar. Die Stadtwälle sind damit neben dem Alten Schloss und der Stiftskirche die letzten Zeugen der mittelalterlichen Stadt.

Mit der Erhebung Württembergs zum Königreich anno 1806 wurde der Große Graben zugeschüttet und in Königstraße umbenannt, die über den Schlossplatz hinaus als Magistrale der Stadt verlängert wurde. Im gleichen Zug ließ König Friedrich I. sämtliche Gassennamen in Straßennamen umwandeln. "So wurde aus der Bärengasse die Bärenstraße. Sie wurde dadurch keinen Zentimeter breiter, aber es hörte sich weltläufiger an", sagt Herbert Medek, Experte für Stadtgeschichte im Stadtplanungsamt.

Seit 1805 bestand der königliche Marstall und die Eberhardskirche. Beide Gebäude wurden von der Solitude nach Stuttgart umgesetzt und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das erste Foto zeigt die Königstraße im Jahre 1889. Die Gebäude sind anlässlich des 25-Jahr-Regierungsjubiläums von König Karl mit den schwarz-gelben Farben Stuttgarts und den rot-schwarzen Württembergs beflaggt. Die Straße wirkt wie eine Fußgängerzone, die Leute sind festlich gekleidet. Zwei Droschken und die Pferdestraßenbahn, die es von 1868 bis Ende des 19.Jahrhunderts gab, sind zu sehen.

13 Anzünder waren mit Leitern unterwegs

Außerdem sind einige der etwa 3500 Gaslaternen zu sehen, die es damals in Stuttgart gab. "Private Haushalte hatten schon elektrisches Licht, im öffentlichen Raum spielte es jedoch noch keine Rolle", sagt Herbert Medek. Zeitgleich versahen aber noch 380 Öllampen ihren Dienst, die einzeln angezündet werden mussten. Dafür rückten 13 Anzünder aus, die mit Leitern unterwegs waren. Sieben davon waren Frauen.

Interessant ist die große Zahl der Ladengeschäfte, die es dort seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab. Die erste große Ladenzeile war der Königsbau, der seit 1859 den königlichen Hofhändlern zur Verfügung stand. Der Fotograf der Ansicht stand im ersten Stock der Legionskaserne, in der mehr als 100 Jahre zuvor Friedrich Schiller als Regimentsmedicus tätig war. 1908/09 entstand anstelle der Legionskaserne der Wilhelmsbau. Von dort aus und aus gleicher Höhe wie 1889 ist das untere Bild aus dem Jahre 1968 aufgenommen worden. Man sieht, dass die Autos den meisten Platz beanspruchen. Im Hintergrund steht der Bahnhofsturm. Kein einziges Haus des oberen Fotos ist erhalten. Dazugekommen sind der Bahnhof, die elektrische Straßenbahn und elektrische Leuchten. Heute ist das gesamte Areal eine Fußgängerzone für gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, ob Fußgänger, Radfahrer, Rettungsfahrzeuge oder Linienbusse. "Man hat damit die Situation von 1968 mit moderneren Methoden auf den früheren, ruhigen Zustand geheilt", sagt Herbert Medek.

In der Serie "Stadtansichten" zeigen wir in loser Folge historische Ansichten aus der DVD "Stadtentwicklung Stuttgart - von den Anfängen bis zur Gegenwart" des Stadtmedienzentrums. Wer die DVD erwerben will, kann sie bestellen. Per Mail: rbogenfeld@lmz-bw.de; per Post: Stadtmedienzentrum, Rotenbergstraße 111, 70190 Stuttgart. Die DVD kostet 20 Euro plus Versand.

Kommentare (3)
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FEB
14
13:46 Uhr, geschrieben von C. Klar
So warter nur, bis all die "schönen" neuen Einkaufsgalerien fertig sind
Bülow, Gerber, da Vinci und ECE. Und dann macht nochmal ein Bild von der "König"straße. Dann werdet ihr sehen, wohin dieser Schuster Stuttgart gebracht hat!
FEB
11
18:21 Uhr, geschrieben von Götz-Anbeter
Schöne alte Zeit
Damals hatte man in Stuttgart noch einen Durchblick. Heute sieht Elles so zerbombt aus. Es gab noch keine Menschen, mit blechernem Herz auf der Brust. Sturgett, du Schöne-oben bleiben!
FEB
11
13:29 Uhr, geschrieben von Ulrich Dürr
Habt Ihr nich mehr?
....oder warum sind Bild 2 und 3 (bis auf den Zuschnitt) tupfengleich?


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