Mordprozess Asien-Perle Schwarzgeld und Scheinehe

Von Phillip Weingand 

Im Prozess um den Mord an einer Backnanger Restaurantchefin haben der Ex-Hauptverdächtige und ein Sohn des Opfers ausgesagt – dabei kamen einige Familiengeheimnisse ans Licht.

Stuttgart/Backnang - Rund fünf Stunden hatte der 31-jährige Sohn der ermordeten Backnanger Restaurantchefin vor dem Landgericht Stuttgart bereits Rede und Antwort gestanden. Er hatte vom Leben seiner Mutter erzählt, von der Tatnacht, davon, wie er nicht vergessen konnte, wie der Sanitäter am Tatort sagte, die Leichenstarre sei bereits eingetreten. Dann, nach einer emotionalen Frage seines Anwalts, flossen schließlich die Tränen. Dennoch fasste er sich wieder und beantwortete auch die letzten Fragen noch.

Derer gab es viele: „Auch wenn manche Dinge unangenehm sein werden, müssen Sie wahrheitsgemäße Angaben machen“, hatte der Vorsitzende Richter ihn noch erinnert. Immer wieder kamen in der öffentlichen Verhandlung Dinge ans Licht, über die kaum jemand gerne sprechen dürfte.

Das spätere Mordopfer wurde mit mutmaßlichem Schwarzgeld erwischt

Der 31-jährige Sohn, dem das spätere Mordopfer offiziell die Leitung der Asien-Perle übertragen hatte, musste auch über mutmaßliches Schwarzgeld Auskunft geben. Immerhin war seine Mutter im Jahr 2010 zweimal am Frankfurter Flughafen erwischt worden – einmal mit 140 000, einmal mit knapp 30 000 Euro im Gepäck.

Die Frage, wie in der Asien-Perle mit Geld umgegangen wurde, ist für den Prozess relevant, da das Mordopfer offenbar Einiges an Bargeld in einem Zimmer im Restaurant versteckt hatte: Die Täter hatten dort fast 40 000 Euro liegen gelassen. Warum, ist ungeklärt. Die beiden Angeklagten hatten gegenüber dem psychiatrischen Gutachter behauptet, bei einem Raub fremde Stimmen gehört zu haben und geflohen zu sein – das Opfer habe zu diesen Zeitpunkt noch gelebt.

Ein weiteres Geheimnis, das im Prozess an diesem Verhandlungstag ans Licht kam: Der Sohn räumte ein, dass die Mutter und einer ihrer fünf Brüder eine Scheinehe geführt hätten, um diesem einen Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen.

Aie W., die Chefin der Asien-Perle, hatte offenkundig kein leichtes Leben: Sie wurde 1963 in einer ländlichen Gegend in Südchina geboren und sei nur kurz zur Schule gegangen, weil sie in der Landwirtschaft ihres Vaters helfen musste. Sein Vater sei erkrankt und gestorben, als er drei Jahre alt gewesen sei, sagte der 31-Jährige. Anfang der 1990er-Jahre zog die Familie nach Holland, zum zweiten Mann von Aie W. Er sei spielsüchtig und gewalttätig gewesen – „das war für uns Kinder schlimm“, so der 31-Jährige. Auch ihr dritter Mann sei anfangs hilfsbereit und nett gewesen – dann habe er sich gewandelt.

Die Chefin der Asien-Perle soll bedroht worden sein

Am Mordopfer hatte einer der beiden Angeklagten in seiner Aussage kein gutes Haar gelassen, er hatte ihr Geiz und Herrschsucht vorgeworfen. Dem trat nun ihr Sohn entgegen: „Sie war charakterstark und wusste, was sie wollte. Aber sie war auch ein sehr lieber Mensch und hat immer gern geholfen.“ Der Angeklagte Dumitru A. und seine Frau hätten mit Aie W. wegen ihres Lohns gestritten – und Frau A. habe seiner Mutter gedroht. „Für mich sind die beiden Angeklagten schuldig“, sagte der 31-Jährige.

Der Ex-Tatverdächtige im Fall Asien-Perle hat viele Erinnerungslücken

Bevor eine DNA-Spur die Ermittler auf die beiden rumänischen Angeklagten brachte, galt ein Mitarbeiter und Vertrauter der Chefin als tatverdächtig: Der 48-Jährige hatte der Polizei gesagt, am Tatabend nach Hause gefahren zu sein – dabei hatte er im Restaurant geschlafen. Er behauptete, der Sohn der Chefin habe alle angewiesen, nichts von den Schlafplätzen in der Asien-Perle zu erzählen. Der wegen seiner Staatsbürgerschaft als „Spanier“ bezeichnete chinesischstämmige Koch konnte sich an kaum etwas erinnern – dabei gehört er zu den Letzten, die das Opfer lebend gesehen haben. Die Erinnerungslücken kosteten den Vorsitzenden Richter sichtlich Nerven. Der „Spanier“ muss daher am Montag erneut aussagen.

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