Neuwahlen in Ditzingen Jugendgemeinderat, die Zweite

Von Patricia Elsner 

Die ersten Ditzinger Jugendgemeinderäte – bei ihrer konstituierenden Sitzung im Oktober 2015 Foto: factum/Archiv
Die ersten Ditzinger Jugendgemeinderäte – bei ihrer konstituierenden Sitzung im Oktober 2015 Foto: factum/Archiv

Das Projekt scheint gelungen: Nachdem der Jugendgemeinderat in Ditzingen im Oktober 2015 Premiere gefeiert hat, stehen nun die Wahlen für den neuen Rat an. Dabei sah es zwischenzeitlich so aus, als würde die Idee wieder in der Versenkung landen.

Ditzingen - Zwölf neue Jugendgemeinderäte sollen von Ende November an die Interessen und Wünsche der Ditzinger Jugend vertreten. Die Bewerbungsfrist für die Kandidaten ist am Dienstag abgelaufen. Beworben haben sich 18 Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren. „Noch vor zehn Tagen sah es aber schlecht aus für den Jugendgemeinderat“, sagt Kristina Steiger, die den Jugendgemeinderat betreut. Denn nur zwei Kandidaten hatten sich bis dahin bei der Stadt gemeldet. Mit einem Infostand beim Ditzinger Hafenscherbenfest am Wochenende vor Schulbeginn versuchten daher die amtierenden Jugendgemeinderäte, ihre Altersgenossen von dem Ehrenamt zu überzeugen.

Mit Erfolg: Am Montag sei die Bewerberzahl bereits auf zehn angestiegen. Und in der Nacht zum Dienstag hätten sich noch einmal acht Jugendliche gemeldet, sagt Steiger. „In den Sommerferien haben viele Schüler andere Dinge im Kopf als den Jugendgemeinderat“, sagt Carl Renninger, der Sprecher des Jugendgemeinderats, zu den späten Anmeldungen. „Für einige ist der Jugendgemeinderat wie Schule: In den Ferien haben sie frei.“

Sieben der Kandidaten sitzen bereits seit Oktober 2015 im ersten Ditzinger Jugendgemeinderat. „Ich bin froh, dass es jetzt in Ditzingen weitergeht“, sagt Renninger. Denn es brauche die Vertretung der Jugendlichen im Gemeinderat.

Die Jugendlichen sind mit dem Zwischenergebnis zufrieden

In den letzten zwei Jahren hätten die Jugendlichen auch einiges erreicht, stimmt Steiger zu. Sie haben an Projekten wie dem Lebenslauf und dem Weihnachtsmarkt teilgenommen und haben ein Fußballturnier organisiert. Außerdem stehen sie kurz vor der Eröffnung des öffentlichen Treffpunkts an der Konrad-Kocher-Schule. Und nächste Woche soll der Ratskeller Hirschlanden eröffnen, an dessen Umgestaltung die Jugendräte mitgewirkt haben.

Nicht alle Pläne konnten die jungen Räte allerdings umsetzen. „Am Anfang hatten sich die Jugendlichen viel vorgenommen, mussten aber feststellen, dass die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen“, sagt Steiger. Einige Projekte seien aber auch an der Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Jugendgemeinderäten gescheitert, sagt Steiger. „Die Jugendlichen wollten etwa Mülleimer an der Realschule anmalen, um diese besser sichtbar zu machen“, sagt sie. „In der Zwischenzeit hat die Verwaltung die Mülleimer allerdings austauschen lassen.“ Die neuen Eimer durften die Jugendlichen dann nicht anmalen. „Wir hätten unsere Ideen und unseren Standpunkt gegenüber der Verwaltung und der Schulleitung stärker vertreten müssen“, sagt der 17-jährige Renninger dazu. „Aus solchen Fehlern haben wir gelernt.“

Kein Kandidat aus der Theodor-Heuglin-Schule

Neben den sieben Alt-Jugendräten stehen elf neue Jugendliche zur Wahl. Je zwei Quotenplätze im Jugendgemeinderat erhalten das Gymnasium, die Theodor-Heuglin-Schule und die Realschule in Ditzingen. Ein Platz ist für einen Jugendlichen reserviert, der eine auswärtige Schule besucht oder eine Ausbildung macht. Da sich jedoch kein Kandidat der Theodor-Heuglin-Schule gemeldet hat, verfallen diese beiden reservierten Plätze. Von der Realschule hat sich nur ein Schüler beworben. Acht Kandidaten gehen auf das Ditzinger Gymnasium, neun besuchen eine auswärtige Schule. In den nächsten Tagen sollen die Kandidaten mit Namen und Foto in den sozialen Medien und im Internet vorgestellt werden. Außerdem besuchen die Kandidaten vor den Wahlen auch die weiterführenden Schulen in Ditzingen.

Die Stimmzettel an alle Ditzinger Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren sollen Anfang Oktober versendet werden. In der Woche vom 23. bis zum 27. Oktober können die Jugendlichen dann wählen. Zwölf Stimmen kann jeder Schüler vergeben, maximal drei pro Kandidat. Renninger hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung. Im Jahr 2015 lag diese bei 30 Prozent. „Das war mir zu wenig. Ich wünsche mir, dass sich mehr Schüler für ihre Interessen in der Kommunalpolitik einsetzen.“

Jugendräte in der Nachbarschaft

Korntal-Münchingen
Die jungen Menschen in Korntal-Münchingen haben im Sommer ihren fünften Jugendgemeinderat gewählt. Vom 26. Juni bis zum 7. Juli wurde abgestimmt – ausschließlich online. Es standen 20 Kandidaten aus allen drei Stadtteilen für 18 Mandate zur Verfügung. Bei der Wahl 2015 waren es weniger Bewerber als Posten zur Verfügung standen. Gewählt hatten damals 310 Wahlberechtigte, das entsprach einer Wahlbeteiligung von 24 Prozent.

Gerlingen
In der Stadt unter der Schillerhöhe wird im November wieder das Jugendgremium gewählt, in dem es 18 Sitze gibt. Wahltermine sind vom 11. bis zum 19. November; die Wahl findet noch klassisch in Wahllokalen statt, die jeder Wähler aufsuchen muss. Die Bewerbungsfrist ist vom 22. September bis 9. Oktober; die Ergebnisse werden bei einer Wahlparty am Sonntag, 19. November, bekannt gegeben.

Lesen Sie jetzt