ICE-Strecke nach Ulm Viel Lärm um die Wendlinger Kurve

Gerhard Schertler, 17.05.2012 11:20 Uhr

Wendlingen - Zwischen Stuttgart und Ulm ist die neue ICE-Strecke über die Schwäbische Alb bereits im Bau. Doch für einige Abschnitte des mit Stuttgart 21 eng verbundenen Vorhabens gibt es noch keine genehmigten Pläne. In Wendlingen bereitet insbesondere der Lärmschutz Probleme.

Eine sechsspurige Autobahn, eine vierspurige Bundesstraße, die ICE-Neubaustrecke und die alte Schienenverbindung entlang des Neckars – mit dieser geballten Ladung an Verkehrsinfrastruktur sieht sich die 16.000 Einwohner zählende Stadt Wendlingen am Neckar spätestens ab 2020 konfrontiert. Zusätzlich zur heutigen Verkehrsmenge sorgt dann ein Plus von 200 weiteren Zügen Tag und Nacht für Verkehrslärm. Kein Wunder, dass sich neben Wendlingen auch andere Kommunen im Neckartal Sorgen machen, wie sie diesen Geräuschpegel verkraften können.

In diese Diskussion hat sich bereits 2009 die Esslinger SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Roth in ihrer Funktion als Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium eingeschaltet. Zusammen mit den Bürgermeistern aus den betroffenen Kommunen hat sie einen Lärmgipfel einberufen und den anwesenden Vertretern der Bahn einige Zugeständnisse abgerungen. Vereinbart wurde damals auch, dass die Bahn bei einem zweiten Treffen über die Ergebnisse berichtet.

Lärmschutzmaßnahmen in Höhe von sieben Millionen Euro installiert

Zu dieser Runde ist es im Wendlinger Rathaus gekommen. Karin Roth konnte dabei zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bahn Netz AG, Oliver Kraft, den Bürgermeistern aus Wendlingen, Köngen, Wernau, Deizisau und Reichenbach/Fils tatsächlich Erfolge vermelden. Entlang der bestehenden Strecke am Neckar und der Fils, also von Esslingen bis Geislingen und von Plochingen bis Wendlingen wurden Lärmschutzmaßnahmen in Höhe von sieben Millionen Euro installiert.

Im einzelnen handelt es sich dabei um 5,4 Kilometer Lärmschutzwände und den Einbau von schalldämmenden Fenstern in 470 Wohnungen. bis zum Jahr 2015 gibt die Bahn nochmals 2,7 Millionen Euro aus, damit die lauten Fahrgeräusche der Züge nicht bis in die Wohngebiete von Wendlingen und Wernau zu hören sind. Beim Treffen in Wendlingen machte Kraft deutlich, dass es sich dabei um freiwillige Leistungen der Bahn handelt.

Bahn sieht Wendlinger Kurve als Bestandsstrecke

Um die durch das Gesetz vorgesehenen Maßnahmen entlang der ICE-Neubaustrecke im Bereich Wendlingen (Abschnitt 2.1a/b) zeichnet sich allerdings eine Auseinandersetzung zwischen der Stadt Wendlingen und der Bahn ab. Beim zweiten Lärmgipfel machte der Wendlinger Bürgermeister Steffen Weigel darauf aufmerksam, dass die dort vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen aus Sicht der Stadt nicht ausreichen. Insbesondere geht es Weigel um den Bereich der sogenannten Wendlinger Kurve. Das kurze Schienenstück ist die Verbindung zwischen der bestehenden Strecke Tübingen-Stuttgart und der Schnellbahnstrecke. Sie wird gebaut, damit Züge von und nach Tübingen über den zukünftigen Filderbahnhof und damit den Flughafen fahren können.

