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Hungerstreik der Flüchtlinge Stadt sieht keine Versäumnisse in Turnhalle

Von Jürgen Bock 

Kinder und Jugendliche protestieren am Dienstag vor einer Turnhalle im Stuttgarter Osten gegen ihre Unterbringung. Mittlerweile ist der Hungerstreik weit gehend beendet Foto: Lichtgut/Jan Potente
Kinder und Jugendliche protestieren am Dienstag vor einer Turnhalle im Stuttgarter Osten gegen ihre Unterbringung. Mittlerweile ist der Hungerstreik weit gehend beendetFoto: Lichtgut/Jan Potente

Nach umfangreicher Prüfung kommt die Stadt Stuttgart zum Schluss, dass es in einer Turnhalle im Osten keine größeren Missstände gibt. Drei Viertel der Flüchtlinge dort waren am Dienstag in Hungerstreik getreten.

Stuttgart - Nach umfassender Prüfung der Verhältnisse in einer Turnhalle im Stuttgarter Osten kommt die Stadtverwaltung zum Schluss, dass es für einen Hungerstreik keinen­ Anlass gegeben hat. Rund drei Viertel der 120 Bewohner hatten am Dienstag und zum Teil auch noch tags darauf die Nahrungsaufnahme verweigert. Sie klagen über schlechte hygienische Verhältnisse und Perspektivlosigkeit.

„Inzwischen haben alle erfahren, dass sie am 22. Februar in andere Unterkünfte umziehen dürfen“, sagt Sozialamtsleiter Stefan Spatz. Man habe „grundsätzlich Verständnis“ dafür, wenn nach dreieinhalb Monaten in einer Turnhalle die Nerven der Betroffenen angespannt seien. Durch die Ankündigung habe sich jedoch die Lage beruhigt. Größere hygienische Mängel, ansteckende Krankheiten oder erhebliche Probleme mit dem Essen habe man in der Halle aber nicht feststellen können.

Schlepper versprechen häufig eigene Wohnungen

Aus Sicht des Sozialamtsleiters trägt nicht nur die lange Wartezeit auf engstem Raum dazu bei, dass Flüchtlinge über ihre Lage klagen. Oft schürten auch Schlepper, die die Leute nach Deutschland bringen, falsche Erwartungen: „Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass den Leuten erzählt wird, sie bekämen hier eigene Wohnungen.“ Da wirkten Notquartiere wie das im Osten besonders desillusionierend.

Auf Turnhallen als Unterkünfte verzichten kann die Stadt weiter nicht. Im Gegenteil sollen und müssen in den nächsten Monaten einige Notquartiere wie diverse Waldheime wieder geräumt werden. Das erhöhe den Unterbringungsdruck. „Er bleibt außerordentlich hoch“, sagt Spatz. Nach wie vor kämen „relativ viele“ Asylsuchende nach Stuttgart. Im Januar hat das Land 906 Menschen zugewiesen, im Februar wird eine ähnlich große Zahl erwartet. Über das gesamte Jahr gerechnet geht man von durchschnittlich 600 Menschen pro Monat aus.

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