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Stadtansichten Oh, wie schön war Stuttgart

Von Götz Schultheiss/bel 

Neue DVD: Wir zeigen, wie Stuttgart einst aussah und wie es sich verändert hat.

Stuttgart - Bilder aus dem Postflugzeug aufgenommen, alte Kupferstiche, moderne Stadtpläne: Eine Zeitreise per Mausklick bietet die DVD "Stadtentwicklung Stuttgart - von den Anfängen bis zur Gegenwart." Sie wurde der Öffentlichkeit am Mittwochabend im Rathaus vorgestellt.

Die DVD birgt Archiv-Schätze, die der Allgemeinheit normalerweise verschlossen bleiben: Mehr als 70 zoombare Karten und Stadtmodelle aus allen Epochen, Hunderte von Stadtansichten, Stichen und Fotos aus der Frühzeit der Fotografie bis heute vermitteln einen plastischen Eindruck vom Wachstum Stuttgarts von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Wer die Schönheit der Landeshauptstadt aus der Vogelperspektive erleben will, kann sich ins Jahr 1920 zurückversetzen und mit dem Postflugzeug einen Rundflug über das Stadtzentrum erleben. Andere Filmdokumente zeigen den damals noch spärlichen Verkehr in der Innenstadt im Jahre 1938. Auf der längst zur Flaniermeile umgewandelten Königstraße fahren 1958 noch Autos und Straßenbahnen, gebändigt vom Schupo auf einem Podest.

Herbert Medek, Leiter des Sachgebiets Allgemeine Verwaltung, Zentrale Dienste im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, entführt die Betrachter zu einem Rundgang durch das Stadtmodell von 1760/90. In Hörbeiträgen erklärt der profunde Kenner der Stadthistorie kompetent das Innenstadtoval, den etwa 500 Meter langen und 250 Meter breiten Stadtkern, der einst innerhalb einer Maueranlage mit Wassergraben und Wällen lag. Die Nordgrenze markierte der Obere Graben, heute Königstraße. Anstelle des einstigen kleinen Grabens im Süden verläuft heute die Eberhardstraße.

Interaktiver Stadtrundgang

Ende des 14. Jahrhunderts entstand im Süden eine Vorstadt, eine weitere ab 1450 im Norden. Wer im ausgehenden Mittelalter in Stuttgart übernachten wollte, tat dies am besten in den beiden Kloster-Pfleghöfen, dem Herrenalber Hof und dem Bebenhäuser Hof. Medek: "Das waren damals die besseren Hotels. In den Schilderwirtschaften ging es derber zu." In seiner launigen Führung geht Medek auch auf schillernde Gestalten ein, die sich in Stuttgart aufhielten. Zu ihnen gehörte auch der berühmte Verführer Casanova. Der Venezianer blieb nicht lange in Stuttgart, er türmte, weil er seine Spielschulden nicht bezahlen konnte.

Mit nicht nur einem weinenden Auge werden alte Stuttgarter die Fotografien der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und kurz danach betrachten. Dort ist unter anderem das Kronprinzenpalais zu sehen. Obwohl die Fassade einen Bombenangriff überstanden hatte, wurde sie abgerissen und machten dann einer Betonwildnis Platz, die erst jüngst durch das Kunstmuseum ersetzt wurde. Fast nicht mehr zu erkennen sind auf Bildern um 1920 Teile der oberen und unteren Königstraße, und es braucht ein sehr geübtes Auge, den Charlottenplatz von einst ausfindig zu machen.

Die DVD ist übersichtlich gegliedert. Ein Menü zeigt folgende Felder: Thema, Zoombare Stadtkarten, Videoüberflug 1920, Modell 1760, Innenstadt 1760/90 interaktiv. Der Klick auf das Themenfeld bietet ausgesuchte Straßen und Plätze. Beim Anklicken erhält der Betrachter einen erklärenden Text und mit einem weiteren Klick eine Bilderschau mit Ansichten des ausgesuchten Objekts.

Initiiert wurde die DVD von Herbert Medek und Johannes Gienger, Leiter des Stadtmedienzentrums Stuttgart am Landesmedienzentrum. Verwendet wurden Karten des Stadtmessungsamts, Modelle des Stadtplanungsamts, Bilder des Fotoarchivs des Landesmedienzentrums, Filmclips des Hauses des Dokumentarfilms und Texte des Planungsstabs des Stadtmuseums. Johannes Gienger hält die digitale Schatzkiste auch in Schulen für einsetzbar: "Sie zeigt den Wert der Digitalisierung von Archiven für das digitale Arbeiten im Unterricht."

Stuttgart damals und heute:  Wir zeigen, wie die Stadt einst aussah, und wie sie sich verändert hat. Klicken Sie sich unsere Bildergalerie.

Die Bilder des Landesmedienzentrums sind urheberrechtlich geschützt. Unter www.medienshop.lmz-bw.de können sie erworben werden.

Wer die DVD erwerben will, kann sie bestellen. Per Mail: rbogenfeldt@lmz-bw.de; per Post: beim Stadtmedienzentrum, Rotenbergstraße 111, 70190 Stuttgart. Die DVD kostet 20 Euro plus Versand.

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