Weil die Bahn die Wendlinger Kurve als Bestands- und nicht als Neubaustrecke sieht, plant sie dort Lärmschutzmaßnahmen, die sich nicht an den restriktiveren gesetzlichen Vorgaben für eine Neubaustrecke orientieren. Wendlingen hat gegen diese Planungen im Verlauf des Verfahrens Einwendungen erhoben. Die Stadt will erreichen, dass die Kurve als Neubaustrecke geplant und genehmigt wird, damit mehr Wendlinger in den Genuss eines effektiven Lärmschutzes kommen. Die Pläne für diesen insgesamt 9,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen Wendlingen und Kirchheim/Teck werden voraussichtlich erst im Laufe des kommenden Jahres genehmigt.

Dass die Nachbarn der Bahnlinien durchs Neckar- und Filstal weniger vom Lärm der Züge beeinträchtigt werden, dafür sorgen nicht nur sichtbare Bauten entlang der Strecken. Ab Dezember 2012 stehen nach Angaben von Kraft insgesamt 300 Millionen Euro zur Verfügung, um den 180.000 Güterwaggons in Deutschland leisere Bremsen und Räder zu verpassen. Bis 2020 sollen große Teile des Wagenbestands umgerüstet sein. Hinzu kommt, dass die Bahn sämtliche Gleise in regelmäßigen Abständen mit einem speziellen Schleifzug plan schleift. Für Roth und Kraft steht fest, dass sich durch diese Maßnahmen auch im Neckar- und Filstal der Lärm um neun bis zwölf Dezibel vermindern wird, obwohl dann über die Schienen in diesem Bereich mehr Züge rollen. „Die Verbesserung wird hörbar sein“, hat Roth den Bürgermeistern beim Lärmgipfel versprochen.

 
 
Lokale Favoriten - stuttgarter-nachrichten.de
Kommentare (18)
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentar schreiben
Anzeigen
MAI
25
M. Braun, 16:37 Uhr

nützliches und andere Sachen

Wenn ein Schreiber von der Wirtschaftlichkeitsberechnung spricht, denkt er auch daran, dass in diesem Projekt die Wirtschaftlichkeit durch die Einrechnung von so genannten 'leichten Güterzügen' zustande kam? Und diese Berechnung wurde 'von einem von der Deutschen Bundesregierung' beauftragten unabhängigen Büro erstellt?! Dazu noch Fragen? Und Lärm? Am besten einmal einen Tag neben die Strecke setzen - dann nachdenken und dann Statements abgeben.

MAI
21
Rollo vom Staufeneck , 19:21 Uhr

Die Filztalbewohner werden sich mit den lausigen Güterzügen rumärgern. Und mit der Strecke von annedunnemals.

Dafür haben sie in ihrer Mehrheit für S-21 und törichte Albüberquerung gestimmt, die kein Güterzug unter betriebstechnischen und wirtschaftlichen Gründen befahren kann. Verführt von einer völligern Falsch-Werbung der CDU samt der schwanzwedelnden SPD haben die Menschen im Filztal versäumt, sich richtig zu informieren. Sonst hätten sie alle gegen dieses Dummheitsprojekt S21-NBS gestimmt. Jetzt hören sie bald den Lärm, den sie sich auch verdient haben - Tag und Nacht.

MAI
21
Aufmerksamer Leser, 15:01 Uhr

Mal wieder den Falschen Falsches vorgeworfen...

@DonCarlos, Sie schrieben 'Der Nutzen vom Überflüssigen.Wie hoch darf man Überflüssiges bei der Berechnung von Wirtschaftlichkeit ansetzen? Nach Ansicht der DB AG darf man das zu 100 % anrechnen.' Sie irren. Den Nutzen bewertet nicht die Bahn, sondern ein unabhängiges Ingenieurbüro im Auftrag des Bundes. Das hat festgestellt, dass auf der Strecke weiterhin Bedarf besteht, und es hat auch noch niemand erklärt, warum das nicht der Fall sein sollte. Denn wenn die heute dort verkehrenden Züge (und dafür muss es ja gute Gründe geben, wenn die Strecke angeblich so nachteilig ist) sich nur genauso vermehren wie es der Rest des Güterverkehrs mutmaßlich tut, dann ist angenommen Nutzung bereits zum Großteil gegeben und erkärt.

Kommentar-Seite 1  von  6
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.